Sanierungsgutachten und Restrukturierung im deutschen Einzelhandel

16 September, 2010

Die Wirtschaftskrise schlägt in fast alle Industriesegmente durch. Auch der Handel und die Konsumgüterhersteller sind hiervon betroffen. Vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl von Insolvenzen, der allgemeinen Unsicherheit im Markt sowie der strikten Informationsanforderungen von finanzierenden Banken stehen die Unternehmen vor besonderen Herausforderungen.

Zu den Herausforderungen, denen sich Handels- und Konsumgüterunternehmen derzeit stellen müssen und bei denen PwC unterstützen kann, zählen:

  • Liquiditätssteuerung und -schaffung,
  • integrierte Geschäftsplanungen,
  • ganzheitliche Sanierungs- und Restrukturierungskonzepte,
  • Projektmanagement und Umsetzung ausgewählter Optimierungsmaßnahmen,
  • Erstellung von Sanierungsgutachten nach dem aktuellen IDW Standard ES6 (Standard des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V.).

Funktion des Sanierungsgutachtens

Ein Sanierungsgutachten gibt der Geschäftsführung Rechtssicherheit über die Fortführungs- und Sanierungsfähigkeit des Unternehmens und seine insolvenzrechtlichen Pflichten. Ein solches Gutachten ist aber insbesondere auch für die Verhandlung mit Kreditgebern (Banken, Investoren, Warenkreditversicherer, sonstige Gläubiger) von entscheidender Bedeutung. Das Gutachten stellt das gesamte Unternehmen transparent dar und bewertete die Fortführungs- und Sanierungsfähigkeit des Unternehmens auf Basis einer unabhängigen Business Plan Plausibilisierung objektiv aus der Sicht eines neutralen Dritten. Auf Basis dieser transparenten und objektivierten Darstellung kann neues Vertrauen in das Unternehmen aufgebaut werden. Auf dieser Basis kann der notwendige Konsens entstehen, der zu einer ganzheitlichen und gemeinschaftlichen Sanierung des Unternehmens notwendig ist. Denn nur mit einer gemeinschaftlichen Vorgehensweise aller Stakeholder kann die Sanierung gelingen.

Fallstudie: Sanierung einer deutschen Einzelhandelskette

Einer großen deutschen Einzelhandelskette gelang es seit einigen Jahren nicht mehr, mit der Marktentwicklung Schritt zu halten. Infolge dessen musste das Unternehmen seit mehreren Jahren deutliche Umsatzrückgänge verzeichnen, fehlende Investitionen in einen zeitgemäßen Marktauftritt verschärften die Situation. Sympathiewerte und Loyalität in der relevanten Kundenzielgruppe gingen zurück, Stammkunden blieben weg. Aus der strategischen Krise entwickelte sich zunehmend eine Erfolgskrise, die sich auf die Erträge des Unternehmens auswirkte. Aufgrund der anhaltenden und zunehmenden Verluste geriet das Unternehmen dann in die Liquiditätskrise. Erhebliche zusätzliche Finanzierungsmittel wurden benötigt, um die laufenden Verluste und die geplante Restrukturierung zu finanzieren. Es wurden daher ein umfassendes Sanierungsprogramm und eine Refinanzierung des Unternehmens initiiert.

Auf Initiative des Eigentümers wurde PwC beauftragt, als unabhängiger Dritter ein Sanierungsgutachten nach IDW Standard (ES6) zu erstellen, um

  • Rechtssicherheit für die Geschäftsführung herzustellen,
  • die Business-Planung (GuV, Bilanz und Cashflow) der nächsten drei Geschäftsjahre zu plausibilieren,
  • den mittelfristigen Finanzierungsbedarf zu ermitteln und
  • für die Verhandlungen mit Kreditgebern und Investoren eine transparente und unabhängige Basis zu haben.

