Leben und arbeiten im Rhein-Neckar-Raum

PwC-Studie 2022: Wie sich die hohen Mieten auf dem Arbeitsmarkt auswirken

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Stefan Ditsch
Standortleiter Mannheim bei PwC Deutschland
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Steigende Mieten und Preise für Wohneigentum verschärfen den Fachkräftemangel

In der Metropolregion Rhein-Neckar lässt es sich gut leben. Nahezu alle Berufstätigen aus dem Rhein-Neckar-Raum (93 Prozent) fühlen sich in ihrer Region wohl. Das gilt sowohl für die Bewohner:innen der Metropolen wie Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen als auch für die Menschen in den mittelgroßen Städten und ländlichen Gegenden. Dabei schätzen sie vor allem die guten Einkaufsmöglichkeiten und die Verkehrsinfrastruktur. Aber auch das Bildungsangebot sowie die Parkanlagen und Grünflächen in der Region kommen gut weg.

Gleichzeitig steigt der Frust der Berufstätigen über die hohen Mieten und die Kosten für Wohneigentum – und das dürfte den bestehenden Fachkräftemangel weiter verschärfen.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine PwC-Befragung unter 200 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren in der Metropolregion Rhein-Neckar.

„Die Lebensqualität in der Metropolregion Rhein-Neckar ist hoch. Im Allgemeinen sind die Menschen hier zufrieden mit den attraktiven Job- und Freizeitmöglichkeiten. Allerdings steigt der Frust über die Situation auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt.“

Stefan Ditsch,Standortleiter PwC in Mannheim

Die Studie im Überblick

Der Frust über die hohen Mieten und Eigentumspreise wächst

65 Prozent der Befragten beklagen sich über die hohen Kosten für Wohneigentum. 2019 lag dieser Anteil erst bei 54 Prozent. Und nur noch weniger als ein Viertel (23 Prozent) hält die Mietpreise für angemessen (2019: 30 Prozent). Die anziehenden Zinsen für Baukredite und die hohe Inflation verschlimmern das Problem: Durch die steigenden Bau- und Zinskosten rückt der Traum vom Eigentum für viele Menschen in weite Ferne. Aber auch für Mieter wird die Lage durch die hohen Energiepreise und die inflationsbedingt stark steigenden Lebenshaltungskosten noch schwieriger.

Dazu kommt: 93 Prozent der Berufstätigen gehen davon aus, dass die Mietpreise im Rhein-Neckar-Raum in den nächsten fünf Jahren weiter steigen werden. Ein Drittel glaubt sogar an starke Mietpreissteigerungen. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als noch vor drei Jahren.

Infografik zur PwC-Studie 2022 „Rhein-Neckar-Gebiet: Auswirkungen hoher Mieten“

Hohe Mieten und Immobilienpreise verschärfen den Fachkräftemangel

Der wachsende Unmut über die Lage auf dem Miet- und Immobilienmarkt hat längst auch negative Folgen für den Arbeitsmarkt in der Region: Fast drei Viertel der Berufstätigen (73 Prozent) gehen davon aus, dass die aktuelle Situation auf dem Miet- und Immobilienmarkt Unternehmen vor das Problem stellt, Fachkräfte zu finden und zu halten. 2019 lag dieser Anteil erst bei 57 Prozent.

Dass diese Sorge berechtigt ist, belegt die Studie: Mehr als jede:r dritte Berufstätige hat bereits den Job aufgrund zu hoher Mieten gewechselt oder zumindest darüber nachgedacht. Bei den 18- bis 34-Jährigen ist es sogar jede:r Zweite.

„Das ist ein deutliches Warnsignal. Unternehmen und auch die öffentliche Hand sind gefordert, zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Mitarbeiter:innen zu halten.“

Stefan Ditsch,Standortleiter PwC in Mannheim

Was Unternehmen tun können

Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Homeoffice

Die Unternehmen sind dieser Situation aber nicht machtlos ausgeliefert. Aus Sicht der Berufstätigen gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um dem wohnungsbedingten Fachkräftemangel entgegenzuwirken: 85 Prozent halten beispielsweise die Finanzierung der Homeoffice-Ausstattung durch die Arbeitgeber für eine geeignete Maßnahme, um Fachkräfte zu rekrutieren und zu halten.

