KI macht Arbeit schneller – aber auch intensiver: Was das für Führungskräfte bedeutet

Mann am Display
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  • 16 Feb 2026

Alles geht immer schneller. Technologie, Automatisierung, Digitalisierung beschleunigen viele Prozesse und versprechen, Zeit zu sparen. Und doch bleibt das Gefühl von Zeitgewinn aus. In einem Essay beschrieb der Soziologe Hartmut Rosa 2013 den Umstand, dass moderne Menschen keine Zeit haben, obwohl sie viel Zeit gewinnen, als paradoxes Versprechen.

Seine Beobachtung ist heute aktueller denn je. KI verspricht die Arbeit effizienter zu machen. Ergebnisse der Global Workforce Hopes and Fears Survey 2025 von PwC zeigen, dass diejenigen am meisten profitieren, die KI besonders häufig nutzen. Sie arbeiten deutlich schneller, aber auch intensiver und fragmentierter. Der wahre Hebel liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in ihrer bewussten Nutzung.

Wer GenAI am häufigsten nutzt, profitiert am meisten

Unternehmen treiben die Einführung von KI voran, um ihre Mitarbeitenden leistungsfähiger zu machen. Aber Ergebnisse zeigen ein ambivalentes Bild. Die Global Workforce Hopes and Fears Survey 2025 von PwC belegt, dass die Technologie die Leistung von Mitarbeitenden unterschiedlich stark steigern kann.

Stand Herbst 2025 haben branchenübergreifend 54 Prozent der Beschäftigten in den vergangenen zwölf Monaten KI genutzt. Die meisten von ihnen spüren den Effekt bereits: Rund drei Viertel berichten, dass KI ihre Produktivität steigert und die Qualität ihrer Arbeit verbessert. Wie stark Mitarbeitende profitieren, hängt davon ab, wie intensiv sie KI nutzen: Eine kleinere Gruppe von 14 Prozent nutzt GenAI-Tools täglich im Berufsalltag. Gerade diese Power User beobachten besonders häufig positive Auswirkungen – sowohl rückblickend auf die vergangenen zwölf Monate als auch mit Blick auf die kommenden drei Jahre.

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Mehr Effizienz – aber zu welchem Preis?

Doch aktuelle Forschung, die kürzlich im Harvard Business Review veröffentlicht wurde, mahnt zur Differenzierung: Effizienzgewinne durch KI sind nicht automatisch nachhaltig. In einer achtmonatigen Fallstudie begleiteten zwei Forscherinnen der University of California, Berkeley rund 200 Beschäftigten eines US-amerikanischen Technologieunternehmens. Ihr Befund: KI-Tools reduzieren Arbeit nicht einfach, sie intensivieren sie. Mitarbeitende arbeiten schneller, übernehmen ein breiteres Aufgabenspektrum und dehnen teilweise ihre Arbeitszeit aus – häufig aus eigenem Antrieb, ohne dass es von ihnen verlangt wurde.

Was zunächst einen immensen Produktivitätsschub bedeutet, kann durchaus in Überforderung und nachlassende Entscheidungsqualität münden. Dass gerade die Power User, die von besonders starken Vorteilen berichten, in dieser Hinsicht am stärksten gefährdet sind, macht diese Gruppe zu einem wichtigen Indikator für den Erfolg von KI-Initiativen. Gerade dort, wo die Technologie ihre größte Wirkung entfaltet, wächst das Risiko, dass Produktivitätsgewinne auf Kosten der langfristigen Leistungsfähigkeit gehen.

„Für Führungskräfte reicht es nicht, die KI-Nutzung in ihren Teams einfach nur auszuweiten. Vielmehr entscheidet die Art und Weise, wie KI genutzt wird, darüber, ob Produktivitätsgewinne wirklich nachhaltig sind.“

Nico Reichen,Lead Data & AI Team bei PwC Deutschland

Wo Führungskräfte ansetzen sollten

Unternehmen, die KI nachhaltig in ihre Organisation integrieren wollen, brauchen mehr als Zugang zu Tools und Schulungen. Sie brauchen eine bewusste KI-Praxis: ein System aus klaren Normen, Routinen und Leitplanken, das steuert, wie KI eingesetzt wird, wann Mitarbeitende innehalten und wo sich Arbeitsabläufe verändern sollten – und wo nicht.

Entdecken Sie alle Ergebnisse des „Global Workforce Hopes and Fears Survey 2025“ von PwC.

