Die Anforderungen an digitale Infrastrukturen wachsen rasant. KI, Cloud-Transformation und High Performance Computing (HPC) machen Rechenzentren zu hochkomplexen Industrieanlagen. Gefordert ist ein ganzheitlicher Blick auf Technologie, Wirtschaftlichkeit und Regulatorik – von der ersten Idee bis zum laufenden Betrieb.
Die Bedeutung von Rechenzentren wird durch Digitalisierung, wachsende Cybersecurity-Bedenken und den Wunsch nach Unabhängigkeit von US-Hyperscalern vorangetrieben. Europäische Initiativen und staatliche Unterstützung beschleunigen den Infrastrukturausbau, während der KI-Fortschritt die Nachfrage nach Rechenleistung massiv antreibt.
Kapazitätsengpässe in Europas Schlüsselregionen – bedingt durch Herausforderungen bei Standortwahl, Genehmigung und Energieversorgung – schaffen besondere strategische Rahmenbedingungen für Investitionen. Für Investoren eröffnen sich dadurch attraktive Chancen, am Wachstum des Rechenzentrumssektors zu partizipieren und sich in der digitalen Wirtschaft frühzeitig zu positionieren.
Der Markt für Rechenzentren eröffnet professionellen Investoren ein breites Spektrum an Investitionsmöglichkeiten und differenzierten Einstiegspunkten – abgestimmt auf unterschiedliche Strategien, Fachkompetenzen und Renditeerwartungen. Ob der Fokus auf Infrastruktur, GPUs, Inferenztechnologien, den Aufbau von KI-Cloud-Kapazitäten oder den klassischen Immobilien- und Grundstückserwerb gerichtet ist: Der Sektor bietet ein hohes Maß an Flexibilität und Strukturierungsmöglichkeiten. Investoren können ihre Rolle im komplexen Ökosystem aus Betreibern, Eigentümerstrukturen und Technologiepartnern klar definieren und ihre Anlagestrategie gezielt an eigenen Stärken und Zielen ausrichten.
Rechenzentren zeichnen sich als Investment durch eine Reihe attraktiver Merkmale aus: langfristig gesicherte Einnahmeströme, hohe Mietrenditen, stabiler Cashflow, niedrige Leerstandsquoten sowie häufig bonitätsstarke und renommierte Nutzer, die zu einer geringeren Konjunktursensitivität beitragen. Unterschiedliche Geschäfts- und Erlösmodelle – etwa Colocation, KI-Hosting oder KI-Cloud-Services – eröffnen zusätzliche Ertragspotenziale mit attraktiven Margen.
Mit der starken Dynamik des Data-Center-Marktes wächst zugleich die Bandbreite der unter dem Begriff „Rechenzentrum“ angebotenen Produkte und Lösungen. Eine sorgfältige Prüfung ist daher unerlässlich: Nicht jedes als Rechenzentrumslösung vermarktete Angebot erfüllt die hohen Anforderungen an Standards, Spezifikationen und Leistungsfähigkeit, die für eine belastbare Infrastruktur auf Rechenzentrumsniveau erforderlich sind.
Die entscheidenden Weichen für Performance und Rendite werden lange vor dem ersten Spatenstich gestellt. Technologische Entwicklungen, etwa deutlich steigende Leistungsdichten, müssen frühzeitig antizipiert und in die Planung integriert werden. Gleichzeitig sind verschärfte ESG-Anforderungen, komplexe Genehmigungsverfahren und die Standortwahl zu berücksichtigen. Alle diese Faktoren sollten von Beginn an in einen belastbaren Business Case einfließen.
Ob Neubau auf der grünen Wiese oder Modernisierung im laufenden Betrieb: In der Bauphase müssen zahlreiche Gewerke präzise ineinandergreifen – von der Gebäudehülle über die Kältetechnik bis zur IT-Infrastruktur. Die Herausforderung besteht darin, auch unter Bedingungen volatiler Lieferketten und begrenzter Ressourcen die Steuerung zu behalten.. Ein stringentes Projekt- und Schnittstellenmanagementist entscheidend, um Zeitpläne zu halten und kostenintensive Reibungsverluste zu vermeiden.
Im laufenden Betrieb sind höchste Verfügbarkeit (24/7) und ein ressourcenschonender Einsatz von Energie und Wasser miteinander in Einklang zu bringen. Das Management steht vor der Aufgabe, Kennzahlen wie Power Usage Effectiveness (PUE) und Water Usage Effectiveness (WUE) kontinuierlich zu verbessern, verlässliche Daten für das Nachhaltigkeitsreporting (zum Beispiel CSRD) bereitzustellen und die Infrastruktur flexibel an wechselnde IT-Lasten anzupassen.. Wer die klassischen Grenzen zwischen Immobilienmanagement, Energieversorgung und IT-Architektur auflöst, kann diese Herausforderungen in messbare Wettbewerbsvorteile überführen.
