Global Industrial Manufacturing Sector Outlook: Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau werden bis 2030 die Automatisierung ihrer Prozesse mehr als verdoppeln. Der massive Einsatz von KI birgt große Chancen. Die Gewinner dieser Entwicklung adaptieren Technologien schnell, kooperativ und ganzheitlich – und bauen so ihren Vorsprung im Rennen um Digitalisierung und KI deutlich aus.
Frankfurt am Main, 26. März 2026
Produktion, Qualitätssicherung, Materialhandling oder Wartung: Der Anteil der Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau, die kritische Prozessschritte wie diese automatisieren, wird sich bis 2030 nahezu verdreifachen – im Median von 18 % auf 50 %. Das ist eine zentrale Erkenntnis des aktuellen Global Industrial Manufacturing Sector Outlook, für den PwC mehr als 400 Führungskräfte weltweit befragt hat, darunter auch 50 aus Deutschland. Die Studie verdeutlicht, an welchem entscheidenden Wendepunkt sich die Branche derzeit befindet.
Industrie 4.0 hat mit dem Internet of Things, Cobotik und digitalen Zwillingen die industrielle Produktion bereits grundlegend verändert. Mit Physical AI – der Verbindung von KI und Robotik mithilfe von Mess- und Maschinendaten – tritt sie nun in die nächste Phase der digitalen Transformation ein. Die Technologie verspricht erhebliche Produktivitätssprünge, neue Innovationskraft und nachhaltiges Wachstum. Die entscheidende Frage lautet nicht, wie schnell sich die Branche verändern wird, sondern ob sich die Unternehmen selbst schnell genug verändern können, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Der Global Industrial Manufacturing Sector Outlook zeigt erfolgreiche Strategien auf, durch die sich zukunftsfähige Unternehmen – in der Studie als Future-Fit-Companies bezeichnet – von ihren Wettbewerbern abheben. Weltweit gehören 20 % zu dieser Gruppe der Vorreiter, in Deutschland sind es 14 %. Sie investieren stärker als ihre Konkurrenz in KI, um ihr Wachstum zu unterstützen (54 % gegenüber 45 %). Sie setzen deutlich intensiver neue Technologien ein, sowohl im Produktdesign (46 % gegenüber 34 %) als auch in der Fertigung (37 % gegenüber 28 %). Und sie weisen insgesamt einen fast doppelt so hohen Automatisierungsgrad auf (im Median 29 % gegenüber 15 %).
„Die Technologien und Werkzeuge sind für alle verfügbar. Jetzt kommt es darauf an, auch bei Kostendruck fokussierte Investitionsentscheidungen zu treffen und passende KI-Anwendungen schnell und koordiniert einzusetzen. Wer die Wachstums- und Produktivitätschancen nutzen will, die sie bieten, sollte KI und andere neue Technologien als integratives System betrachten und nicht als Insellösung.“
Die Studie zeigt: Deutsche Unternehmen haben das Potenzial erkannt. Automatisierungstechnologien (56 %; global 49 %) und KI (52 %; global 53 %) stehen für sie ganz oben auf der Liste der wichtigsten Technologien zur Erreichung strategischer Ziele.
Der Handlungsdruck ist hoch, denn die Produktivität im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland ist rückläufig. Laut dem PwC Maschinenbau-Barometer, einer vierteljährlichen Branchenbefragung, liegt die durchschnittliche Kapazitätsauslastung seit drei Jahren unter 90 % – zuletzt sank sie auf 81 %.
Die Ursachen sind vielschichtig und verstärken sich gegenseitig: steigende Personal- und Rohstoffkosten, politische Unsicherheiten im Ausland und eine schwache Nachfrage. Dabei unterscheiden sich Selbst- und Brancheneinschätzung deutlich: Während Unternehmen für das eigene Geschäft im Jahr 2026 mit einem Umsatzplus von durchschnittlich 2,0 % rechnen, erwarten sie für die Gesamtbranche einen Rückgang von 2,8 %.
Wachstumschancen eröffnen sich laut den Entscheidern vor allem in neuen Märkten und Branchen. Der Einsatz von Automatisierung und KI verändert nämlich nicht nur die Produktionsprozesse im Maschinen- und Anlagenbau, sondern ganz grundsätzlich auch ihr Geschäftsmodell. Bis 2030 erwarten die im Rahmen des Global Industrial Manufacturing Sector Outlook befragten Unternehmen weltweit, dass sie mehr als 44 % ihres Gesamtumsatzes außerhalb der Herstellung von Industriegütern erzielen werden. Sie bieten ihren Kunden nicht nur spezifisches Equipment, sondern schaffen zunehmend Angebote, die Know-how und Dienstleistungen bündeln, etwa datengestützte Serviceangebote zur Fernüberwachung, Wartung oder Prozessoptimierung.