Dabei wurde wie folgt vorgegangen:

Schritt 1: Wirtschaftliche und rechtliche Grundlagen

Hier erfolgt eine umfassende Darstellung des Unternehmens, insbesondere:

  • Gesellschaftsrechtliche Struktur und wesentliche historische Entwicklungen
  • Produkte, Kunden, Standorte
  • Umsatzstruktur
  • Organisationsstruktur
  • Strategische Positionierung in Markt & Wettbewerb
  • Wesentliche Verträge

Schritt 2: Historische und aktuelle Vermögens-, Finanz- und Ertragslage

  • Wirtschaftliche Entwicklung des aktuellen sowie der letzten zwei Geschäftsjahre
  • Analyse der Ertragskraft
  • Analyse der Bilanzentwicklung
  • Analyse der Cashflow-Entwicklung
  • Aktueller Finanz- und Liquiditätsstatus sowie kurzfristige Liquiditätsvorschau (13 Wochen)

Schritt 3: Krisenursachen und -verlauf

Hier werden die Ursachen untersucht, die zur aktuellen Krise geführt haben:

  • Strategische Krisengründe (zum Beispiel Marktbearbeitung, Produkte)
  • Operative Krisengründe (leistungswirtschaftlich)
  • Finanzwirtschaftliche Krisengründe (Finanzierungsstruktur)
  • Stakeholder-Krisengründe (zum Beispiel Gesellschafterwechsel)

Schritt 4: Sanierungskonzept und Maßnahmenplanung

Basierend auf den Krisengründen wird analysiert, ob das Sanierungskonzept und die geplanten Maßnahmen diese Krisengründe beseitigen können:

  • Leitbild des sanierten Unternehmens
  • Sanierungshebel und -einzelmaßnahmen
  • Kurz- und mittelfristige Maßnahmen
  • Maßnahmenumsetzung (zum Beispiel Projektmanagement)

Schritt 5: Business-Plan-Plausibilisierung

In diesem Schritt erfolgt die Verprobung der Business Planung (GuV, Bilanz und Cashflow) des Unternehmens hinsichtlich:

  • Betriebswirtschaftlicher Plausibilität der integrierten Planung
  • Plausibilität und Realisierbarkeit der getroffenen Annahmen der Business Planung
  • Abbildung des geplanten Sanierungskonzeptes sowie der geplanten Maßnahmen in der integrierten Business Planung
  • Beurteilung der geplanten Entwicklung der Ertragskraft (GuV)
  • Beurteilung der geplanten Entwicklung der Verschuldungssituation (Bilanz)
  • Beurteilung des geplanten Finanzierungsbedarf (Cash Flow)
  • Analyse von Chancen und Risiken

Schritt 6: Stellungnahme zur Fortführungs- und Sanierungsfähigkeit

Basierend auf der integrierten Beurteilung aller vorangehenden Arbeitsschritte werden in einer abschließenden Stellungnahme die folgenden vier Fragen beantwortet:

  1. Fortführungsfähigkeit:
    • Ist das Unternehmen auf Basis der Business Planung überwiegend wahrscheinlich in der Lage, seinen zukünftig bestehenden finanziellen Verpflichtungen nachzukommen (gesicherte Liquidität/going concern)?
    • Verfügt das Unternehmen auf Basis der Business Planung überwiegend wahrscheinlich über ein positives Netto-Reinvermögen unter insolvenzrechtlichen Gesichtspunkten (keine Überschuldung)?
  2. Sanierungsfähigkeit:
    • Ist das Unternehmen in der Lage, eine wettbewerbsfähige Position zu erzielen?
    • Ist das Unternehmen in der Lage, eine nachhaltig positive branchenübliche Profitabilität zu erwirtschaften?

Ergebnis führte zu höherer Glaubwürdigkeit

PwC hat ein umfassendes Sanierungsgutachten (gemäß neuestem IDW Standard ES6) erstellt, das das Sanierungskonzept und die Business Planung des Managements mit ihren Chancen und Risiken aus neutraler Sicht analysiert und transparent darstellt. Auf Basis dieser Unterlage konnte das Unternehmen wieder an Glaubwürdigkeit gegenüber Eigentümern, Banken, Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten gewinnen. Mit entsprechenden, dem Gutachten zu entnehmenden, finanziellen Mitteln ausgestattet, gelang es, das Unternehmen selbst und den größten Teil der Arbeitsplätze zu retten. Es wurden neue Investoren gefunden und die geplante Sanierung umgesetzt.

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Dr. Christian Wulff

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Consumer Markets Leader, EMEA, PwC Germany

Patrick Ziechmann

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Partner Transactions / Retail & Consumer Goods, PwC Germany

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