Operative Resilienz entwickelt sich von einer regulatorischen Anforderung zu einer strategisch-interdisziplinären Fähigkeit, die entscheidend für Risikoerkennung und Geschäftskontinuität sein kann. Unternehmen müssen heute in der Lage sein, Not- und Krisenfälle nicht nur zu bewältigen, um regulatorische Vorgaben zu erfüllen, sondern vor allem, um Leistungsfähigkeit, Geschäftsbetrieb, Marke und das Vertrauen der Kunden in einer hypervernetzten, störungsanfälligen Welt zu schützen.
Doch die meisten Resilienzprogramme sind noch immer fragmentiert: Verantwortlichkeiten sind zwischen Risikomanagement, Business Continuity, Informationssicherheit, IT und physischer Sicherheit aufgeteilt. Tests, Berichte, KPIs und Abhängigkeitsanalysen laufen manuell und isoliert. Wiederanlaufpläne sind oft veraltet und halten mit der digitalen Transformation nicht Schritt. Höchste Zeit, sich der Modernisierung zu widmen.
Mit der wachsenden digitalen Vernetzung – von Cloud über KI bis zu Drittdienstleistern – gehen Unternehmen dazu über, operative Resilienz nicht mehr nur als Reaktion und Wiederanlauf zu begreifen, sondern als kontinuierlichen, vernetzten Prozess.
Auch Regulatoren ziehen nach: Der regulatorische Zweiklang von NIS-2 und KRITIS-Dachgesetz geht über die Silobetrachtung hinaus und umfasst Governance, Risiko und Resilienz – ein klares Signal für die Notwendigkeit einheitlicher Steuerung über Technologie, Betrieb und Lieferketten hinweg.
Die Frage lautet nicht mehr „Können wir uns erholen?“, sondern: „Wie schnell können wir unser Kerngeschäft fortsetzen, ohne das Vertrauen unserer Kunden oder die Betriebsfähigkeit zu verlieren?“
Wir verstehen operative Resilienz als Entwicklungsprozess, nicht als einmaliges Projekt. Jedes Unternehmen durchläuft individuelle Entwicklungsstufen – von isolierten Wiederanlaufplänen bis hin zu integrierten, unternehmensweiten Resilienzprogrammen.
Der Weg zur operativen Resilienz:
Dieser programmatische Ansatz macht aus Resilienz eine adaptive Fähigkeit.
Moderne Resilienzprogramme werden auf Leitungsebene gesteuert und integrieren Geschäftsprozesse, Risiken und regulatorische Anforderungen sowie IT-Lösungen in einem ganzheitlichen Ansatz. Zentrales Erfolgsmerkmal ist eine einheitliche Governance, die als bereichsübergreifendes Modell aktuelle Silos bzw. Fachbereiche miteinander verbindet. Darauf aufbauend sind Rollen und Verantwortlichkeiten für kritische Geschäftsprozesse und deren Abhängigkeiten eindeutig zu regeln.
Ergänzend unterstützen geeignete Messsysteme mit Kennzahlen und Frühwarnindikatoren, dass die Leistungsfähigkeit im Hinblick auf definierte Toleranzgrenzen kontinuierlich überwacht werden kann. Die Wirksamkeit der Resilienzprogramme wird durch die enge Verzahnung mit etablierten Rahmenwerken gestärkt.
Technologie ist nicht der Ausgangspunkt, sondern der Beschleuniger für Skalierung, Transparenz und Automatisierung. Richtig eingebettet, vernetzt sie operative Resilienz im gesamten Unternehmen und macht komplexe Strukturen steuerbar. Zeitgemäße technologische Resilienzplattformen bilden dafür das Rückgrat, indem sie zentrale Funktionen in einer integrierten Lösung bündeln.
Im Mittelpunkt steht eine durchgängige Transparenz, durch die kritische Services, Assets und deren Abhängigkeiten in einem System erfasst und gesteuert werden können. Darauf aufbauend ermöglichen automatisierte Tests und Szenarien, Störungen realitätsnah zu simulieren und Geschäftsabläufe gezielt auf ihre Belastbarkeit zu prüfen. Ein integriertes Datenmodell verbindet Risiko-, Kontinuitäts-, IT- und Drittanbieterdaten und schafft damit eine fundierte Basis für Entscheidungen.
Ergänzt wird dies durch Echtzeitüberwachung, die eine proaktive Erkennung von Problemen und eine schnelle Reaktion unterstützt. Intelligente Abläufe und Datenflüsse automatisieren Reaktionen, Eskalationen, Kommunikation sowie Routineaufgaben wie Business-Impact-Analysen (BIA) und entlasten so Teams im Tagesgeschäft. Abgerundet wird der Ansatz durch leistungsfähige Analyse- und Reportingfunktionen, die Resilienz-Dashboards in Echtzeit für Management und Vorstand bereitstellen und damit Resilienz als steuerbare Managementgröße sichtbar machen. Technologie verbindet die Punkte – aber nur ein starkes Programm gibt diesen Verbindungen Sinn.
Vorreiter im Bereich Resilienz kombinieren Prozesse, Technologie, Daten und setzen auf:
Resilienz by Design: Kontinuitäts- und Risikoprinzipien werden direkt in Systemen und Prozessen integriert.
KI-gestützte Risikoerkennung: KI nutzt Frühwarnindikatoren, um potenzielle Betriebsstörungen vorherzusagen.
Digitale Zwillinge: Virtuelle Abbildungen von Services/ Prozessen oder Tests von Resilienzszenarien, um Abhängigkeiten und Ergebnisse zu modellieren.
Datenbasierte Entscheidungen: Resilienzmetriken in Performance-Dashboards des Unternehmens einbinden.
Kontinuierliche Validierung: Automatisierte Tests zur Überprüfung der Bereitschaft und Leistungsfähigkeit in Echtzeit.
Minimal Viable Company: Erkennung der für den (Kern)Geschäftsbetrieb unbedingt relevanten Assets und priorisierten Schutz dieser.
Resilienz entwickelt sich vom Reagieren zum Antizipieren.
Um operative Resilienz von der Theorie in die Praxis zu überführen und als strategischen Vorteil zu nutzen, sollten Unternehmen die folgenden Handlungsfelder fokussieren: