Die Lebensqualität in deutschen Großstädten ist grundsätzlich hoch: 89 Prozent der Berufstätigen fühlen sich an ihrem Wohnort wohl. Dabei schätzen die Menschen insbesondere die guten Jobmöglichkeiten, attraktive Kultur- und Freizeitangebote sowie den unkomplizierten Zugang zu Bildung, Gesundheit und Verkehr.
Für Frust sorgt bei den Berufstätigen in den Metropolregionen jedoch die schwierige Suche nach einer bezahlbaren Bleibe: Wie in den Vorjahren sind zwei Drittel mit der Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt unzufrieden. Das bleibt nicht ohne Folgen für den Arbeitsmarkt: Durch die Wohnungsnot fällt es Unternehmen schwer, offene Stellen zu besetzen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle PwC-Befragung.
„Es fehlt an Impulsen, um an der Situation auf dem Wohnungsmarkt etwas zu verändern. Ideen zur Abhilfe gibt es viele, aber es hapert leider an der zügigen Umsetzung von Maßnahmen, die den Wohnungsbau beschleunigen und Mieten auf einem verträglichen Niveau halten.“
Die angespannte Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt droht die ohnehin schwächelnde Wirtschaft weiter auszubremsen: So sehen acht von zehn Erwerbstätigen ein Problem darin, mit Blick auf den aktuellen Wohnungs- und Immobilienmarkt Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.
Besonders kritisch ist die Situation in Großstädten wie München und Berlin. Händeringend gesucht werden vor allem Arbeitskräfte aus niedrigen bis mittleren Einkommensklassen wie Pflegekräfte (63 Prozent), Handwerker:innen (46 Prozent) und Erzieher:innen (43 Prozent). Auch im Bau- oder Sicherheitsbereich zeigen sich regionale Engpässe.
Und die Lage dürfte sich weiter verschärfen: Wie im Vorjahr geben 53 Prozent der Berufstätigen an, dass sie bei einer kräftigen Mieterhöhung über einen Jobwechsel nachdenken würden. In München sind die Überlegungen zu einem Umzug oder Arbeitsplatzwechsel besonders ausgeprägt: Hier geben 60 Prozent an, bei günstigeren Mieten einen Job- oder Wohnortwechsel in Betracht zu ziehen.
Insgesamt hat jede:r Zehnte bereits einmal den Job wegen zu hoher Mieten gewechselt. Bei jüngeren Arbeitnehmenden, den 18- bis 34-Jährigen, ist es sogar fast jede:r Fünfte. Aber regional zeigen sich auch hier Unterschiede: In Essen sind es 18 Prozent, in Stuttgart nur 7 Prozent.
Allerdings spielt nicht nur das Thema Wohnen eine zentrale Rolle, wenn Berufstätige über einen jobbedingten Umzug nachdenken: Auf Platz 1 der Faktoren steht die Arbeitsplatzsicherheit (54 Prozent) – ein Hinweis auf die angespannte wirtschaftliche Lage und die Sorge vieler Menschen, in Zeiten von KI und Rezession ihre Arbeit zu verlieren.
Neben den bezahlbaren Mieten und der Arbeitsplatzsicherheit achten die Menschen auch darauf, wie sicher der Wohnort ist, wenn sie über einen Umzug für eine neue Arbeitsstelle nachdenken: 45 Prozent nennen die Sicherheit im öffentlichen Raum und Aspekte wie Kriminalitätsrate und Polizeipräsenz am Standort als wichtigen Punkt.
Aktuell fühlen sich zwar 74 Prozent der Erwerbstätigen an ihrem Wohnort sicher – aber es zeigen sich starke regionale Unterschiede: Besonders gute Werte erreichen München, Nürnberg und Hamburg (je 81 Prozent), während sich die Menschen in Essen weniger sicher fühlen (60 Prozent).
Um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen, plädieren die Befragten für eine gute Beleuchtung von Straßen, Plätzen und Wegen (47 Prozent) und die regelmäßige Präsenz von Polizeistreifen und Sicherheitskräften (38 Prozent). Für die Videoüberwachung an zentralen Orten spricht sich nur ein Drittel aus.