„Wie in vielen Sektoren beobachten wir auch im Maschinenbau eine Entwicklung, die den Fokus über die Fertigung ausweitet, zu smarten und vernetzten Angeboten über verschiedene Kundengruppen hinweg. Wir erleben bei vielen Unternehmen, wie sich Silos langsam öffnen. Die Zukunft liegt eindeutig jenseits klassischer Erzeugnisse und bestehender Branchengrenzen.“
Um die entstehenden Chancen zu nutzen, setzt die Branche weltweit immer häufiger auf die Kollaboration in Ökosystemen. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit innovativen Softwareanbietern und Start-ups, um Maschinendaten von Produktionslinien und Sensoren auf einer gemeinsamen Plattform zu sammeln und darauf Analysen, Machine-Learning-Modelle oder digitale Zwillinge aufzusetzen und so das Anlagendesign, den Betrieb oder die vorausschauende Wartung zu verbessern.
Zentrale Treiber für innovative Kooperationsmodelle sind die Erschließung neuer Märkte (52 %; global 48 %) und Kollaborationen in der Produktentwicklung (38 %; global 42 %). Allerdings fällt die Bereitschaft der deutschen Unternehmen zur Kooperation in Ökosystemen hinter den globalen Trend zurück (44 %; global 54 %). Hierzulande setzt man traditionell stärker auf Eigenentwicklung und vertikale Integration – ein Ansatz, der in einer zunehmend vernetzten Industrielandschaft immer mehr an seine Grenzen stößt. Deutlich zeigt sich dies am Beispiel Chinas: Dort ist die Offenheit für Kooperationen zur Markterschließung und in Ökosystemen deutlich stärker ausgeprägt (67 % beziehungsweise 86 %).
Auch im Hinblick auf andere Wachstumsstrategien zeichnen sich deutsche Unternehmen weniger risikobereit als ihre Konkurrenz: Sie investieren weniger in Forschung und Entwicklung (32 %; global 46 %), erweitern seltener ihr Angebot (34%; global 43 %), sondern konzentrieren sich stärker auf neue Kundensegmente (52 %; global 40 %) und neue geografische Märkte (36 % DE, global 30 %).
„Die Verknüpfung leistungsfähiger KI-Modelle einerseits mit dem Erfahrungswissen und den industriellen Daten des deutschen Maschinenbaus andererseits eröffnet immense Chancen. Unternehmen, die das konsequent umsetzen, können sich im globalen KI-Wettbewerb neu positionieren. Wer erfolgreich bleiben will, muss aber verstehen, welche Partner wichtig sind und wie Lösungen über Unternehmensgrenzen hinweg gestaltet werden.“
Der Global Industrial Manufacturing Sector Outlook zeigt: Die Transformation wird von Unternehmen gewonnen, die sich durch Agilität, Kooperationsbereitschaft und eine aktive Innovationskultur auszeichnen. Denn über den Erfolg der nächsten industriellen Entwicklungsstufe entscheiden nicht nur Technologien, sondern auch menschliche Kompetenzen und eine durchdachte Organisationsstrategie. Die identifizierten Future-Fit-Companies zeichnen sich nämlich gerade dadurch aus, dass sie Entscheidungsprozesse agil und datengetrieben gestalten (75 % gegenüber 47 %), dass sie ihre Mitarbeiter ermutigen, neue Ideen auszuprobieren (75 % gegenüber 59 %) und ihnen eine größere Fehlertoleranz zugestehen (70 % gegenüber 51 %).
In dieser Hinsicht sehen sich deutsche Unternehmen gut aufgestellt. 68 % (global 61 %) sind überzeugt, dass ihre Unternehmenskultur Beschäftigte motiviert, neue Ideen zu entwickeln; lediglich rund ein Viertel der deutschen Unternehmenslenker sieht Qualifikationslücken bei ihren Mitarbeitenden (global 44 %).
„Grundsätzlich bereitet diese Kombination aus Technologie und Organisationsstruktur dem deutschen Maschinenbau den Boden für neue Lösungen und Geschäftsmodelle. Wer sich jetzt schnell genug transformiert, gestaltet aktiv die Zukunft der Industrie. Zögerlichkeit wird vom Markt mitunter hart bestraft werden.“
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