E-Bus-Radar – Wie elektrisch wird der öffentliche Nahverkehr?

17 September, 2018

Ausblick – Wann die E-Mobilität im öffentlichen Personennahverkehr auch bei Bussen kommt

Trotz weiterhin überschaubarer Verkaufszahlen steht das Thema E-Mobilität für die Automobilbranche seit Jahren ganz oben auf der Agenda. Viele Experten sehen die Zukunft des Individualverkehrs im Elektroauto. Doch auch im öffentlichen Nahverkehr wird nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um Luftreinhaltung und Klimaschutz auch bei Bussen vermehrt auf elektrische Antriebe gesetzt. 

In Deutschland sind täglich circa 40.000 Busse im Einsatz – gerade einmal 608 davon sind mit elektrischer Antriebstechnik ausgestattet. Diese Zahl wird aber zeitnah deutlich steigen. Das E-Bus-Radar von PwC Deutschland wirft einen Blick in die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs.

Alternative Antriebe

Damit ist der Hybridantrieb derzeit die beliebteste Alternative zum Dieselbus. Nachdem in den vergangenen Jahren jedoch immer weniger neue Hybridbusse in Betrieb genommen wurden, stieg die Zahl der Beschaffungen getrieben durch aktuelle Kompakthybridbuskonzepte zuletzt wieder an. Der Hybrid gilt dennoch als Brückentechnologie auf dem Weg zur vollständigen E-Mobilität. An zweiter und dritter Stelle der Antriebstechnologien liegen der batterieelektrische-Antrieb sowie Oberleitungsbusse (99 bzw. 66 Busse). Fahrzeuge, die mit Wasserstoff oder einer Oberleitungs-HybridTechnologie (Kombination aus Oberleitung und Batterie) betrieben werden, sind hingegen bisher kaum verbreitet (12 und 9 Busse). Insgesamt bringen somit 186 Busse in Deutschland ihre Fahrgäste rein elektrisch ans Ziel. Vorreiter beim Umstieg auf alternative Antriebstechnologien sind die Länder Nordrhein-Westfalen (177 Busse), Niedersachsen (110 Busse) und Hamburg (75 Busse). 

 

Anzahl der 2018 in Deutschland betriebenen Busse mit alternativen Antrieben, nach Antriebsart

Einsatz von E-Bussen 

Vor allem in Städten, die nicht mit einem Oberleitungsbussystem ausgestattet sind, ist der Anteil an E-Bussen für die öffentliche Personenbeförderung noch vergleichsweise gering. Solingen ist mit 54 Fahrzeugen Vorreiter beim Einsatz von O-Bussen. Die meisten rein elektrisch betriebenen Busse setzt Hamburg ein (15 Fahrzeuge). Bis Ende 2019 sind allerdings bereits über 400 Neuanschaffungen vollelektrisch angetriebener-Busse in Deutschland angekündigt. 

„Die Spannung steigt somit in doppelter Hinsicht: Einerseits existieren in vielen Städten kurzfristig äußerst ambitionierte Pläne für eine Elektrifizierung der Busflotte, andererseits wird es spannend, ob die Industrie diese Stückzahlen auch zeitnah liefern kann.“

Maximilian Rohs, Manager Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

Blick in die Zukunft – Anschaffung von 3.243 zusätzlichen Bussen

Die ÖPNV-Unternehmen setzen künftig verstärkt auf elektrisch betriebene Fahrzeuge. Der Hybridantrieb als Brückentechnologie wird dabei mittelfristig an Bedeutung verlieren. Stattdessen setzen viele Verkehrsbetriebe auf Elektrobusse. So haben sich die geplanten Beschaffungen von E-Bussen seit Ende 2017 vervierfacht. Insbesondere Berlin plant mit der Beschaffung von 1.590 Fahrzeugen die vollständige Umstellung des Busverkehrs.

Ähnliche Pläne verfolgen auch Wiesbaden, Kiel und Bremen mit 225, 222 und 220 Fahrzeugen. Die meisten der bislang angekündigten neuen Busse sollen batterieelektrisch fahren – in vielen Fällen zunächst einmal testweise in Pilotprojekten. Weil nach erfolgreichen Tests mit weiteren Umstellungen zu rechnen ist, geht PwC von weiter steigenden Beschaffungsvorhaben aus.

„Der Markteintritt der deutschen Hersteller bei batterieelektrisch betriebenen Bussen steht kurz bevor. Das wird dem Markt einen Bestellschub geben.“

Hansjörg Arnold, Leiter Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

Laden über Nacht – 52% der E-Busse werden nachts im Depot aufgeladen

Momentan ist die so genannte Overnight-Ladestrategie unter den E-Bussen, die derzeit im Einsatz sind, somit am weitesten verbreitet. Weitere 30 Prozent der Fahrzeuge werden teils im Depot, teils auf der Strecke (“Overnight + Opportunity-Strategie”) geladen. Nur bei 18 Prozent aller Fahrzeuge erfolgt die Versorgung mit dem benötigten Strom ausschließlich auf der Strecke (“Opportunity-Strategie”). Dabei nutzen die meisten Busse die Plug-in-Ladetechnologie (59 Prozent), Docking-Systeme (14 Prozent) oder eine Kombination aus beiden Technologien (16 Prozent). Induktive Ladetechnologie ist dagegen bisher noch wenig verbreitet. 

Autonome Shuttles

Der Einsatz autonom fahrender Busse wird bereits in Berlin (4), Enge-Sande, Bad Birnbach, Lahr und Mainz (je 1) erprobt. Weitere Einsätze sind bereits geplant. Die fahrerlosen Busse bilden einen wichtigen Bestandteil des ÖPNV der Zukunft. Sie ermöglichen unter anderem das Ausrollen von On-Demand Angeboten, die die Attraktivität des ÖPNV-Angebots durch hohe Flexibilität und Kundenorientierung deutlich steigern werden.

„Eine Antriebswende im straßengebundenen ÖPNV ist vor dem Hintergrund der Luftreinhalteproblematik in den Städten eine Schlüsselmaßnahme. Um aber eine echte Mobilitätswende einzuleiten, muss das öffentliche Verkehrsangebot zudem massiv ausgebaut und attraktiver gestaltet werden. Nur so lassen sich letztendlich die Lebensqualität, insbesondere in den Städten, verbessern und die Klimaziele erreichen.“

Hansjörg Arnold, Leiter Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

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