Deutscher Startup Monitor: Auskopplung Ruhrgebiet

Ergebnisse 2019: Startups aus dem Ruhrgebiet starten durch

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Ruhr-Startups profitieren von wirtschaftspolitischen Initiativen

Das Ruhrgebiet hat sich zu einem der Hotspots entwickelt, in denen deutschlandweit am häufigsten gegründet wird. Die besondere Stärke der Region sehen 82 Prozent der Gründerinnen und Gründer in der Nähe zu den vielen Universitäten. 70 Prozent heben zudem die wirtschaftspolitischen Initiativen in der Region als Vorteil hervor. Bundesweit lobt nur jeder zweite Startup-Entscheider die Wirtschaftspolitik. Punkten kann die Region auch mit der Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilien: 60 Prozent halten diese für gut (bundesweit nur 36 Prozent).

„Das Ruhrgebiet ist längst kein Geheimtipp mehr in der Gründerszene. Seit einigen Jahren haben wir hier eine sehr lebendige Startup-Landschaft. Profitiert haben die Gründerinnen und Gründer von vielfältigen wirtschaftspolitischen Initiativen. Diverse Förderprogramme – vom Gründerfonds Ruhr über das Gründerstipendium NRW bis hin zum StreamUP der TU Dortmund – haben die Voraussetzungen für Startup-Gründer erheblich verbessert und stärken unsere Region, die durch den Strukturwandel doch einiges an Federn lassen musste.“

Lutz Granderath, Standortleiter PwC Essen

Die Studie im Überblick

Viele Gründer stecken noch in der Anfangsphase

Charakteristisch für die Startups im Ruhrgebiet ist, dass sie vielfach noch in der Anfangsphase stecken: Knapp ein Drittel (31 Prozent) befindet sich in der „Seed Stage“, bundesweit ist es nur jedes Vierte. Entsprechend liegen die Ruhr-Startups auch beim Jahresumsatz und der Mitarbeiterzahl noch deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt zurück: Im aktuellen Geschäftsjahr erwirtschaften die Startups im Ruhrgebiet im Schnitt 700.000 Euro (bundesweit 2 Millionen) und beschäftigen 11 Mitarbeitende (bundesweit 16).

Gründer im Ruhrgebiet wollen durchstarten

Wie Startups im übrigen Deutschland wollen die Gründerinnen und Gründer im Ruhrgebiet in den kommenden Monaten durchstarten: Für das nächste Geschäftsjahr peilen die Startups aus der Metropolregion Rhein-Ruhr nahezu eine Verdreifachung ihrer Erlöse auf 2 Millionen Euro an. Und auch die Anzahl ihrer Beschäftigten wollen sie kräftig aufstocken: In den kommenden zwölf Monaten sollen rund acht neue Kolleginnen und Kollegen dazukommen.

Interview: „Das Ruhrgebiet ist einer der Hotspots der deutschen Gründerszene“

Von der Old Economy zur lebendigen Startup-Landschaft – die Metropolregion Rhein-Ruhr bietet Gründerinnen und Gründern gute Rahmenbedingungen: Die wirtschaftspolitischen Initiativen leisten wertvolle Unterstützung, die Mieten sind bezahlbar, gut qualifizierte Mitarbeiter vorhanden. Knifflig ist dagegen die Finanzierung. Was sich hier verbessern muss, erläutern Lutz Granderath, Standortleiter PwC Essen, und Sebastian Holtze, Leiter der PwC-Startup-Initiative NextLevel für die Region West, im Interview.

Zum Interview

Zugang zu qualifiziertem Nachwuchs ist gut

Durch die Vielzahl an Universitäten und die Größe des Ballungsraums finden die Startups hier vergleichsweise leicht geeigneten Nachwuchs. 44 Prozent der Befragten halten die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal im Ruhrgebiet für gut. Das sind 5 Prozentpunkte mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Bei der Personalplanung setzen die Ruhr-Startups jedoch nicht unbedingt auf Diversität: Frauen waren an der Gründung von Startups im Ruhrgebiet deutlich seltener beteiligt als in anderen Regionen. Nur bei knapp jedem vierten Gründerteam im Ruhrgebiet war auch eine Frau an Bord, bundesweit immerhin bei jedem dritten (23 vs. 31 Prozent).

Finanzierung im Ruhrgebiet: Ersparnisse dominieren

Schwierig für die Startups aus dem Ruhrgebiet ist die Finanzierung: Für zwei Drittel der Entscheider ist der Zugang zu externem Kapital wichtig, aber nur 29 Prozent sind mit der aktuellen Situation zufrieden. Lediglich 45 Prozent der Startups in Rhein-Ruhr haben sich Geld von einer Bank geliehen. Bundesweit liegt dieser Anteil mit 55 Prozent deutlich höher. Die Startups aus dem Revier finanzieren sich vor allem über eigene Ersparnisse (83 Prozent) und staatliche Fördermittel (38 Prozent). 25 Prozent erhalten Geld von Freunden und Familie. Von Business Angels oder Wagniskapitalgebern bekommen nur jeweils 12 bzw. 10 Prozent eine Finanzspritze (bundesweit 23 bzw. 15 Prozent).

Volksparteien bei den Gründern im Ruhrgebiet weit abgeschlagen

Spannend ist nicht zuletzt der Blick auf das politische Stimmungsbild unter den Gründern im Ruhrgebiet: Vier von zehn Startup-Entscheidern favorisieren derzeit die Grünen (43 Prozent). 29 Prozent würden der FDP ihre Stimme geben. Die Linken liegen mit 7 Prozent auf Platz drei, noch vor den großen Volksparteien: Nur 5 Prozent würden CDU/CSU wählen. Besonders enttäuschend schneidet die SPD ab: In ihrer früheren Hochburg würden sie heute gerade mal 2 Prozent der Gründerinnen und Gründer wählen. 14 Prozent der Jungunternehmer favorisieren eine der kleineren Parteien.

Die Methodik

Zu diesen Ergebnissen kommt der 7. Deutsche Startup Monitor, den der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. Für die Studie wurden bundesweit rund 2.000 Startups befragt, darunter 90 Unternehmen aus dem Ruhrgebiet.

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