Die Ergebnisse des Global Crisis Survey 2019

Aus Krisen lernen: Die Ergebnisse der größten Erhebung von Unternehmenskrisendaten, die je erstellt wurde.

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Claudia Nestler ist Partnerin und Forensics Leader bei PwC

Claudia Nestler
Partnerin und Forensics Leader
bei PwC Deutschland
Tel: +49 69 9585-5552
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Sechs von zehn deutschen Unternehmen waren in den vergangenen fünf Jahren von einer Krise betroffen.

Einen Plan zur Prävention von Unternehmenskrisen hat die Mehrheit jedoch nicht. Lediglich vier von zehn Firmen verfügen über ein Krisenteam mit festgelegten Rollen und Verantwortlichkeiten.

Zu diesen Ergebnissen kommt der Global Crisis Survey 2019 von PwC, die größte Zusammenstellung von Unternehmenskrisendaten, die je erstellt wurde. Für die Studie hat PwC rund 2.000 Führungskräfte aus 25 Branchen in 43 Ländern befragt, davon etwa 100 Führungskräfte aus Deutschland. Insgesamt wurden global über 4.500 Krisensituationen analysiert.

„Können Unternehmen positive Erfahrungen aus Krisen ziehen, die vielleicht sogar Wettbewerbsvorteile mit sich bringen? Ja, dies ist definitiv möglich. Und dabei muss es sich nicht einmal um eine selbst durchlebte Krise handeln!“

Claudia Nestler, Partnerin und Forensics Leader bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick:

Niemand ist vor einer Krise sicher

Auch wenn deutsche Firmen im internationalen Vergleich weniger betroffen waren, gaben immerhin rund 60 Prozent der Befragten an, innerhalb der vergangenen fünf Jahre von mindestens einer Unternehmenskrise getroffen worden zu sein. Als häufigste Krisenart nannten die Befragten Betriebsunterbrechungen/-ausfälle (27 Prozent), Unterbrechungen/Ausfälle der Technologie (25 Prozent), Fehlverhalten bei der Mitarbeiterführung (23 Prozent) und rechtliche/regulatorische Krisen (21 Prozent). 

Dass niemand davor sicher ist, wird noch deutlicher, wenn man die Erwartungen des Managements hinsichtlich zukünftiger Krisen betrachtet. Im PwC CEO Survey von 2018 prognostizierten 73 Prozent der Führungskräfte, dass sie in den nächsten drei Jahren mindestens eine Krise erleben werden. In der aktuellen Umfrage gehen fast 100 Prozent von mindestens einer Krise in naher Zukunft aus.

Die Auslöser können stark variieren. Insgesamt gesehen ist es jedoch wahrscheinlich, dass jedes deutsche Unternehmen in Zukunft von einer Krise getroffen wird. Sie sind daher gut beraten, eine angemessene Krisenprävention zu etablieren.

Ein Plan allein reicht nicht aus

Im weltweiten Vergleich sind sich die deutschen Unternehmen noch nicht so bewusst, wie wichtig ein Plan zur Krisenprävention ist. Lediglich 40 Prozent der Führungskräfte in Deutschland haben einen Krisennotfallplan implementiert. Weltweit sind es immerhin 52 Prozent.

Es braucht ein Krisenteam mit klaren Verantwortlichkeiten

Sowohl bundes- als auch weltweit gab jeder vierte Studienteilnehmer an, keine verantwortliche Führungskraft zur Krisenprävention und -bewältigung festgelegt zu haben. 29 Prozent der deutschen Manager erklären, dass ihr Unternehmen zwar eine verantwortliche Person für eine Unternehmenskrise benannt hat, jedoch keine festen Aufgaben und Verantwortlichkeiten für diese Rolle festgelegt sind. Lediglich 39 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ein Krisenteam mit klar verteilten Rollen und Verantwortlichkeiten haben. Das bedeutet im Umkehrschluss:

Mehr als 60 Prozent der deutschen Firmen haben entweder kein Krisenteam oder verlassen sich auf informelle Verantwortlichkeiten und Teams.

