Die Nahrungsmittelindustrie in Zeiten des Klimawandels

PwC-Studie 2020: Die Szenario-Analyse als Werkzeug für ein belastbares Geschäftsmodell

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Dr. Christian Wulff
Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland
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Die globale Erwärmung setzt die Branche unter Druck

Die globale Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ist den Folgen des Klimawandels besonders stark ausgesetzt, denn klimabezogenen Risiken haben direkte Auswirkungen auf ihren Umsatz und Gewinn. Im Dürresommer 2018 sank der landwirtschaftliche Ertrag für Getreide pro Hektar in Deutschland beispielsweise um 16 Prozent im Vergleich zum Drei-Jahres-Durchschnitt der vergangenen Jahre. Unter einer weiteren globalen Erwärmung könnte die Häufigkeit und Schwere von Extremwetterereignissen zunehmen und Geschäftsmodelle in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zunehmend unter Druck setzen. Hersteller müssen Klimarisiken folglich stärker in ihre Entscheidungsprozesse integrieren. Ein hilfreiches Werkzeug zur Überprüfung der strategischen Belastbarkeit unter verschiedenen Annahmen ist die Szenario-Analyse.

„Die Lebensmittelindustrie sollte Klimarisiken zukünftig explizit in alle strategischen Entscheidungsprozesse integrieren. Die Auswirkungen des Klimawandels werden sich im Nachfrageverhalten und in den Kostenstrukturen gleichermaßen niederschlagen – deutlich stärker als das heute schon der Fall ist.”

Dr. Christian Wulff, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick

Es lassen sich zwei Arten von Klimarisiken unterscheiden:

  • Die physischen Risiken betreffen in erster Linie die landwirtschaftliche Produktion, denn der Klimawandel hat direkte Auswirkungen auf Ernte und Nutztiere. Ereignisse wie lange Dürreperioden oder heftige Stürme können aber auch zu Unterbrechungen der Lieferkette führen und den Produktionsprozess negativ beeinflussen.
  • Transitorische Risiken (Übergangsrisiken) ergeben sich vor allem durch den Übergang in eine CO2- arme Wirtschaft, zum Beispiel durch die Einführung eines Preises auf CO2-Emissionen. Sie können steigende Preise für Rohmaterialien und Energie zur Folge haben.

TCFD-Empfehlungen zur Klimaberichterstattung

Einen guten Anhaltspunkt, wie die Berücksichtigung von Klimarisiken funktionieren kann, liefern die 2017 veröffentlichten Empfehlungen der „Task Force on Climate-related Financial Disclosures“ (TCFD). Das Rahmenwerk gibt Handlungsempfehlungen, wie Unternehmen die Folgen des Klimawandels konsistent in ihre Berichterstattung integrieren können. Die TCFD nennt die Szenario-Analyse dabei als hilfreiches Werkzeug, um Risiken und Chancen in Bezug auf das Klima besser zu verstehen und die Folgen abzuschätzen.

„Mit traditionellen Methoden ist es schwierig, die zukünftigen Folgen des Klimawandels auf die Geschäftsmodelle der Nahrungsmittel- und Getränkehersteller greifbar zu machen. Szenario-Analysen helfen Unternehmen dabei zu analysieren, wie sich Klimaerwärmung und getroffene Maßnahmen auf Geschäftsmodelle und die finanzielle Performance auswirken könnten.“

Dr. Nicole Röttmer, Partnerin und Climate Lead bei PwC Deutschland

Weniger als die Hälfte der Unternehmen berichtet über klimabezogene Risiken und Chancen

Auch der regulatorische Druck zur Szenario-basierten Klimaberichterstattung steigt: Unterzeichner der Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren der Vereinten Nationen (United Nations Principles for Responsible Investment, PRI) müssen bereits ab 2020 über Klimaindikatoren berichten, die sich auch mit der Anwendung einer Szenario-Analyse befassen.

In ihrem Statusbericht aus dem Jahr 2019 stellt die TCFD allerdings fest, dass nur 45 Prozent der untersuchten Unternehmen aus Landwirtschaft und Nahrungsmittelbranche bereits zu den Auswirkungen klimabezogener Risiken und Chancen auf ihr Geschäft, ihre Strategie und Finanzplanung Rechenschaft ablegen. Lediglich 4 Prozent treffen dabei eine Aussage über die Resilienz ihrer Unternehmensstrategie unter Berücksichtigung verschiedener Klimaszenarien.