Mit großzügigen Homeoffice-Angeboten können die Unternehmen bei den Beschäftigten punkten: Laut Studie hat aktuell jede:r zweite Beschäftigte aus der Metropolregion Rhein-Neckar die Möglichkeit, zumindest teilweise von zu Hause zu arbeiten. Vor der Corona-Pandemie lag dieser Anteil bei 41 Prozent.

Allerdings klafft mit den aktuellen Regelungen rund um Remote-Work noch eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Laut Umfrage wünschen sich knapp zwei Drittel der Beschäftigten (63 Prozent), deren Arbeit grundsätzlich aus dem Homeoffice möglich wäre, eine freie Regelung für flexibles Arbeiten – und zwar ohne Abstimmung und Anwesenheitspflicht. Aktuell bieten nur 44 Prozent der Unternehmen ihnen diese Möglichkeit.

Homeoffice ist jedoch längst nicht für alle Beschäftigen eine Option. Bei 32 Prozent der Befragten ist Heimarbeit aufgrund der Tätigkeit gar nicht möglich. Der Grund: Sie arbeiten in der Produktion, in der Gastronomie oder im Einzelhandel.

„Auch für Beschäftige in der produzierenden Industrie oder im Handwerk braucht es Ideen, um sie trotz hoher Mieten in der Region zu halten.“

Stefan Ditsch,Standortleiter PwC in Mannheim

Beschäftigte wünschen sich Miet- und Fahrtzuschüsse

Wirksame Maßnahmen, die auch bei den Berufstätigen auf Gegenliebe stoßen dürften, sind laut Studie folgende: Unternehmen in Regionen mit hohen Mieten könnten einen Mietzuschuss zahlen. Dies befürworten 82 Prozent der Befragten. 80 Prozent halten Betriebswohnungen für ein gutes Mittel, um Fachkräfte trotz hoher Mieten zu halten. 78 Prozent sprechen sich für eine Übernahme der Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort aus – in Anbetracht der hohen Spritpreise ein wirksames Mittel.

Infografik zur PwC-Studie 2022 „Rhein-Neckar-Gebiet: Auswirkungen hoher Mieten“

Nicht zuletzt ist die öffentliche Hand in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Das können etwa Wohnungsbauprogramme speziell für Haushalte mit geringem Einkommen sein oder die Umwandlung von leeren Büros in Wohnraum.

Weitere Ergebnisse im Überblick

Jede:r Zweite pendelt zum Arbeitsplatz

Die Länge des Arbeitsweges empfinden die allermeisten (77 Prozent) als angemessen. Dabei pendelt rund die Hälfte der Berufstätigen (52 Prozent) zu ihrer Arbeitsstelle und ist dafür im Schnitt 25 Minuten unterwegs. Das liegt deutlich unter den 36 Minuten, die sie als maximal akzeptable Dauer für die Anfahrt zur Arbeit angeben.

Die Gründe für die Wohnungsknappheit

Nach den Gründen für zu wenig bezahlbaren Wohnraum befragt, nennen die Berufstätigen vor allem die zu späte Reaktion der Politik (51 Prozent) und den mangelnden sozialen Wohnungsbau durch die öffentliche Hand (43 Prozent). Jeweils mehr als 40 Prozent sind der Meinung, dass der Schwerpunkt auf Investitionen im Luxussegment liegt und die zunehmende Gentrifizierung schuld daran ist, dass bezahlbarer Wohnraum in der Region so knapp ist.

Der Umzug aufs Land – pro und kontra

Das Angebot zu vermehrter Homeoffice-Arbeit könnte das Leben außerhalb der Stadt für die Menschen attraktiver machen. Vor allem die Aussicht auf mehr Ruhe, Natur und günstigere Mieten sprechen für einen Umzug raus aus der Stadt in eine ländliche Gegend – insbesondere für die Menschen, die ohnehin bereits eher ländlich leben. Allerdings befürchten sie auf der anderen Seite eine schlechtere Infrastruktur und Lücken im öffentlichen Nahverkehr sowie längere Arbeitswege.

„Es kann nicht sein, dass sich Berufstätige aus Industrie und Handwerk keine Wohnungen mehr in der Innenstadt leisten können. Um Fachkräfte in den Ballungsräumen zu halten, braucht es deshalb auch staatliche Unterstützung.“

Stefan Ditsch,Standortleiter PwC in Mannheim

Die Methodik

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung unter 200 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren in der Region Rhein-Neckar im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

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