Gestiegene Lebenshaltungskosten, KI-Disruption und wachsende wirtschaftliche Unsicherheit setzen Beschäftigte weltweit unter Druck. Die PwC-Studie „Workforce Hopes and Fears 2026“ zeigt jedoch, dass Motivation und Arbeitgeberloyalität in Deutschland nach wie vor ungewöhnlich hoch sind.
Angestellte in Deutschland wollen mehr leisten und neue Fähigkeiten erlernen, fühlen sich in der Transformation aber oft alleingelassen. Ihnen fehlt es an Zeit, Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufklärung über die Zukunft – Letzteres ist ein Befund, den fast die Hälfte der Senior Executives bestätigt.
„Was wir hier sehen, ist eine Erklärungslücke, die sich von ganz oben durch alle Hierarchieebenen zieht. Das kann auf Dauer Vertrauen kosten. In Zeiten der Unsicherheit dürfen Arbeitgeber sich nicht zurückziehen, sondern müssen verstärkt für Orientierung sorgen – auch und besonders dann, wenn sie selbst noch nicht die Antwort auf alle Zukunftsfragen kennen.“
Der Arbeitsplatz ist für viele Beschäftigte in Deutschland ein klarer Stabilitätsfaktor. 65 % sind mit ihrem Job zufrieden. 70 % freuen sich mindestens einmal pro Woche auf ihre Arbeit und 76 % sind regelmäßig stolz auf das, was sie tun. Knapp drei Viertel (72 %) geben an, häufig bereit zu sein, über die Anforderungen ihrer Rolle hinauszugehen. Zugleich ist die wahrgenommene Arbeitsplatzsicherheit hoch: Rund neun von zehn Beschäftigte (87 %) sind zuversichtlich, ihren Arbeitsplatz in den kommenden zwölf Monaten zu behalten.
Allerdings spielen externe Entwicklungen für viele Beschäftigte auch bei der Arbeit eine Rolle. Die Ergebnisse zeigen, dass Arbeitnehmende neben politischen Entscheidungen (51 %) und geopolitischen Konflikten (49 %) insbesondere die gestiegenen Lebenshaltungskosten als Belastung wahrnehmen. Bei 60 % haben sie sich mäßig oder erheblich auf ihre Arbeit ausgewirkt. Unter ihnen berichten 33 % von einem gestiegenen Stresslevel. Die Ergebnisse zeigen, dass die wirtschaftliche Lage nicht nur das private Leben prägt, sondern auch die Voraussetzungen beeinflusst, unter denen Beschäftigte arbeiten und Veränderungen bewältigen.
Um Mitarbeitende auch in Krisen und Umbruchsphasen zu stärken, sollten Unternehmen berücksichtigen, welche Signale ihre Arbeitskultur sendet. In der Wahrnehmung der deutschen Befragten werden vor allem fachliche Kompetenz und die Qualität der Arbeit gewürdigt (41 %). Es folgen Fehlervermeidung und Risikominimierung (27 %) sowie Eigeninitiative (26 %). Dagegen empfinden nur 16 %, dass das Erlernen neuer Fähigkeiten besonders geschätzt wird, beim effektiven Einsatz von KI sind es nur 9 %. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden für den Wandel gewinnen wollen, setzen deutlich gezielter Innovations-Anreize.
Auch bei den Lernmöglichkeiten zeigt sich eine Lücke: 57 % der Beschäftigten sind zuversichtlich, neue Fähigkeiten erlernen zu können. Zugang zu den dafür benötigten Lern- und Entwicklungsressourcen haben jedoch nur 40 %. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 55 %. Die Befragten schätzen ihre eigene Lernfähigkeit damit deutlich höher ein als die Lernmöglichkeiten in ihrem Arbeitsumfeld.
Beim Einsatz von KI zeigt sich, wie unterschiedlich der technologische Wandel im Arbeitsalltag ankommt. Mehr als die Hälfte der deutschen Befragten (53 %) hat in den vergangenen zwölf Monaten bei der Arbeit KI eingesetzt. Für das kommende Jahr erwarten ebenso viele, dass die KI-Nutzung zunimmt. Täglich wird generative KI allerdings erst von 18 % genutzt, KI-Agenten setzen lediglich 8 % ein. Der Anteil der Beschäftigten, die KI in den letzten 12 Monaten nicht auf der Arbeit eingesetzt haben, liegt in Deutschland etwa zehn Prozentpunkte über dem globalen Wert.
