„Von einem stumpfen Schwert zu einer messerscharfen Klinge“

PwC hat 2012 zum dritten Mal in Folge die Datenschutzbeauftragten der größten deutschen Unternehmen befragt. Ergebnis: Der Datenschutz gewinnt an Bedeutung. Die Mehrheit bewertet die geplante EU-Verordnung zum Datenschutz und die drastisch erhöhten Bußgelder positiv. Dagegen stehen die meisten Unternehmen dem Einsatz von Social Media und Cloud Computing aus Datenschutzgründen noch skeptisch gegenüber, wie die PwC-Datenschutzexperten Birthe Stegmann und Tim Fechte erläutern.

Im Gespräch mit Birthe Stegmann und Tim Fechte

Birthe Stegmann
Birthe Stegmann

Die geplante EU-Verordnung zum Datenschutz sieht hohe Geldstrafen bei Verstößen vor. Wie beurteilen die Datenschutzbeauftragten die geplante Neuregelung?

Birthe Stegmann: Grundsätzlich findet die EU-einheitliche Regulierung eine breite Zustimmung der Experten. 64 Prozent befürworten den Gesetzentwurf und mehr als die Hälfte geht von einer steigenden Sensibilität für das Thema Datenschutz aus. Schließlich, das hat uns auch etwas überrascht, begrüßen 44 Prozent der Befragten die drastische Erhöhung der Bußgelder bei Verstößen. Damit wird Datenschutz von einem stumpfen Schwert zu einer scharfen Rasierklinge.

Tim Fechte
Tim Fechte

Gibt es nicht auch Kritikpunkte an einer EU-weiten Regelung?

Tim Fechte: Ja, nicht wenige Unternehmen rechnen mit einem erhöhten bürokratischen Aufwand. Das ist bemerkenswert, weil eine länderübergreifende Regelung genau das verhindern sollte. Schließlich befürchten einige Experten ein sinkendes Datenschutzniveau im Vergleich zum bisherigen Standard in Deutschland. So sollen laut derzeitigem Stand der EU-Verordnung erst Unternehmen ab einer Größe von 250 Mitarbeitern einen Datenschutzbeauftragten bestellen. Wie die Vorgaben letztendlich im Detail ausfallen, steht derzeit aber noch nicht endgültig fest.

Die Medien berichten regelmäßig über die Möglichkeiten von Sozialen Netzwerken zur direkten Kundenansprache für Unternehmen. Spiegelt sich das in der Realität wider?

Stegmann: Keineswegs. Momentan sind die Unternehmen eher zurückhaltend, was die Nutzung von Social Media im Kundenkontakt angeht. So gaben 13 Prozent der Unternehmen an, Social Media für eine direkte Werbeansprache ihrer Kunden zu nutzen. 36 Prozent setzen Social Plugins auf ihrer Homepage ein. Die Probleme zeigen sich beim "Like Button" von Facebook. Aufgrund der unklaren rechtlichen Situation müssen Unternehmen mit Bußgeldzahlungen rechnen. Dieses Problem ist übrigens auch in der geplanten EU-Verordnung nicht gelöst. Daher sind die Unternehmen sehr zögerlich, obwohl Social Media ganz neue Wege im Vertrieb bietet.

Wie verhält es sich mit Cloud Computing?

Fechte: Das Thema ist in den Unternehmen angekommen, bereits 15 Prozent der Befragten nutzen die neue Technologie, wie die Umfrage zeigt. Eine große Mehrheit der Befragten gibt jedoch an, Cloud Computing überhaupt nicht zu nutzen. Das begründen 79 Prozent mit fehlender Kontrolle und Sicherheit. 58 Prozent führen fehlende Transparenz und 57 Prozent mangelnde Rechtssicherheit an. Hier sind die Anbieter gefordert, Transparenz herzustellen und durch eine sichere Datenverarbeitung Vertrauen zu wecken. Ein EU-weiter, harmonisierter Rechtsrahmen bietet größere Rechtssicherheit für Konzerne beim Einsatz von Cloud Computing.

Seit drei Jahren befragt PwC die Datenschutzbeauftragten. Können Sie einen generellen Trend ausmachen?

Stegmann: Die Sensibilität für das Thema wächst. In unserer aktuellen Befragung gaben 27 Prozent der Unternehmen an, Datenschutz sehr ernst zu nehmen. Das ist ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zu den Vorjahren. Die Skandale der Vergangenheit zeigen Wirkung. Die Unternehmen befürchten bei einem Datenschutzskandal einen Imageverlust. Während 2010 viele Datenschutzbeauftragte ein Dasein als Mauerblümchen fristeten, ist ihre Bedeutung mittlerweile deutlich gestiegen.