Startups bewerten den Standort Rhein-Main-Gebiet nur mittelmäßig

13 Januar, 2023

Nur jede:r zweite Gründer:in ist mit dem Startup-Ökosystem in der Region zufrieden / Der Fachkräftemangel macht den jungen Unternehmen besonders zu schaffen / Externe Kapitalbeschaffung schwieriger als im Vorjahr

Frankfurt, 13. Januar 2023

Berlin und München gelten als Hotspots der deutschen Startup-Szene. Doch wie steht es um die Bedingungen für Gründer:innen im wirtschaftlich starken Rhein-Main-Gebiet? Eher durchwachsen, wie der 10. Deutsche Startup Monitor in seiner Regionalauskopplung für das Rhein-Main-Gebiet zeigt. Demnach ist nur jede:r zweite Gründer:in mit dem Startup-Ökosystem rund um Frankfurt und Darmstadt zufrieden, bundesweit sind es mehr als zwei Drittel. Die Zufriedenheit in der Region ist im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht gesunken (minus zwei Prozentpunkte). Zu schaffen machen den Jungunternehmer:innen an Rhein und Main insbesondere der Fachkräftemangel und fehlende Netzwerke. Punkten kann die Region bei den Kooperationen mit etablierten Unternehmen. 

Das Netzwerk wird als unzureichend gesehen

Wo genau der Schuh drückt, zeigt die Studie deutlich: So beurteilen die Startups im Rhein-Main-Gebiet das Netzwerk zu anderen Startup-Gründer:innen besonders kritisch. Nur 43 Prozent sind damit zufrieden (bundesweit 70 Prozent).

„Gerade in frühen Entwicklungsphasen sind funktionierende und belastbare Netzwerke für Startups aber immens wichtig – hier muss die Region deutlich mehr Engagement zeigen und entsprechende Netzwerke mit aufbauen, wenn sie mit den deutschen Startup-Hochburgen mithalten möchte.“

Michael Burkhart,Standortleiter Frankfurt bei PwC Deutschland

Überraschend schlecht weg kommt auch die Anziehungskraft des Rhein-Main-Gebiets für Talente von außerhalb – trotz der hohen Internationalität Frankfurts. Nur 27 Prozent bewerten diesen Aspekt positiv (bundesweit 43 Prozent). „Mein Eindruck ist, dass viele Gründer:innen und Fachkräfte die Region unterschätzen – übrigens zu Unrecht“, so die Einschätzung von Michael Burkhart. Bei einer Bevölkerungsumfrage von PwC aus dem vergangenen Herbst haben 96 Prozent angegeben, sich in der Region wohlzufühlen. Startups scheinen das Rhein-Main-Gebiet aber vor allem mit den großen Banken und Konzernen in Verbindung zu bringen – weniger mit einer lebendigen Startup-Szene, obwohl es diese ja durchaus gibt. 

„Hier ist auch die Stadt gefragt, an diesem Image zu arbeiten und in verbesserte Austauschmöglichkeiten der Gründerszene zu investieren“, fordert Standortleiter Burkhart. 

Fachkräftemangel für fast jedes zweite Startup große Hürde

Kopfschmerzen bereitet den Jungunternehmer:innen auch der Fachkräftemangel, der infolge des demografischen Wandels immer spürbarer wird. So nennen 45 Prozent der Befragten aus der Region Personalplanung und -rekrutierung als größte Hürde, vor der sie aktuell stehen (bundesweit 34 Prozent) – ein eklatanter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als nur 31 Prozent der Startups aus der Region das Thema Personal als größte Herausforderung bezeichneten. 

