Bedenken schwinden: Deutsche Banken setzen inzwischen voll auf die Cloud

26 November, 2018

PwC-Umfrage: Nach anfänglicher Skepsis nutzen schon 53 Prozent der hiesigen Banken Cloud-Services / Weitere 30 Prozent planen, dies in absehbarer Zeit zu tun / Den Instituten ist dabei wichtig, dass die Anbieter ein hohes Maß an Datenschutz gewährleisten und die Server möglichst in Deutschland stehen / PwC-Experte Marc Billeb: „Banken fragen nicht mehr, ob man Cloud-Lösungen einsetzt – sondern nur noch, für welche Anwendungsfälle und in welcher Betriebsform sie das am besten tun.“

Düsseldorf, 26. November 2018

Die deutsche Finanzwirtschaft greift im Zuge der Digitalisierung immer stärker auf die Dienste von Cloud-Anbietern zurück. Das zeigt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter IT‑Experten 100 deutscher Institute. So setzen 53 Prozent der deutschen Banken schon jetzt auf Cloud-Lösungen – sprich: Sie mieten IT-Leistung über externe Rechenzentren an. Darüber hinaus planen weitere 30 Prozent die Nutzung „in absehbarer Zeit“. Und: Zwei Drittel der befragten IT-Spezialisten gehen davon aus, dass der Einsatz von Cloud-Computing innerhalb der kommenden zwei Jahre branchenweit zunehmen wird.

„Viele deutsche Banken haben die Auslagerung von IT-Kapazitäten in die Cloud lange Zeit kritisch gesehen. Und immerhin 14 Prozent tun das unserer Umfrage zufolge immer noch. Gleichwohl setzt sich bei immer mehr Instituten die Erkenntnis durch, dass die Vorteile von Cloud-Computing überwiegen – zumal die Risiken in Bezug auf Compliance, Datenschutz oder Regulatorik inzwischen handhabbar sind. Die meisten Banken fragen darum nicht mehr, ob sie Cloud-Lösungen verwenden sollen, sondern nur noch, für welche Anwendungsfälle und in welcher Betriebsform sie das am besten tun.“

Marc Billeb, Partner bei PwC Deutschland

91 Prozent präferieren die private Cloud, nur 2 Prozent die öffentliche

Tatsächlich zeigt die PwC-Umfrage, dass die deutsche Kreditwirtschaft beim Umgang mit Cloud-Computing keineswegs wahllos vorgeht. So präferieren 91 Prozent der Banken, die bereits Cloud-Nutzer sind, private Lösungen. Dazu passt, dass wiederum 91 Prozent der Cloud-Nutzer angaben, für sie hätten Informationssicherheit und Datenschutz bei der Wahl des Anbieters eine „sehr hohe Relevanz“. Immerhin 74 Prozent achten darüber hinaus darauf, dass die Server des Cloud-Dienstleisters in Deutschland liegen. Dagegen sind die Kosten lediglich für jede vierte Bank ein entscheidendes Kriterium bei der Frage, welchen Anbieter sie bevorzugen.

Als größte Vorteile der Cloud im Vergleich zu herkömmlichen IT-Lösungen gelten „verbesserte Sicherheit, Verfügbarkeit und Support“ (85 Prozent der Cloud-Nutzer), eine „Komplexitätsreduktion in der eigenen IT-Architektur“ (83 Prozent) und der „Zugriff auf spezialisierte Ressourcen“ (74 Prozent). Dabei zeigt sich, dass es vor allem die kleinen und mittelgroßen Banken sind, die sich von der Kooperation mit Cloud-Anbietern Vorteile versprechen. So geben zwei Drittel der Banken mit weniger als 500 Mitarbeitern zu Protokoll, das Thema habe für ihr Geschäftsmodell eine hohe Relevanz. Unter den Banken mit mehr als 500 Mitarbeitern sehen das dagegen nur 47 Prozent so.

53 Prozent vertrauen auf „SaaS“, 23 Prozent auf „Platform as a Service“

Unter den am Markt verfügbaren Service-Modellen ist „SaaS“ (also: „Software as a Service“) momentan mit Abstand am weitesten verbreitet – so gaben 53 Prozent der Cloud-Nutzer an, sie würden auf „SaaS“-Lösungen vertrauen. „Platform as a Service“-Modelle werden immerhin schon von 23 Prozent genutzt, wohingegen „Infrastructure as a Service“ (6 Prozent) noch ein Nischendasein fristet. „Dennoch dürfte der Trend in den nächsten Jahren dahin gehen, Cloud-Lösungen immer tiefer in die internen Abläufe zu integrieren und sich zudem auf die Kerngeschäftsprozesse zu konzentrieren“, sagt PwC-Experte Marc Billeb. In der Tat: Bei der Frage, welche zukünftigen Cloud-Services sie am Markt sehen, meinten 45 Prozent der Interviewpartner, dass es durchaus auch um die Auslagerung kompletter Bankprozesse gehen könnte.

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