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Florian Voigt
Director, Future & Immersive Technologies Lead bei PwC Deutschland
Tel.: +49 160 2590 144
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Der Bereich Human Resources (HR) steht unter Druck: Junge Talente erwarten heute mehr als Präsentationen, Broschüren und Standard-E-Learnings. Sie wollen Arbeitgeber, Aufgaben und Arbeitsumfeld real erleben. Gleichzeitig müssen HR-Verantwortliche die richtigen Talente auf effiziente Weise gewinnen und erfolgreich integrieren.
Unsere diesjährige Studie in Kooperation mit der Universität Münster belegt: Immersive Technologien (VR, AR, MR) können Motivation, Zufriedenheit und wahrgenommene Effektivität deutlich steigern und zudem die Wahrnehmung der Innovativität des Arbeitgebers stärken. Durch die neuen Technologien können interessierte Talente das Unternehmen realitätsnah und zugleich spielerisch erleben – vom ersten Employer-Branding-Kontakt bis zum Onboarding.
„Die Talente wollen heute anders angesprochen werden, sie haben andere Bedürfnisse, und deshalb müssen wir natürlich auch unser Recruiting-Set, unser Onboarding-Set, unser Learning-&-Development-Set und unser Employer-Branding-Set anpassen.“
Wenn HR-Erlebnisse immersiv werden, nehmen Talente Arbeitgeber, Prozesse und Inhalte anders wahr. Die PwC-Studie 2026 zeigt, welchen Vorsprung immersive Formate gegenüber klassischen Ansätzen in zentralen HR-Bereichen erzielen.
Im Employer Branding wurde eine klassische Unternehmenspräsentation mit einer VR-Employer-Branding-Experience bei PwC verglichen, bei der Kandidat:innen das Unternehmen interaktiv an verschiedenen Stationen kennenlernen konnten. Die Ergebnisse waren eindeutig: Die VR-Experience schlägt die klassische Präsentation klar: Motivation (+29 %) und Zufriedenheit (+15 %) fallen deutlich höher aus, auch die Effektivität des Formats wurde höher bewertet. Zudem trug VR dazu bei, dass PwC als sehr attraktiver und moderner Arbeitgeber erlebt wurde – als nahbarer, emotionaler und innovativer.
Im Recruiting stand ein dialogfähiger KI-Avatar einem klassischen Online-Stellenportal gegenüber. Beim Avatar fiel die Bewertung von Motivation, Zufriedenheit und Effektivität ähnlich bzw. leicht niedriger als beim Stellenportal aus; die Teilnehmer:innen bemängelten die fehlende persönliche Interaktion sowie technische Hürden. Klar positiv wirkte der Avatar jedoch auf das Innovationsimage: Er selbst erzielte ein Plus von rund 27 % und PwC ein Plus von rund 24 %. Auf die Arbeitgeberattraktivität wirkte sich der Avatar dagegen nur geringfügig aus.
Beim Onboarding testeten die Teilnehmer:innen ein VR-basiertes Cybergame und ein klassisches E-Learning-Modul. Das VR Game erzielte die größten Effekte innerhalb der Studie: Die Motivation war hier um knapp 49 % höher, die Zufriedenheit um bis zu 27 %. Die Effektivität wurde ebenfalls deutlich höher bewertet. Zudem berichteten die Kandidat:innen mehr Flow-Erleben (+53 %). Auch die Arbeitgeberattraktivität (+8 %) und das Innovationsimage erzielte höhere Werte: PwC wird als moderner und investitionsbereiter Arbeitgeber erlebt.
