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Rebekka Berbner
Partnerin im Bereich Capital Projects, Infrastructure & Real Estate bei PwC Deutschland
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Die wirtschaftliche Lage der deutschen Bauindustrie bleibt auch 2026 angespannt. Die größte Herausforderung der Branche ist der hohe Kostendruck, unter dem 91 Prozent der Unternehmen leiden. Drei von vier Firmen berichten zudem, dass Bauprojekte verschoben oder ganz gestrichen werden. Ein Hoffnungsträger für die Branche ist das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, von dem sich die Mehrheit einen positiven Einfluss auf ihr Geschäft erhofft.
Ein wichtiger Hebel, um die Transformation in der Branche voranzutreiben, ist die Digitalisierung. Besonders groß ist die Erwartung der Unternehmen an KI-basierte Anwendungen. Eine schnelle Umsetzung wird aber durch fehlende Fähigkeiten ausgebremst. Nicht zuletzt gewinnt das Thema Nachhaltigkeit in der Branche strategisch an Bedeutung, obwohl die regulatorischen Vorgaben zuletzt entschärft wurden.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung im Auftrag von PwC Deutschland unter 150 Bauunternehmen, Planungsbüros und erstmals auch Bauzulieferern.
„Insbesondere an KI-Anwendungen knüpfen die Entscheider in der Branche hohe Erwartungen. Die positive Nachricht: Die Technologie ist jetzt für alle verfügbar. Wer dieses Momentum nutzt, wird sich in den kommenden Jahren eine starke Wettbewerbsposition erarbeiten.“
Die Lage in der Baubranche bleibt angespannt: Mehr als die Hälfte der Unternehmen verzeichnet mindestens starke Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Entwicklungen. Die Situation trifft die verschiedenen Akteure der Wertschöpfungskette jedoch mit unterschiedlicher Intensität: Die Bauzulieferer sind als erstes Glied der Kette am stärksten betroffen (68 Prozent) – ein möglicher Frühwarnindikator für kommende Belastungen der gesamten Branche.
Trotz schwieriger Ausgangslage plant die Branche jedoch keinen Rückzug, sondern setzt auf Wachstum: Die Neuausrichtung des Unternehmens und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle dominieren die strategische Agenda – seit 2022 gibt durchgängig mehr als die Hälfte der Befragten an, diese Ziele aktiv zu verfolgen. Aktuell sind es rund 60 Prozent.
* Ohne Bauzulieferer aufgrund von Erstmessung dieser Gruppe
Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität wird von der Branche grundsätzlich als Chance gesehen: Rund zwei Drittel der Befragten rechnen mit einem positiven Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeit, wobei die große Mehrheit die Wirkung erst mittelfristig – also in zwei bis fünf Jahren – sieht. Die größten Zuwachschancen sehen vier von fünf Unternehmen in der Verkehrs- und Energieinfrastruktur. Um sich frühzeitig zu positionieren, setzen 6 von 10 Befragten auf Kooperationen mit neuen Partnern.
„Für die Bauindustrie ist das Sondervermögen eine Chance, in entsprechende Fähigkeiten, Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle zu investieren.“
Ein wichtiger Hebel, um die Transformation in der Branche voranzutreiben, ist die Digitalisierung. Das Problem: Obwohl die Unternehmen das große Potenzial digitaler Technologien wie KI-basierter Anwendungen oder Simulations-, Visualisierungs- und Cloud-Technologien erkennen, bremsen fehlendes fachliches Know-how und Cyber-Risiken die Umsetzung.
Besonders sichtbar ist dies bei neuen Möglichkeiten wie KI-basierten Technologien: 80 Prozent der Befragten schreiben KI hohes Potenzial zu. Aber nur 13 Prozent geben an, in diesem Bereich starke Fähigkeiten zu haben. Die Schere zwischen den theoretischen Chancen und den tatsächlichen Fähigkeiten ist somit im Vergleich zum Vorjahr noch weiter aufgegangen (von 57 auf 63 Prozentpunkte).
Galt BIM jahrelang als Zukunftstechnologie in der Branche, so ist nach Jahren stagnierender Fähigkeiten eine deutliche Ernüchterung eingetreten: Nur noch 55 Prozent stufen das Potenzial dieser Technologie als hoch ein und die Fähigkeiten stagnieren auf niedrigem Niveau. Der Branche ist es bislang nicht gelungen, diese Kompetenzlücke zu schließen.
Die größte Herausforderung für eine schnellere Digitalisierung sehen 75 Prozent der Befragten im fehlenden digitalen Know-how und dem anhaltenden Fachkräftemangel. Umso wichtiger ist es, dass die Unternehmen der Branche technologische Kompetenz zur Kernfähigkeit erklären. Aber auch die Cyber-Sicherheit macht den Unternehmen zunehmend zu schaffen: 72 Prozent sehen hierin einen Stolperstein bei der Nutzung digitaler Lösungen.
Der Impuls zur Digitalisierung muss jedenfalls aus dem Unternehmen selbst kommen, denn der Modernisierungsschub von außen bleibt aus: Digitale Lösungen werden in Vergabeverfahren immer seltener eingefordert. Lediglich ein Sechstel (17 Prozent) der Befragten berichtet von einer starken Nachfrage nach digitalen Lösungen. Die Branche liegt damit deutlich unter dem Niveau von 2021 – damals gaben immerhin 32 Prozent der Unternehmen an, dass die Nachfrage nach digitalen Lösungen in Vergaben hoch ist.
Trotz entschärfter regulatorischer Vorgaben bleibt Nachhaltigkeit für die Unternehmen ein zentrales Thema. 87 Prozent der Befragten geben an, dass die Bedeutung von ESG in ihrem Unternehmen gleichgeblieben oder gestiegen ist. Knapp die Hälfte verzeichnet sogar einen Bedeutungszuwachs.
Lediglich jedes neunte Unternehmen verzeichnet einen Rückgang.
Verschiebungen zeigen sich bei den Treibern für Nachhaltigkeit: Zwar bleiben gesetzliche Vorgaben sowie Anforderungen von Auftraggebern und Kunden die wichtigsten Taktgeber, aber ihr Einfluss hat im Vergleich zum Vorjahr spürbar nachgelassen. Dafür spielen Reputation und Mitarbeitenden-Bindung eine immer wichtigere Rolle, um die Nachhaltigkeitstransformation im Unternehmen voranzubringen.
„Dass ESG auch bei geringerem regulatorischem Druck relevant bleibt, ist ein sehr deutliches Signal. Die Unternehmen sehen zunehmend, dass Nachhaltigkeit auch wirtschaftliche Vorteile erbringen kann. Umso wichtiger ist es, das Thema organisatorisch tief zu verankern.“
Positiv ist zudem, dass die Herausforderungen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit zurückgehen: Nur noch 42 Prozent der Befragten sehen das fachliche Know-how als Hürde; im Vorjahr waren es noch 64 Prozent. Die Unternehmen haben offenbar gezielt Kompetenzen aufgebaut. Auch die internen Widerstände scheinen abzunehmen: Nur noch rund ein Drittel nennt die interne Akzeptanz als Hindernis.
Auch im Hinblick auf die Zieldefinition übernimmt die Branche vermehrt Eigenverantwortung: Rund drei Viertel der Befragten geben an, qualitative und quantitative Ziele definiert zu haben. Diese basieren aber überwiegend auf Einzellösungen. Auffällig ist zudem, dass sich immer weniger Unternehmen an Zielen orientieren, die Externe – etwa Gesetzgeber oder Investoren – vorgeben.
Der zunehmende Kostendruck steht ganz oben auf der Liste der Hürden: 91 Prozent beklagen sich über die hohen Kosten. Die Belastung hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nochmals verschärft; 2022 lag dieses Thema erst auf Rang vier der Herausforderungen. Für Bauunternehmen bleibt auch der Fachkräftemangel ein Druckpunkt, während Planungsbüros und Bauzulieferer die Bürokratie und Genehmigungsverfahren besonders stark als Hemmnis empfinden. Über den Wegfall oder die Verschiebung von Projekten und Aufträgen berichten drei von vier Unternehmen der Branche.
Das größte Optimierungspotenzial durch den Einsatz von KI verorten die Befragten in administrativen, planungsintensiven und datengetriebenen Unternehmensbereichen. Als Chance sieht die Branche KI vor allem in wiederkehrenden Abläufen, die strukturierte Informationsflüsse beinhalten und auf systematische Entscheidungsvorbereitung angewiesen sind. Das Kerngeschäft der Bauindustrie, das durch physische Präsenz, handwerkliche Ausführung und individuelle Interaktion geprägt ist, gilt aus Sicht der Befragten jedoch als nur schwer durch KI erschließbar.
Die Branche setzt zur Beschleunigung der Digitalisierung vor allem auf bessere Rahmenbedingungen. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur bleibt mit Abstand die wichtigste Maßnahme, um die Digitalisierung der Branche voranzutreiben: 94 Prozent der Befragten sehen darin einen sinnvollen Ansatz. Auf Rang zwei und drei folgen der Abbau bürokratischer Hürden (91 Prozent) und die Verringerung regulatorischer Anforderungen (78 Prozent). Die Forderung nach standardisierten Vertragsvorgaben verliert dagegen an Bedeutung: Nur noch zwei Drittel fordern dies ein; im Vorjahr waren es noch 83 Prozent.
Herausforderungen der deutschen Bauindustrie 2026
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Für die Studie wurden zwischen dem 14. Januar und dem 13. März 2026 150 Entscheider:innen aus den Bereichen Strategie und Digitalisierung telefonisch befragt. Die Stichprobe umfasst 70 Bauunternehmen, 30 Planungsbüros und erstmals 50 Bauzulieferer. Die Studie analysiert, wie die Branche mit konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen umgeht und wo sie bei Transformation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit steht.
Rebekka Berbner
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Christian Elsholz
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