Insofern verwundert es kaum, dass sich deutsche Firmen krisenanfällig fühlen: 55 Prozent der Führungskräfte (global 52 Prozent) stufen die Teamkoordination in Krisensituationen als eine ihrer größten Schwachstellen ein. Damit eine Organisation effizient auf eine Krise reagieren kann, braucht es aber ein Krisenteam mit klarer Rollenverteilung. Wurde eine Krise gemeinsam durchlebt und überstanden, stärkt dies das Teamgefühl, und die gesammelten Erfahrungen helfen in künftigen Krisensituationen.

Zu wenige Unternehmen lernen aus Krisen

Nach einer Krise gilt es, die Krisenursachen und die Qualität der Krisenbewältigung zu analysieren. Bleibt dieser wichtige Schritt aus, kann die Organisation nicht gestärkt aus der Situation hervorgehen und sich noch effektiver auf zukünftige ungeplante Ereignisse vorbereiten. Doch es scheint, dass Führungskräfte diese Chance nicht ausreichend ergreifen. 

Nur beinahe jeder achte Befragte führt nach einer Krisensituation eine Ursachenanalyse durch und nutzt die gewonnenen Erkenntnisse, um den Krisennotfallplan zu optimieren. Lediglich 13 Prozent der deutschen und 15 Prozent der globalen Manager haben eine solche Evaluation durchgeführt und entsprechende Veränderungen vorgenommen. 

Häufig wird es notwendig, die Krisenprävention aufgrund von externen Einflüssen anzupassen. So sehen sich rund 30 Prozent der deutschen Firmen nach einer Krise mit neuen Regulierungen konfrontiert, die implementiert werden müssen.

Infografik zum Global Crisis Survey 2019 von PwC

„Organisationen sollten die Gelegenheit nutzen und aus Krisen lernen. Eine Analyse der Ursachen kann helfen, die Gründe aufzudecken, Schwachstellen zu identifizieren und diese zu beheben. Auch wenn ein Unternehmen vermutlich nicht zweimal mit derselben Krisensituation konfrontiert wird, kann es gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen.“

Martin Schnatenberg, Senior Manager im Risk Consulting bei PwC Deutschland

Drei Tipps für einen praktikablen Krisennotfallplan

Krisenprävention unabhängig gestalten

Ein komplexer Plan zur Krisenbewältigung, der jedes mögliche Szenario berücksichtigt, ist nicht erforderlich. Er sollte vielmehr variabel und wirklich umsetzbar sein. Nur 27 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass sie ihren Krisennotfallplan in einer Krisensituation angewendet und daraus auch Rückschlüsse gewonnen haben. Für einen praktikablen Notfallplan sollten Sie zunächst das höchste Risiko, das Ihr Unternehmen oder Ihre Branche treffen könnte, ins Auge fassen. Schulen Sie dazu Ihre Mitarbeiter mittels Krisenszenario, damit diese im echten Krisenfall angemessen reagieren, intern wie auch extern souverän kommunizieren und die richtigen Maßnahmen einleiten können. Legen Sie darüber hinaus einen übergeordneten Rahmen fest, der das Unternehmen unabhängig von der Art des Problems auf eine erfolgreiche Bewältigung unvorhersehbarer Ereignisse vorbereitet.

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Krisennotfallplan an Unternehmen ausrichten

Nichts wird Ihre Unternehmenskultur und Ihre gelebten Unternehmenswerte auf eine härtere Probe stellen als eine Krise. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) fühlten sich von ihrer letzten Krise überfordert. Dies könnte bedeuten: Der Krisennotfallplan stand nicht im Einklang mit den Unternehmenswerten, die Art und Weise der Umsetzung blieb hinter den Erwartungen zurück, oder es traten kulturelle Spannungen auf. Nutzen Sie Ihre Unternehmenswerte als Botschaft, um das Vertrauen in Ihre Entscheidungen zu stärken und das Vertrauen Ihrer Stakeholder zu erhalten.

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Krisenfestigkeit testen

Machen Sie sich klar, dass die Lektüre über Rollen und Abläufe in einer Krisensituation nicht mehr als eine theoretische Basis sein kann. Die Rollen und Abläufe tatsächlich zu erproben ist für eine ernst gemeinte Krisenprävention unerlässlich. Nur 32 Prozent der bundesweit befragten Führungskräfte überprüfen und testen ihre Krisenreaktionsfähigkeit regelmäßig. Krisensimulationen sind dabei sehr hilfreich, um zu erkennen, was noch verbessert werden muss, damit im Ernstfall ein erprobtes und nachhaltig wirksames Vorgehen gewährleistet ist.

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Wie Unternehmen gestärkt aus Krisen hervorgehen

Fast jedes dritte deutsche Unternehmen, das von einer Krise betroffen war, stimmt uneingeschränkt zu, sich nach der Krise in einer besseren Ausgangsposition gesehen zu haben. Was haben diese Organisationen anders gemacht?

Sie stellen Kapital für die Krisenprävention bereit

61 Prozent der deutschen Unternehmen stellen ein Budget zur Krisenprävention bereit. Und 77 Prozent geben an, dass ihr Krisenmanagement zu keinen negativen Umsatzauswirkungen geführt hat. Sie haben also proaktiv in ihre Fähigkeiten zur Krisenbewältigung und ihre Führungsstruktur investiert.

Sie haben einen Plan und testen diesen

Um Krisen gut zu überstehen, sind festgelegte und erprobte Vorgehensweisen unabdingbar. 69 Prozent der befragten Unternehmen geben an, einen Notfallplan zu haben, den sie in Unternehmenskrisen umsetzen. Von diesen überprüft etwa ein Drittel den Notfallplan regelmäßig, aktualisiert und testet diesen und stellt sicher, dass der Plan samt Verantwortlichkeiten und Abläufen allen Personen, die in seine Umsetzung involviert sind, bekannt ist. So können sie in einer Krisensituation schnell und effektiv reagieren.

Sie ermitteln die Fakten und berücksichtigen dabei alle wichtigen Interessensgruppen

68 Prozent der Befragten, die gestärkt aus einer Krise hervorgegangen sind, wissen, wie wichtig es ist, bei Kriseneintritt die Fakten des Ereignisses schnell und genau zu ermitteln. Hierbei gibt es jedoch noch Verbesserungsbedarf: 40 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, dass sie in diesem Fall nicht über die relevanten Informationen verfügten, die für eine effektive Krisenreaktion notwendig gewesen wären. Um erfolgreich reagieren zu können, kommt es zudem darauf an, dass alle Interessensgruppen ein klares Verständnis über die Fakten haben und wissen, wie sie in bestimmten Situationen handeln sollen.

Sie haben eine Ursachenanalyse durchgeführt und die Erkenntnisse umgesetzt

87 Prozent der deutschen und 92 Prozent der Firmen weltweit, die gestärkt aus einer Krise hervorgegangen sind, haben eine Ursachenanalyse durchgeführt. Drei von vier Unternehmen haben diese Analyseerkenntnisse auch umgesetzt und Anpassungen im Krisenmanagement vorgenommen.

Sie haben als Team agiert und an ihren Werten festgehalten

Ob eine Krisenbewältigung erfolgreich ist oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Besonders wichtig ist, wie gut alle Beteiligten als Team agieren. Diesen Zusammenhang belegt die Studie: 84 Prozent der Unternehmen in Deutschland (global 90 Prozent) bestätigen, dass sie ihre Krise im Team gut gemeistert haben. Darüber hinaus gaben 68 Prozent der deutschen Führungskräfte (global 84 Prozent) an, dass sie während einer Krise an ihrer Unternehmenskultur und den gelebten Werten festgehalten haben.

„Jede Organisation kann in eine Notsituation geraten. Daher gilt es, bestmöglich auf derartige Fälle vorbereitet zu sein, um beim Eintritt von Krisen angemessen reagieren zu können und gestärkt aus diesen hervorzugehen.“

Claudia Nestler, Partnerin, Forensics Leader

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