Neben den Laborexperimenten umfasste die Studie Interviews mit elf Expert:innen aus HR und Technologie zu den Chancen und Herausforderungen immersiver HR-Lösungen. Die Befragten sehen in immersiven Technologien große Chancen, HR-Prozesse erlebbarer zu machen, Talente besser zu aktivieren und das Innovationsimage des Unternehmens zu stärken. Als Risiken nennen sie fehlende Governance, unklare Zuständigkeiten, offene Fragen zu Datenschutz und IT-Sicherheit sowie die Gefahr, VR und KI nur als Showeffekt einzusetzen. Ihr Fazit: Immersive Technologien entfalten ihren Mehrwert, wenn sie zu klar definierten Use Cases passen, hochwertig umgesetzt werden sowie strategisch ins Employer Branding, Recruiting und Onboarding eingebettet sind.
Insgesamt zeigt die Studie, dass immersive Technologien besonders dann wirkungsvoll sind, wenn sie Talenten einen realitätsnahen, interaktiven Einblick in Unternehmen und Aufgaben bieten – wie im Employer Branding und Onboarding. KI-basierte Lösungen im Recruiting stärken vor allem das Innovationsimage, ersetzen aber nicht die persönliche Interaktion. Für Unternehmen bedeutet das: Wer gezielt die passenden Use Cases auswählt und technisch wie inhaltlich überzeugende Erlebnisse schafft, kann sich im Wettbewerb um Talente deutlich differenzieren.
Immersive Technologien bieten in HR vor allem dort Mehrwert, wo Erleben, Üben und Reflexion entscheidend sind. Besonders stark ist ihr Beitrag im Bereich Learning & Development: Realitätsnahe Simulationen, geschützte Trainingsumgebungen und interaktive Szenarien ermöglichen ein intensives Lernen ohne Risiko und mit hoher Übertragbarkeit in den Arbeitsalltag. Darüber hinaus können die neuen Technologien das Employer Branding, Recruiting und Onboarding emotionaler, einprägsamer und zielgruppengerechter gestalten und so die gesamte Employee Journey aufwerten.
Der Einsatz immersiver Technologien in HR ist mit organisatorischen, technischen und kulturellen Hürden verbunden. Es braucht klare Zuständigkeiten, Governance-Strukturen wie auch Regelungen zu Datenschutz und IT-Sicherheit. Zudem besteht das Risiko, dass diese Lösungen als Spielerei wahrgenommen werden, wenn Bedienung, inhaltliche Qualität oder die Einbettung in bestehende Prozesse nicht überzeugen – und sich dann negativ auf Akzeptanz und Arbeitgeberimage auswirken.
Unternehmen sollten mit wenigen, klar priorisierten Use Cases starten und immersive Formate gezielt dort einsetzen, wo sie echten Mehrwert bieten. Wichtig dabei sind professionelle, arbeitsbezogene Inhalte, eine hohe technische Stabilität und eine intuitive User Experience. Eine transparente Kommunikation zur Rolle der Technologie und zur Datennutzung sowie eine verankerte Governance helfen, das Vertrauen in immersive Lösungen zu stärken und diese nachhaltig in HR zu etablieren.
Immersive Technologien im Human Resources Management
Die PwC-Studie wurde zusammen mit der Universität Münster als kontrolliertes Laborexperiment im Within-Subject-Design umgesetzt: 210 Studierende und Absolvent:innen durchliefen drei HR-Anwendungsfälle: Employer Branding, Recruiting und Onboarding – und das jeweils in einer klassischen und einer immersiven Variante (VR beziehungsweise KI). Sie bewerteten für alle sechs Use Cases Motivation, Zufriedenheit, wahrgenommene Effektivität, Arbeitgeberattraktivität und Innovationsimage mithilfe standardisierter Skalen.
Darüber hinaus wurden elf halbstrukturierte Interviews mit Fach- und Führungskräften aus HR und Technologie geführt. Die qualitative Inhaltsanalyse der Gesprächstranskripte identifizierte zentrale Potenziale, Risiken sowie organisatorische und technologische Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz immersiver Technologien in HR.
Florian Voigt
Director, Future & Immersive Technologies Lead, PwC Germany
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