„Im Rhein-Main-Gebiet buhlen Startups mit vielen weiteren attraktiven Arbeitgebern um die besten Köpfe.“

Michael Burkhart, Standortleiter Frankfurt bei PwC Deutschland

Startups als Jobmotor: Im Schnitt fünf Beschäftigte mehr als im Vorjahr

„Um ihre ehrgeizigen Einstellungspläne in die Realität umsetzen zu können – neun von zehn Startups wollen in den kommenden zwölf Monaten einstellen – müssen sie sich etwas einfallen lassen“, resümiert Michael Burkhart. „Im Wettbewerb mit großen Unternehmen könnten Startups beispielsweise mit flexiblen Arbeitsbedingungen oder Mitarbeiterbeteiligungen punkten“. Damit Startups aber auch tatsächlich ihr Potenzial als Jobmotor entfalten können – im Schnitt beschäftigen sie 14 Arbeitskräfte und damit fünf mehr als noch im Vorjahr, in Frankfurt sind es sogar knapp 20 – müssen sich auch die Rahmenbedingungen verbessern: Von der öffentlichen Hand erwarten rund zwei Drittel der Startups zum Beispiel eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen, um die Mitarbeiterbeteiligung zu erleichtern. 

„Das wird sonst eine Dauerschleife, die die Unzufriedenheit der Startups mit der Region steigert: Sie wollen wachsen und können das nicht tun, weil sie keine geeigneten Mitarbeiter:innen finden.“

Michael Burkhart, Standortleiter Frankfurt bei PwC Deutschland

Kapitalbeschaffung bereitet wieder mehr Probleme 

Neben dem Fachkräftemangel stellt auch die Kapitalbeschaffung die Gründer:innen im Krisenjahr 2022 vor größere Schwierigkeiten: 38 Prozent – und damit fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr – sehen darin eine der größten Hürden. Jedes zweite Startup in der Region hat noch keine externe Finanzierung erhalten (bundesweit 43 Prozent). 

„Einerseits sind die Banken in Zeiten der Krisen wieder risikoaverser geworden, andererseits sind Kredite wegen steigender Zinsen auch wieder teurer geworden.“

Michael Burkhart, Standortleiter Frankfurt bei PwC Deutschland

Mit Blick auf die Finanzierungsarten zeigt sich außerdem, dass einige Kapitalquellen im Rhein-Main-Gebiet noch unterentwickelt sind: So nutzen nur 34 Prozent der Gründer:innen aus Rhein-Main staatliche Fördermittel; bundesweit sind es 47 Prozent. Mit Blick auf Business Angels hingegen, die besonders in der frühen Phase wichtig sind, liegt die Region über dem Bundesdurchschnitt: 35 Prozent nutzen sie, bundesweit nur 31 Prozent. 

„Das ist zwar ein positives Signal, auch vor dem Hintergrund, dass sich die Zahl der Neugründungen in der Region erstmals etwas stärker entwickelt hat als im Bundesgebiet“, freut sich Michael Burkhart – gießt aber gleich etwas Wasser in den Wein: „Diese Pflänzchen müssen wir alle – die Wirtschaft durch Kooperationen, der Finanzsektor durch Kapitalzufluss und die öffentliche Hand durch flankierende Maßnahmen – hegen und pflegen“. Es habe sich leider immer wieder gezeigt, dass man in Deutschland nicht besonders gut darin sei, innovative Ideen systematisch so zu entwickeln, dass sie marktreif werden und ökonomische Erfolgsgeschichten daraus werden.

„Beim Telefon und der Glühbirne sind nicht Johannes Reis und Heinrich Göbel, sondern Graham Bell und Thomas Edison in die Erfindergeschichte eingegangen, um zwei lange zurückliegende Beispiele zu nennen. Und dass der frühe Google-Investor Andreas von Bechtolsheim seine erste Firma Sun Microsystems in den USA gegründet hat, lag auch ganz wesentlich daran, dass er mit seinem Umfeld in Deutschland nicht zufrieden war.“

Michael Burkhart, Standortleiter Frankfurt bei PwC Deutschland

Über die Studie:

PwC hat den 10. Deutschen Startup Monitor (DSM) gemeinsam mit dem Bundesverband Deutsche Startups e. V. und dem akademischen Partner netSTART erstellt. An der Studie haben sich knapp 2.000 deutsche Startups beteiligt, davon 134 mit Sitz im Rhein-Main-Gebiet.

Über PwC:

PwC betrachtet es als seine Aufgabe, gesellschaftliches Vertrauen aufzubauen und wichtige Probleme zu lösen. Mehr als 327.000 Mitarbeitende in 152 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei. 

Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.

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Corinna Freudig

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PwC Communications, PwC Germany

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