München liegt wie im Vorjahr in sieben der zehn abgefragten Kategorien auf dem Spitzenplatz: bei Kultur & Freizeit, Bildung, Gesundheit, Arbeitssituation, Bürgerbeteiligung, Umwelt & Klima und Sicherheit.
Stark schneidet auch Leipzig ab. In drei von zehn Kategorien liegt die Stadt auf Platz 1: bei der Work-Life-Balance, Mobilität & Infrastruktur sowie bei der Wohnsituation.
Nürnberg, Essen und Bremen liegen in etlichen Kategorien auf den hinteren Rängen: Nürnberg liegt in den Bereichen Kultur & Freizeit, Arbeitssituation, Work-Life-Balance, Bürgerbeteiligung (zusammen mit Essen) und Bildung (zusammen mit Bremen) hinten; Essen ist Schlusslicht bei Mobilität & Infrastruktur, Sicherheit, Umwelt & Klima und Bürgerbeteiligung (zusammen mit Nürnberg). Bremen landet bei Bildung (zusammen mit Nürnberg) und Gesundheit ganz hinten. Bei der Wohnsituation steht Stuttgart am unteren Ende der Tabelle.
Besonders positiv bewerten die Menschen die Einkaufsmöglichkeiten (87 Prozent) sowie das Kultur- und Freizeitangebot in ihrer Region (79 bzw. 71 Prozent Zufriedenheit). Diese Aspekte finden in allen Regionen mehrheitlich Zustimmung. Auch mit dem Bildungsangebot, dem Zugang zu medizinischer Versorgung und schnellem Internet sind im Schnitt sieben von zehn Befragten zufrieden.
Die Studie zeigt klar auf, wo die Probleme in den Metropolregionen liegen: 63 Prozent der Beschäftigten empfinden die Verkehrsbelastung als problematisch (Vorjahr: 68 Prozent). Besonders unzufrieden sind die Menschen mit der Wohnsituation: 66 Prozent kritisieren die hohen Mietpreise. 64 Prozent beklagen sich über die hohen Kosten für Wohneigentum und das knappe Wohnungsangebot.
Die Jobmöglichkeiten in den Großstädten werden überwiegend positiv eingeschätzt. In München und Hamburg bewerten 89 Prozent der Befragten die Chancen auf dem Arbeitsmarkt als gut. In Bremen sind es nur 68 Prozent.
Das größte Arbeitsplatzangebot besteht im Gesundheitswesen, gefolgt von Transport und Logistik, Handel sowie dem öffentlichen Dienst. Dabei zeigen sich regionale Schwerpunkte, wie die Technologiebranche in München, der öffentliche Dienst und Gesundheitssektor in Berlin, die Finanzwirtschaft in Frankfurt, die Automobilindustrie in Stuttgart und der Transport- und Logistiksektor in Hamburg.
„Dass nicht mehr Wohnungen gebaut werden, liegt nicht nur an den langwierigen Genehmigungsprozessen, sondern auch an der restriktiven Mietregulierung (Stichwort: Verlängerung Mietpreisbremse), der aus dem Bundesland Berlin heraus initiierten Diskussion um Enteignungsgesetze, einem schwierigen Finanzierungsumfeld und am Fachkräftemangel.“
Dr. Harald Heim,Standortleiter Berlin und Leiter Real Estate Deals bei PwC DeutschlandWohnungsmangel in den Ballungszentren: die Folgen für den Arbeitsmarkt
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Zu diesen Ergebnissen kommt die PwC-Befragung „Wohnungsmangel in den Ballungszentren: die Folgen für den Arbeitsmarkt“ unter rund 4.000 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren in zwölf deutschen Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohner:innen (Berlin, Bremen, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Nürnberg, Stuttgart und München).
Leitungsteam Familienunternehmen und Mittelstand und Standortleiter Frankfurt, PwC Germany
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Dr. Harald Heim
Standortleiter Berlin und Lead Real Estate Deals, PwC Germany
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