Interview: „Startups sind ein wichtiger Jobmotor der deutschen Wirtschaft“

04 November, 2019

Das deutsche Startup-Ökosystem sprüht vor Optimismus: Die Unternehmen wachsen kräftig und schaffen viele neue Arbeitsplätze. Was ist der Schlüssel für ihren Erfolg? Wo liegen die größten Hürden für weiteres Wachstum? Und wieso ist der Anteil der Gründerinnen so niedrig? 

Mehr dazu im Interview mit Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutsche Startups e. V., und Florian Nöll, der bei PwC die Startup-Initiative NextLevel leitet.

Überall geht das Schreckgespenst der Rezession um. Die deutsche Startups-Landschaft zeigt sich davon unbeeindruckt und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Woran liegt das? 

Franziska Teubert: Gründerinnen und Gründer sind von Natur aus eher optimistisch. Aber sie haben auch allen Grund dazu: Sie wachsen kräftig, schaffen viele neue Arbeitsplätze und sind damit ein zentraler Jobmotor der deutschen Wirtschaft. Ein wichtiger Schlüssel für diesen Erfolg: Sie setzen konsequent auf zentrale Zukunftsthemen. Zwei von drei Startups basieren auf einem digitalen Geschäftsmodell. Sie treiben die Digitalisierung voran und gestalten den technologischen Fortschritt maßgeblich mit. Und die heutige Generation der Gründerinnen und Gründer, die teilweise auch bei „Fridays for Future“ engagiert ist, agiert immer nachhaltiger: Sie entwickeln häufiger Produkte und Dienstleistungen aus dem Bereich der „Green Economy“ und adressieren die großen gesellschaftlichen Problemstellungen. Da überrascht es nicht, dass der Anteil der Grün-Wählerinnen und -Wähler bei den Gründerinnen und Gründern bei über 40 Prozent liegt.

Also perfekte Rahmenbedingungen für Startups. Oder gibt es auch Stolpersteine, mit denen die Jungunternehmer hierzulande konfrontiert sind?

Florian Nöll: Ja, die gibt es natürlich, vor allem beim Thema Kapital. Vielen Startups fällt es schwer, an die finanziellen Mittel zu kommen, die sie für ihre ambitionierten Wachstumspläne benötigen. In frühen Phasen setzen sie häufig auf die eigenen Ersparnisse, leihen sich Geld von Familie oder Freunden. Bei ehrgeizigen Expansionsplänen und vor allem in späteren Phasen braucht es natürlich auch andere Quellen. Business Angels und Venture-Capital-Geber sind hierbei die wichtigsten Wachstumsbeschleuniger.

Wie gehen Gründer beim Fundraising am besten vor?

Nöll: Um den Kontakt zu Venture-Capital-Investoren herzustellen, brauchen Startups ein gut funktionierendes Netzwerk. Potenzielle Kapitalgeber einfach anzuschreiben führt fast nie zum Erfolg. Pitchveranstaltungen oder die Teilnahme an Programmen, die an den Bedürfnissen der Start-ups ausgerichtet sind, wie zum Beispiel unsere Angebote  Scale und Raise, bieten ein gutes Forum. Sie richten sich an Gründer in der Seed und Series A Phase und bieten die Chance, Kapitalgeber kennenzulernen und von sich zu überzeugen.

Würde beim Ausbau von Netzwerken nicht auch mehr Diversität helfen – bis heute sind unter den Gründern immer noch recht wenige Frauen?

Teubert: Mit knapp 16 Prozent ist der Anteil der Startup-Gründerinnen tatsächlich gering. Immerhin gibt es über die vergangenen Jahre einen leichten Anstieg: 2015 lag der Anteil noch bei 13 Prozent. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Zum einen sind Startups stark von den MINT-Fächern geprägt, in denen Frauen noch immer unterrepräsentiert sind. Zum anderen sind die meisten Startup-Unternehmerinnen und -Unternehmer bei der Gründung in einem Alter, in dem häufig die Familienplanung ansteht. Und heutzutage ist es leider immer noch so, dass Frauen die Hauptlast der Familienarbeit tragen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist daher für sie besonders wichtig. Hier braucht es bessere Angebote für Gründerinnen, angefangen bei einer Anpassung des Elterngeldes an die Bedürfnisse von Unternehmerinnen bis hin zu besseren Angeboten bei Kita und Ganztagsschulen. Zudem haben wir in Studien Hinweise darauf gefunden, dass Frauen tendenziell weniger Kapital eintreiben. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass viele Investoren Männer sind und es Frauen schwerer haben, in diesen Investorenkreisen pitchen zu dürfen – quasi die gläserne Decke der Gründer-Szene. Aber: Gründen ist häufig Teamsache und knapp ein Drittel aller Gründerteams hat auch eine Frau an Bord. Zum Glück, denn Studien zeigen auch: Gemischte Teams sind langfristig meist erfolgreicher!

Florian Nöll

Florian Nöll leitet die PwC Startup-Initiative NextLevel und fokussiert sich nach seinem Engagement im von ihm mitgegründeten Bundesverband Deutsche Startups e.V. auf den Aufbau von Ökosystemen zwischen Startups, Mittelstand und Konzernen. Er ist Ansprechpartner für Startups und Scaleups und bringt eine langjährige Expertise in digitalen Geschäftsmodellen im Rahmen der digitalen Transformation von PwC ein.

Franziska Teubert

Franziska Teubert ist Geschäftsführerin Kommunikation und Partner-Management beim Bundesverband Deutscher Startups. In dieser Position verantwortet sie seine Weiterentwicklung und die Intensivierung des Dialoges innerhalb und außerhalb des Startup-Ökosystems.

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Florian Nöll

Director, PwC Germany

Tel.: +49 30 / 2636-4176

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