Dekarbonisierung geht in Deutschland und weltweit viel zu langsam voran

19 Januar, 2022

PwC Net Zero Economy Index 2021: Deutschland fällt bei der Reduktion der CO2-Intensität unter den EU-Durchschnitt / Weltweit liegt die Dekarbonisierungsrate bei 2,5 Prozent – um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müsste sie fünf Mal so hoch liegen / Privatwirtschaft spielt zentrale Rolle: Netto-Null wird zur Norm für Unternehmen

Frankfurt am Main, 19. Januar 2022

Im Kampf gegen die Erderwärmung braucht es deutlich mehr Engagement: Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, ist weltweit eine Reduktion der kohlenstoffhaltigen Energieträger um 12,9 Prozent pro Jahr nötig. Davon ist Deutschland weit entfernt: Mit 5,7 Prozent lag die Dekarbonisierungsrate 2020 zwar über dem globalen Durchschnitt (2,5 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr, als die Bundesrepublik das Feld der G20-Staaten anführte, schneidet Deutschland dieses Jahr jedoch deutlich schlechter ab und fällt hinter den EU-Durchschnitt zurück.

Zu diesen Ergebnissen kommt die PwC-Analyse „Net Zero Economy Index“, für die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft jährlich die Dekarbonisierung von energiebedingten Emissionen in den G20-Staaten vergleicht.

Die globale Dekarbonisierungsrate – das heißt die Reduktion der CO2-Intensität oder energiebedingter CO2-Emissionen pro Dollar des globalen Bruttosozialprodukts – lag im globalen Durchschnitt 2020 bei 2,5 Prozent und damit nur minimal höher als im Vorjahr (2,4 Prozent). Um die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen zu erreichen, die Erderwärmung also auf 1,5 Grad zu begrenzen und die drohende Klimakatastrophe zu verhindern, müsste die Rate aktuell fünf Mal so hoch liegen.

Deutschland schneidet schlechter ab als im Vorjahr

Auch Deutschland bleibt weit hinter den Erwartungen zurück: Mit einer Reduktion von 5,7 Prozent liegen wir aktuell unter dem EU-Durchschnitt (6,3 Prozent) und schneiden deutlich schlechter ab als im Vorjahr (6,6 Prozent). Mit diesem Prozentsatz führte Deutschland damals die Liste der G20-Länder an.

„Deutschland liegt bei der Dekarbonisierung nur noch im G7-Durchschnitt. Andere Länder haben deutlich aufgeholt. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssen wir die Dekarbonisierung massiv beschleunigen, denn das Anspruchsniveau steigt.“

Dr. Nicole Röttmer, Climate Leader bei PwC Deutschland

Pandemiebedingte Spitzenreiter Indonesien und Mexiko

Spitzenreiter im aktuellen Index sind Indonesien und Mexiko: Diesen beiden Ländern ist es gelungen, die energiebedingten CO2-Emissionen zwischen 2019 und 2020 immerhin zweistellig zu reduzieren – um 10,6 beziehungsweise 12,4 Prozent. Diese Ergebnisse spiegeln jedoch den pandemiebedingten wirtschaftlichen Einbruch wider: Im Jahr 2020 ist der globale Energiebedarf durch die Corona-Krise um 4,3 Prozent gesunken. Folglich sind die energiebedingten Emissionen im Vergleich zu 2019 ebenfalls gefallen – um 5,6 Prozent. Mit dem Wiedererstarken der wirtschaftlichen Aktivitäten steigt der Energiebedarf wieder an – Schätzungen zufolge um 4,6 Prozent im Jahr 2021. Damit werden auch die CO2-Emissionen wieder zunehmen.

Die aktuellen Ambitionen reichen nicht aus

„Im vergangenen Jahr haben Unternehmen und Regierungen rund um den Globus ihre Ambitionen im Kampf gegen den Klimawandel verstärkt. Speziell in Deutschland gab es eine Reihe grüner Impulse im Bereich der kohlenstoffarmen Energien, im Wohnungsbau und bei Elektrofahrzeugen. Aber der Fokus liegt noch immer zu stark auf fossilen Brennstoffen.“

Dr. Nicole Röttmer, Climate Leader bei PwC Deutschland

Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit werde dadurch immer größer: „Was bisher unternommen wurde, reicht schlichtweg nicht aus, um dem Ausmaß und der Dringlichkeit der globalen Klimakrise zu begegnen. Um die Netto-Null zu erreichen, braucht es tiefgreifende Transformationen in allen Bereichen der Wirtschaft“, so die Einschätzung der PwC-Expertin.

Die Netto-Null wird die neue Norm für Unternehmen

Die Mehrheit der G20-Staaten setzt sich bereits ehrgeizige Klimaziele. Nun gehe es darum, diese in konkrete politische Maßnahmen zu übersetzen. Nur so lasse sich der Wandel erzielen, der dringend geboten ist. Auch im privaten und öffentlichen Sektor gilt es, gezielt Anreize zu bieten, sich im Kampf gegen die Erderwärmung stärker zu engagieren. Denn: „Die Privatwirtschaft spielt eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Sie ist überzeugt: „Der Handlungsdruck auf Unternehmen wird steigen – und zwar nicht nur aus dem regulatorischen Umfeld, sondern auch aus dem Lieferkettennetzwerk, von Investoren und nicht zuletzt von klimabewussten Verbraucher:innen. Die Netto-Null wird zur Norm für Unternehmen.“

Lichtblicke gibt es bereits: In den vergangenen 18 Monaten haben sich Tausende Unternehmen aus der Privatwirtschaft zur Klimaneutralität verpflichtet – darunter auch PwC. Mehr als 3.000 Unternehmen sind Teil der „Race to Zero Campaign“.

Über den Net Zero Economy Index

Der Net Zero Economy Index vergleicht die Dekarbonisierung von energiebedingten CO2-Emissionen weltweit. Die Analyse stützt sich auf den Statistical Review of World Energy von BP, der die Kohlenstoffemissionen basierend auf dem Verbrauch von Öl, Gas und Kohle für Verbrennungsaktivitäten widerspiegelt. Die Analyse bezieht jedoch keine Emissionen aus anderen Bereichen (etwa aus der Land- und Forstwirtschaft sowie anderer Landnutzung) oder von anderen Treibhausgasen mit ein und berücksichtigt auch keinen gebundenen Kohlenstoff. Demnach ist ein direkter Vergleich dieser Daten mit nationalen Emissionsinventaren nicht möglich.

Über PwC:

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Alina Gerhards

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