Der wachsende Markt für Rechenzentren in Deutschland spiegelt sich in einer zunehmenden Zahl attraktiver Standorte wider. Neben dem zentralen Knotenpunkt Frankfurt entwickeln sich auch andere Standorte dynamisch und weisen eine Vielzahlvon Rechenzentrumsprojekten auf, die in den kommenden Jahren fertiggestellt werden sollen (Projekte in der Entwicklungsphase).
| Brandenburg | Kapazität | Meilenstein |
| Schwarz Digits Data Center Lübbenau | 200 MVA | Fertigstellung: Ende 2027 |
| Project Jupiter Lichterfeld-Schacksdorf | 500 MVA | Baubeginn: Ende 2026/Anfang 2027 |
| Berlin + Umland | Kapazität | Meilenstein |
| VIRTUS Marienpark Campus | 57 MW | Fertigstellung des ersten Gebäudes: Q3 2026 |
| Vantage BER1 | 56 MW (Ausbaupotential auf über 300 MVA) | Netzanschluss: bis 2029 |
| VIRTUS Wustermark Megacampus | 300 MVA | Fertigstellung: 2026 |
| Maincubes BER02 Nauen | > 200 MVA | Fertigstellung des ersten Gebäudes: Ende 2027 |
| Bluestar | 100 MVA | Fertigstellung: 2027 |
| Frankfurt + Umland | Kapazität | Meilenstein |
| Greenrocks Mainz | 54 MW (Ausbaupotential auf 80 MW) | Fertigstellung des ersten Gebäudes: Ende 2026 |
| CloudHQ Campus Höchst | 276 MW | Fertigstellung des ersten Abschnitts: 2027 |
| Cyrus One Frau7 | 81 MW (Ausbaupotential auf 126 MW) | Fertigstellung der ersten Phase: Q2 2026 |
| Maincubes FRA04 | 40 MW | Fertigstellung: Q1 2029 |
| Digitalpark Fechenheim FRA20 | 16 MW (Ausbaupotential auf 200 MW) | Erste Ausbaustufe: Frühjahr 2027 |
| Cyrus One FRA5 Hanau | 54 MW | Baubeginn: Q1 2026 geplant |
| Data4 Mega Campus | 180 MVA | Baubeginn: September 2025 |
| Frank Cube | 200 MW | Fertigstellung: 2028 |
| Gießen | Kapazität | Meilenstein |
| Gießen Katzenfeld | 65 MW | Fertigstellung: 2030 |
| Region Köln/Bonn | Kapazität | Meilenstein |
| FIL Bros Bergheim bei Köln | 30 MVA | Fertigstellung: 2026 |
| Wesseling-Urfeld | > 10 MVA | Baubeginn: 2027 |
| Westfalen (Lippe-Region) | Kapazität | Meilenstein |
| Blackstone Hyperscaler Campus | 200 MW | Fertigstellung: frühe 2030er Jahre |
| YEXIO Rechenzentrum Bad Lippspringe | 2 MW (Ausbaupotential auf 4 MW) | Inbetriebnahme: Sommer 2026 |
| Amberg | Kapazität | Meilenstein |
| Polarise | 30 MW (Ausbaupotential auf 120 MW) | Fertigstellung: Mitte 2027 |
| München + Umland | Kapazität | Meilenstein |
| DCMUC 1 Unterschleißheim | 17 MW | Fertigstellung der ersten 8 MW: Mitte 2027 |
| Portus Data Center MUC2 | 1,5 MW (Ausbaupotential auf 7 MW) | Fertigstellung: Anfang 2027 |
| YEXIO Rechenzentrum | 2 MW (Ausbaupotential auf 4 MW) | Fertigstellung: Q3 2027 |
| AI-Factory Telekom | 12 MW (Ausbaupotential auf 20 MW) | Fertigstellung: Februar 2026 |
| Region Hannover | Kapazität | Meilenstein |
| Avacon Data Center | 28.000 Server | Fertigstellung: Februar 2026 |
| Hamburg | Kapazität | Meilenstein |
| DataR | 5 MW | Fertigstellung: Sommer 2026 |
| Stuttgart | Kapazität | Meilenstein |
| Nexspace | 4 MW | Fertigstellung: 2. Hälfte 2026 |
| AtlasEdge STR001 | 20 MW | Fertigstellung (Phase 1/4): Juli 2025 |
| Region Leipzig/Sachsen | Kapazität | Meilenstein |
| Rechenzentrum Zschortau-Rackwitz | 500 MVA | Satzungsphase: Ende 2027, möglicher Launch: 2030 |
| Region Rhein-Selz | Kapazität | Meilenstein |
| NTT Global Data Centers FRA6 Nierstein | 482 MW | Teilbetrieb: 2029 |
Stand: März 2026
Viele Bestandsgebäude verfügen bereits über leistungsfähige Stromanschlüsse. Da die Netzanbindung bei Greenfield-Projekten in einigen Märkten bis zu zehn Jahre dauern kann, entsteht hier ein erheblicher Zeitvorteil. Zudem lassen sich durch die Nutzung vorhandener Bausubstanz nicht nur Baukosten, sondern häufig auch Genehmigungs- und Entwicklungszeiten deutlich reduziert.
