Deutsche Verbraucher kommen vergleichsweise gut durch die Coronakrise

PwC-Umfrage untersucht die Auswirkungen der Pandemie auf Konsumentenverhalten und Handel

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Dr. Christian Wulff
Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland
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Corona verändert das Einkommen und das Einkaufsverhalten

Die Corona-Pandemie hat die nord- und südeuropäischen Länder unterschiedlich hart getroffen – diese Unterschiede spiegeln sich auch bei den Konsumenten wider. Während in Deutschland und den Niederlanden rund ein Drittel der Verbraucher Einkommenseinbußen infolge der Coronakrise in Kauf nehmen mussten, trifft dies in Südeuropa deutlich mehr als die Hälfte. 57 Prozent der Italiener geben an, dass sie nun weniger Einkommen zur Verfügung haben. Bei den Spaniern sind es sogar 61 Prozent.

Insofern müssen die Deutschen ihre Ausgaben auch weniger stark einschränken: Nur 24 Prozent wollen in den kommenden Monaten weniger ausgeben. 38 Prozent gehen davon aus, dass sie sogar wieder mehr für den Konsum aufwenden werden. Anders sieht es in Südeuropa aus: 42 Prozent der Italiener und 56 Prozent der Spanier planen, in den kommenden Monaten weniger Geld auszugeben.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung zu den Auswirkungen der COVID-19-Krise auf das Konsumverhalten. Dazu hat PwC 3.400 Verbraucher in sieben europäischen Ländern befragt (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Schweden und Niederlande), darunter knapp 500 deutsche Konsumenten aus den Großstädten Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt.

„Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher wird vor allem die Segmente im Handel treffen, die bereits während des Shutdowns erhebliche Einbußen beim Umsatz hinnehmen mussten: Bekleidung, Schuhe sowie Sport- und Outdoorausrüstung.“

Dr. Christian Wulff, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick

Der Einkauf verlagert sich in digitale Kanäle

Im Zuge der Krise haben die Deutschen ihr Einkaufsverhalten stark angepasst: 30 Prozent kaufen weniger im stationären Einzelhandel ein. In Italien betrug dieser Anteil aufgrund des strengen Lockdowns sogar 60 Prozent. Dafür verlagert sich der Einkauf immer stärker in die digitalen Kanäle: Ein Drittel shoppt hierzulande mehr im Internet, ein Viertel kauft nun häufiger über das Smartphone ein. Besonders spürbar ist der Anstieg von E-Commerce im Lebensmittelsegment.

Während der Coronakrise haben die Menschen in Deutschland insgesamt mehr Geld für Lebensmittel, Medien und Unterhaltung sowie für Bestellungen in Restaurants und bei Lieferdiensten ausgegeben. Weniger Geld floss in dieser Zeit in Kleidung und Schuhe, Sport- und Outdoor-Ausrüstung sowie Haushaltsartikel.

Onlinehandel für Lebensmittel im Aufwind

Wegen der Angst vor einer Ansteckung reduzierten viele Verbraucher die Frequenz für den Gang in den Supermarkt: Vier von zehn Verbrauchern in Deutschland (41 Prozent) kauften weniger häufig Lebensmittel ein. Drei Viertel der Verbraucher (76 Prozent) tätigten ihre Einkäufe vor allem im stationären Einzelhandel, während ein Viertel (22 Prozent) der Deutschen online – im Internet oder per Smartphone – Lebensmittel bestellte und sich liefern ließ oder im Laden abholte.

Immerhin gut die Hälfte derjenigen, die Lebensmittel online bestellen, kaufen jetzt mehr Nahrungsmittel im Netz. Und die große Mehrheit (82 Prozent) möchte dies in diesem Umfang auch beibehalten, wenn die Distanzregeln und Einschränkungen im öffentlichen Leben nicht mehr gelten. Von den französischen, italienischen und spanischen Kunden, die Lebensmittel online bestellen, tun dies rund 70 Prozent nun deutlich häufiger.

„Der E-Commerce-Anteil im Lebensmittelhandel wäre auch in Deutschland vermutlich noch stärker gestiegen, wenn die Unternehmen auf den plötzlichen Anstieg der Nachfrage vorbereitet gewesen wären. So konnten viele Händler die Flut an Online-Bestellungen nicht schnell genug abwickeln und nicht alle Kunden vollständig bedienen.“

Dr. Christian Wulff, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland

Medienkonsum steigt – ebenso wie der Fokus auf die eigene Gesundheit

Auch auf den Medienkonsum hat die Pandemie tiefgreifende Auswirkungen: Fast die Hälfte der Deutschen (44 Prozent) benutzte in Zeiten des Social Distancing häufiger Messaging-Dienste und die allermeisten (92 Prozent) wollen dies auch so beibehalten. Bei den Spaniern und Italienern nutzten 72 bzw. 66 Prozent verstärkt Messaging-Dienste. In Schweden, wo kaum Kontaktbeschränkungen gelten, waren es dagegen nur 26 Prozent.

Und auch das Fernsehen erlebte ein Revival: 44 Prozent der deutschen Verbraucher schauten mehr Fernsehen – und 80 Prozent wollen dies auch nach überstandener Krise tun. In den Ländern mit strengen Ausgangsbeschränkungen stieg der TV-Konsum sogar noch stärker: In Spanien schauten 67 Prozent der Menschen mehr fern, in Italien 61 Prozent. 38 Prozent der Deutschen – und 58 Prozent der Italiener und 66 Prozent der Spanier – waren aktiver in den sozialen Medien und wollen das mit großer Mehrheit weiterhin tun. Gleichzeitig hat die Pandemie den Fokus auf die eigene Gesundheit gestärkt: Rund zwei Drittel der Deutschen wollen sich nun mehr um ihre mentale Gesundheit kümmern und sich ihrer physischen Gesundheit und Fitness widmen. 62 Prozent geben an, sich auf ihre Ernährung konzentrieren zu wollen.

Deutsche Großstädte haben die Krise im Griff

Die große Mehrheit der befragten Verbraucher ist indes zufrieden, wie ihre Großstadt die Krise managt: Fast zwei Drittel (64 Prozent) sind der Meinung, dass ihre Heimatstadt gut auf die Auswirkungen der Krise vorbereitet war. In den europäischen Nachbarländern sieht das ganz anders aus: In Frankreich und den Niederlanden sehen nur 38 bzw. 40 Prozent der Verbraucher, dass ihre Stadt gut für COVID-19 gerüstet war. In Schweden sind es sogar nur 25 Prozent.

Und nur 34 Prozent der Schweden und 43 Prozent der Spanier bewerten das Krisenmanagement ihrer Stadt als gut; in Deutschland sind dagegen 69 Prozent der Meinung, dass ihr Wohnort effektiv mit den Folgen der Krise umgehe.

Die Methodik

PwC hat 3.400 Verbraucher in sieben europäischen Ländern befragt (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Schweden und Niederlande), darunter knapp 500 deutsche Konsumenten aus den Großstädten Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt.

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