Eine ganzheitliche Klimastrategie stützt sich auf drei Säulen

Um das Klimarisiko wirksam einzudämmen und sich an die sich verändernde Umwelt anzupassen, sollte eine Klimastrategie umgesetzt werden, die sowohl die eigenen Auswirkungen auf den Klimawandel als auch die Auswirkungen des Klimawandels auf das eigene Unternehmen berücksichtigt. Diese ruht auf drei Säulen:

  • Auswirkungen auf das Klima: Wie kann ich als Unternehmen Emissionen kosteneffizient und im Einklang mit den Anforderungen der Pariser Klimakonvention reduzieren?
  • Klimarisiken: Wie werden sich Risiken im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Antwort auf den Klimawandel und die physischen Auswirkungen der globalen Erwärmung auf mein Unternehmen auswirken?
  • Klimachancen: Welche Chancen und Geschäftsmöglichkeiten werden sich für mein Unternehmen im Zusammenhang mit dem Klimawandel ergeben?

Die Szenarioanalyse stellt ein nützliches Instrument dar, um die Auswirkungen auf die Tätigkeit von Unternehmen in der Nahrungsmittelindustrie besser zu verstehen.

Szenarioanalyse in einer Zwei-Grad-Welt

Eine PwC-Analyse belegt beispielhaft, basierend auf wissenschaftlich fundierten Klimaszenarien und den entsprechenden Annahmen zu möglichen Wirkungen in einer Zwei-Grad-Welt, dass Unternehmen, die sich nicht an die vom Klimawandel betroffene Umwelt anpassen, bereits bei einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 2 Grad ernsthafte Konsequenzen fürchten müssen. Die klimabedingten Risiken könnten sich in diesem Szenario negativ auf die finanzielle Performance auswirken, etwa weil die Produktionskosten zum Beispiel durch einen Preis auf CO2-Emissionen oder extreme Wetterereignisse stark steigen. Um diese Entwicklung besser zu verstehen, ist es notwendig, die sektorspezifischen Risiko- und Chancenfaktoren zu betrachten. Darüber hinaus sind die Beziehung und die individuelle Marktmacht zwischen Händlern und Landwirten sowie Herstellern und Einzelhändlern von großer Bedeutung: Diese wirken sich auf die Fähigkeit der Unternehmen aus, ihre Kosten an nachgelagerte Akteure in der Wertschöpfungskette weiterzugeben.

Unternehmen sollten sich auch zwangsläufig mit dem Szenario einer Erderwärmung um drei Grad auseinandersetzen. Denn dieses Szenario halten Experten mittlerweile für wahrscheinlicher. In diesem Fall würden die transitorischen Risiken zwar abnehmen, physische Risiken jedoch deutlich zunehmen.

„Unternehmen sollten ihre strategische Resilienz auch angesichts des Klimawandels testen, um negative finanzielle Auswirkungen zu vermeiden und wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Dr. Nicole Röttmer, Partnerin und Climate Lead bei PwC Deutschland

Strategische Überlegungen sollten die folgenden Punkte beinhalten:

  • Werden sich klimabedingte Risiken auf die Verfügbarkeit und die Preise der für die Produktionsprozesse benötigten Ressourcen auswirken?
  • Wird das Risiko eingeschränkter Wasserverfügbarkeit bei der Planung von Produktionskapazitäten ausreichend berücksichtigt?
  • Könnten neue Technologien die Kosteneffizienz und die Minderung von CO2-Emissionen unterstützen?
  • Sollten Anpassungen des Produktportfolios in Betracht gezogen werden?

„Die Szenario-Analyse ist ein hilfreiches Werkzeug, um die strategischen Prioritäten zu identifizieren und gleichzeitig die Vorgaben von Regulatoren, Investoren und anderen Stakeholdern zu erfüllen, die verstärkt auf die Klimarisiken ihrer Investitionen achten.“

Dr. Christian Wulff,Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland

Die Methodik

Die Studie basiert auf Desk Research auf Basis aktueller Forschung, darunter wissenschaftliche Forschung zu Klimaszenarien. Die Analyse wurde mit Hilfe des PwC Climate Excellence Tools zur Szenario-Analyse durchgeführt. Die Methode wurde von The CO-Firm konzipiert, gemeinsam mit führenden Finanzinstitutionen weiterentwickelt und über sieben Jahre am Markt getestet. Das Tool basiert auf wissenschaftlicher Forschung, Sektorwissen der PwC-Experten und ergänzenden Experteninterviews.

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