Die folgenden sieben Handlungsfelder zeigen, wo Führungskräfte konkret ansetzen können.

Wie können Unternehmen Vertrauen in KI am Arbeitsplatz schaffen?
Vertrauen in KI am Arbeitsplatz entsteht, wenn Unternehmen drei Dinge verbinden: verantwortungsvolles Design, starke Governance und robuste Cybersecurity. Entscheidend ist dabei auch das Signal, dass ein Unternehmen die nachhaltige Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeitenden über kurzfristige Produktivitätssteigerungen stellt. Das bedeutet auch der KI-Nutzung bewusst Grenzen zu setzen.

Wie sollten Führungskräfte Risiken von KI am Arbeitsplatz kommunizieren?
Führungskräfte, die KI in ihrem Unternehmen einführen, sollten nicht nur über Effizienzgewinne sprechen, sondern auch über die Risiken der Arbeitsintensivierung. KI macht „mehr tun" möglich und oft intrinsisch belohnend – doch genau das kann in schleichende Überlastung führen. Laut der PwC Global Workforce Hopes and Fears Survey 2025 sind 26 Prozent der Beschäftigten weltweit besorgt über die Auswirkungen von KI, 21 Prozent verunsichert. Wer diese Bedenken ignoriert, verliert Glaubwürdigkeit.

Wie können Unternehmen Überlastung durch KI-gestützte Arbeit vermeiden?
Unternehmen können KI-bedingte Überlastung vermeiden, indem sie bewusste Pausen in den KI-gestützten Arbeitsalltag einbauen. Die Forschung zeigt: Wenn KI Arbeit beschleunigt, verschwinden natürliche Unterbrechungen – und damit Momente der Reflexion. Eine wirksame Methode ist, vor wichtigen Entscheidungen systematisch ein Gegenargument zu formulieren und den expliziten Bezug zu den Unternehmenszielen herzustellen.

Wie sollten Führungskräfte KI-Einsatz und Workflows strukturieren?
Teams, die mit KI-Tools arbeiten, profitieren von bewusster Sequenzierung der Arbeitsschritte. Konkret bedeutet das: KI-Interventionen bündeln, geschützte Fokus-Fenster für Arbeit ohne KI etablieren und entsprechende Abstimmungen integrieren. Wenn Prozesse in einem bewussten Rhythmus aus KI-Nutzung, menschlicher Fokusarbeit und zwischenmenschlichem Austausch ablaufen, sinken Fragmentierung und kostspielige Kontextwechsel.

Welche Rolle spielt menschlicher Austausch bei zunehmender KI-Nutzung?
Menschlicher Austausch bleibt auch in einer KI-geprägten Arbeitswelt unverzichtbar, weil bahnbrechende Ideen und gute Entscheidungen im Dialog zwischen Menschen entstehen – nicht im friktionslosen Austausch mit einem KI-Sprachmodell. Je leistungsfähiger KI wird, desto mehr verführt sie zu autonomem, selbstgenügsamem Arbeiten. Führungskräfte, die KI-Teams leiten, sollten deshalb gezielt Räume für menschliche Verbindung schützen: regelmäßige Check-ins, gemeinsame Reflexionsmomente und strukturierten Dialog.

Worauf kommt es bei der KI-Weiterbildung von Mitarbeitenden an?
Wirksame KI-Weiterbildung in Unternehmen braucht nicht nur Ressourcen zum Experimentieren und Lernen, sondern auch einen klaren Rahmen dafür. Erfolgreiche Organisationen führen ihre Belegschaft gezielt an ausgewählte KI-Anwendungsfälle heran und definieren gleichzeitig, wo der KI-Einsatz sinnvoll endet. Dieser bewusste Rahmen ist erfolgskritisch für Führungskräfte, die ihre Belegschaft beim technologischen Wandel motiviert halten wollen.

Was sollte eine KI-Strategie für Unternehmen über reine Effizienz hinaus beinhalten?
Eine wirksame KI-Strategie beantwortet nicht nur, was effizienter werden soll, sondern auch, wie in Zukunft gearbeitet wird – in welchem Rhythmus, mit welchen Freiräumen und mit welchem Gleichgewicht zwischen Mensch und Maschine. Mitarbeitende sind motivierter, wenn sie die Ziele ihres Unternehmens verstehen und für erreichbar halten. Die entscheidende Frage für Organisationen ist daher nicht, ob KI die Arbeit verändert – sondern ob sie diese Veränderung aktiv gestalten oder sich still von ihr formen lassen.

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