Neue Chip-Generationen verändern die Nutzung von Bestandsgebäuden grundlegend: Sie erhöhen die Rechenleistung pro Quadratmeter und ermöglichen zugleich die teilweise Auslagerung von Kühl- und Energieinfrastrukturen. Dadurch sinkt der Flächenbedarf für Data Halls und die Effizienz der vorhandenen Gebäude wird maximiert. Ungenutzte Potenziale können so gehoben und Investitionen in bestehende Standorte deutlich attraktiver gestaltet werden.
Die wachsende Nachfrage nach Bestandsgebäuden mit hoher Stromanschlusskapazität dürfte perspektivisch zu einem Engpass bei verfügbaren Objekten führen. Um von diesem Trend zu profitieren, ist der Faktor Zeit entscheidend. Marktteilnehmer sind gefordert, frühzeitig zu handeln und sich jetzt strategisch zu positionieren.
Bei PwC Real Assets Beratung kombinieren wir fundierte Branchenexpertise mit umfassenden Beratungsleistungen und bieten End-to-End-Beratungsdienste, um Investoren, Entwickler und Betreiber während des gesamten Lebenszyklus eines Rechenzentrums zu unterstützen.
Wir verstehen uns nicht nur als Berater, sondern als strategische Partner unserer Kunden, um Projekte erfolgreich zu realisieren.
Rechenzentren müssen steigende Rechenleistung mit Nachhaltigkeit vereinen – der Stromverbrauch ist seit 2010 um über 90 Prozent gestiegen. Erneuerbare Energien, Wasserstofftechnologien und Abwärmenutzung reduzieren den ökologischen Fußabdruck. EU-Vorgaben und das deutsche Energieeffizienzgesetz fordern Klimaneutralität bis 2030. Die Zukunft gehört Rechenzentren, die in nachhaltige Technologien investieren und Teil einer grünen Energiewirtschaft werden.
Rechenzentren sind keine gewöhnlichen Gewerbeimmobilien. Ihr Wert hängt von Energieversorgung, IT-Auslastung, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit ab. Die DCF-Methode ist der bevorzugte Bewertungsansatz, ergänzt durch Vergleichs- und Vermögenswertmethode. Steigende Nachfrage bei begrenztem Angebot macht sie zur attraktiven Assetklasse. Entscheidend sind Strom- und Netzverfügbarkeit, vertragliche Risiken und technische Flexibilität. Langfristige Triple-Net-Strukturen sichern stabile Cashflows.
Die neuesten KI-Chip-Generationen verändern Effizienz und Leistung von Rechenzentren grundlegend: Sie können Kosten und Energieverbrauch um das 25-Fache senken und die Ausgabeleistung um das 40-Fache steigern. Voraussichtlich wird ein Rack im Jahr 2030 die Rechenleistung von rund 275 heutigen Racks erbringen – bei etwa 95 Prozent weniger Stromverbrauch. Flüssigkeitskühlung ermöglicht zudem die Auslagerung von 70 Prozent der Kühlinfrastruktur und reduziert den Flächenbedarf im Gebäude. Gleichzeitig dürfte sich der Stromverbrauch europäischer Rechenzentren bis 2030 auf rund 150 TWh verdreifachen. Erfolgreiche Brownfield-Projekte erfordern daher technologisches Know-how sowie einen strategischen Umgang mit Energie und Regulatorik.
„Aktuell ist eine erstklassige Gelegenheit für strategische Investitionen in Rechenzentren, um eine führende Marktposition zu erlangen und eine nachhaltige Entwicklung zu sichern.“
Benjamin Schrödl,Partner, Head of Real Assets M&A Germany bei PwC Deutschland
Benjamin Schrödl
Partner, Real Assets Mergers & Acquisitions, PwC Germany
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