Großprojekte: Komplexität gefährdet Erfolg

01 Juni, 2017

Insbesondere im Anlagen-, Kraftwerks- und Infrastrukturbau scheitern nach PwC-Untersuchungen 75 Prozent aller Großprojekte. Und zwar an der Erreichung der Planziele hinsichtlich Kosten, Qualität und Zeit.

Ohnehin leiden viele Großprojekte unter den bereits vorhandenen operativen Herausforderungen. Die sich zunehmend ändernden Rahmenbedingungen im globalen Wettbewerb führen indes dazu, dass sich die Lage noch einmal verschärft: „Der daraus resultierende Preisdruck sowie die Unsicherheiten, etwa Staatskrisen in den internationalen Märkten, machen neue Strategien zur Finanzierung und Abwicklung entsprechend umfangreicher Vorhaben notwendig“, sagt PwC-Experte Martin Bork.

Welche Herausforderungen im Detail entstehen, zeigt bereits der Blick auf die profitable Abwicklung von Großprojekten hierzulande, so bei Bauvorhaben zur Realisierung der Energiewende: Windparks lassen sich nicht rechtzeitig fertigstellen, beteiligte Unternehmen realisieren die notwendige Netzanbindung nicht zeitgemäß, Lieferanten weisen Terminverzüge oder Lieferengpässe, beispielsweise bei den benötigten Seekabeln, aus. Logische Konsequenz: Auftraggeber oder Auftragnehmer geraten unter Druck, insbesondere dann, wenn zudem noch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit entsprechend hoch ist und gegebenenfalls sogar die Finanzierung zu scheitern droht.

„Für alle Beteiligten – egal ob Investor, Betreiber, Auftragnehmer oder auch die öffentliche Hand, zeigt sich hier der notwendige Handlungsbedarf.“

Martin Bork, PwC-Experte

Wo genau dieser Handlungsbedarf besteht, haben PwC-Experten anhand der Analyse zahlreicher Projekte identifiziert:

  • Die Prämissen, die Planung und Wirtschaftlichkeitsrechnung spiegeln sind zu optimistisch
  • Ungenügendes Vergabe- oder Angebotsmanagement, unrealistische Termin- und Kostenplanung
  • Inadäquate Projektorganisation, schwaches Projektmanagement sowie mangelnde Schnittstellenabstimmung zwischen Projekt- und Linienfunktionen
  • Fehlende Transparenz in Projektstatus, Projektcontrolling und Kostenkontrolle
  • Fehlende Vertragskenntnis, ungenügendes Vertrags- und Claim-Management
  • Unterschätzen des Innovationsgrades und der Technologierisiken sowie fehlender Kompetenzen und resultierender Abhängigkeit von Lieferanten

„Wesentliche Erfolgsfaktoren zur Definition der richtigen Maßnahmen sind deshalb die Transparenz zur aktuellen Projektsituation sowie die notwendige Offenheit für Veränderungen innerhalb des Projektes, aber auch der Unternehmensorganisation“, rät Martin Bork den in Großprojekten involvierten Organisationen. Was diese im Einzelnen tun müssen – eventuell unter Einbeziehung externer Unterstützung – hat PwC wie folgt klassifiziert:

  • Transparenz zu Projektstatus und Performance durch Projektreviews sowie Identifikation von Potentialen und notwendigen Maßnahmen.
  • Bereitstellung und gegebenenfalls auch Entwicklung spezifischer Benchmarks für Unternehmen verschiedenster Industrien zur Optimierung der Abwicklung von Großprojekten.
  • Frühwarnsystem (Early Warning Indicators / Navigator) zur Identifikation kritischer und risikobehafteter Projekte bevor die Risiken eintreten und finanzielle Auswirkungen eintreten.
  • Implementierung einer Project Management Toolbox zur unternehmensweiten Bereitstellung und Harmonisierung der Projektabwicklung durch Nutzung einheitlicher Dokumente, Vorlagen und Werkzeuge.
  • Implementierung Project Management Excellence für Investoren, EPC-Anbieter oder Subunternehmer.

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Martin Bork

Partner, PwC Germany

Tel.: +49 211 981 7288

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