Ansonsten zeigen sich Unterschiede vor allem in verschiedenen Lebensaltern und Hierarchieebenen. In der Generation Z arbeiten 68 % mit KI, bei den Babyboomern sind es 30 %. Noch größer ist der Abstand zwischen den Positionen: 79 % der Senior Executives nutzen KI, aber nur 33 % der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung. Gleichzeitig stehen die Befragten den langfristigen Auswirkungen von KI auf ihre Tätigkeiten überwiegend offen gegenüber: 39 % bewerten sie positiv, nur 18 % negativ.
Die Gründe für die unterschiedliche Nutzung liegen nicht allein bei den Beschäftigten. 27 % sehen in ihrem Arbeitsbereich kaum Möglichkeiten, KI einzusetzen. 22 % vermissen Anreize, 19 % sorgen sich um die Genauigkeit oder Qualität der Ergebnisse. Für eine breitere Nutzung braucht es daher konkrete Einsatzmöglichkeiten, Vertrauen in die Ergebnisse und Unterstützung bei der Anwendung.
Der Großteil der Befragten hat in den letzten 12 Monaten mindestens eine leichte Veränderung der eigenen Rolle erlebt. Allerdings fällt 39 % von ihnen der Umgang mit dem Wandel schwer. 32 % geben an, die Gründe für die Veränderungen nicht zu verstehen, unter den Senior Executives liegt der Anteil sogar bei 46 %. Der Wandel ist also spürbar, bleibt aber oft ohne die nötige strategische Einordnung.
Die größten Bremsen für produktives Arbeiten liegen für viele Beschäftigte im täglichen Arbeitsablauf. 29 % nennen eine hohe Arbeitsbelastung als größte Einschränkung. Für 21 % sind ineffiziente Prozesse oder übermäßige Bürokratie ein bedeutendes Hemmnis, 20 % sehen zu viele Besprechungen oder Unterbrechungen als Hauptproblem. Damit fehlen im Arbeitsalltag häufig Zeit und Freiräume, um neue Arbeitsweisen zu erproben und Veränderungen umzusetzen.
Mit Blick auf die kommenden drei Jahre sehen Beschäftigte in Deutschland vor allem die wirtschaftliche Entwicklung als Risiko für ihre persönliche Arbeitsplatzsicherheit. 54 % bewerten wirtschaftliche Volatilität als mäßige oder große Gefahr, Konflikte zwischen Ländern folgen mit 41 %. Dass KI mehr Aufgaben übernimmt, sehen dagegen nur 36 % als Gefahr.
42 % der Beschäftigten in Deutschland können ihre Rechnungen zwar bezahlen, haben danach aber nur noch wenig oder gar kein Geld mehr übrig. Weitere 16 % haben Schwierigkeiten, einige oder alle Rechnungen zu begleichen; 6 % können ihre Rechnungen gar nicht mehr bezahlen.
„Die wirtschaftliche Lage belastet die Beschäftigten. Knapp drei Viertel zeigen eine erhöhte Bereitschaft, jetzt die Extrameile für ihre Arbeitgeber zu gehen. Diese im internationalen Vergleich hohe Loyalität und Motivation ist ein potenzieller Wettbewerbsvorteil für deutsche Unternehmen. Aber noch fehlt es an Orientierung durch die Führungskräfte, wohin die Reise in die Zukunft denn nun gehen soll.“
Petra Raspels,Chief People Officer und Mitglied der Geschäftsführung bei PwC DeutschlandWorkforce Hopes and Fears Survey 2026
Kontaktieren Sie unsere Expertinnen
Die Studie „Global Workforce Hopes and Fears" wird jährlich von PwC durchgeführt. Für die vorliegende Auswertung wurden 1.685 Beschäftigte in Deutschland befragt. Die Stichprobe umfasst Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte sowie Beschäftigte in befristeten Arbeitsverhältnissen aus verschiedenen Branchen, Unternehmensgrößen und Hierarchieebenen. 45 % der Befragten sind ohne Führungsverantwortung tätig, 22 % sind Manager, 18 % Senior Executives und 14 % auf Einstiegslevel. Die Altersgruppen sind breit verteilt und schließen Generation Z, Millennials, Generation X und Babyboomer ein. Die Befragung fand im Frühjahr 2026 statt.
Global wurden insgesamt 49.364 Beschäftigte in 48 Ländern und Regionen befragt.
Chief People Officer und Mitglied der Geschäftsführung, Workforce Lead EMEA, PwC Germany
Partnerin, Workforce Transformation Lead in Consulting, PwC Germany
Tel: +49 1511 9187 500