„Die Megatrends der automobilen Revolution verstärken sich gegenseitig“

11 September, 2017

Der europäische Automobilmarkt wird 2030 völlig anders aussehen als heute. Warum – das erläutert Christoph Stürmer, Global Lead Analyst bei PwC Autofacts.

Herr Stürmer, die PwC-Studie „eascy – Die fünf Dimensionen der automobilen Transformation“ kommt zu dem Schluss, dass der Fahrzeugbestand in Europa bis 2030 um rund 80 Millionen auf nur noch 200 Millionen Autos sinken könnte. Zugleich soll die Zahl der jährlichen Neuzulassungen aber um gut ein Drittel auf mehr als 24 Millionen Fahrzeuge steigen. Ist das kein Widerspruch?

Christoph Stürmer: Doch, aus heutiger Sicht schon. Allerdings ist es ja gerade die Kernaussage unserer Studie, dass viele Regeln, an die sich die Branche über Jahrzehnte gewöhnt hat, in Zukunft schlicht nicht mehr gelten. Und so kommt es zu der scheinbar paradoxen Entwicklung, dass der Bestand deutlich kleiner wird, obwohl – jedenfalls zunächst – immer mehr neue Autos auf die Straßen kommen.

Wie ist das zu erklären?

Stürmer: In erster Linie mit dem von uns prognostizierten Durchbruch preiswerter Sharing-Konzepte. Wir gehen davon aus, dass 2030 bereits mehr als jeder dritte auf Europas Straßen gefahrene Kilometer mit einer Form von „Car-Sharing“ absolviert wird. Dadurch werden insgesamt weniger Autos benötigt; der Verschleiß allerdings nimmt enorm zu, was einen deutlich schnelleren Ersatz erforderlich macht.

Ist Car-Sharing der Trend, der die „automobile Transformation“  am stärksten prägen wird?

Stürmer: So eindimensional würde ich das nicht ausdrücken. Vielmehr ist es so, dass sich die verschiedenen Megatrends – also vor allem „Sharing“, Elektrifizierung und autonomes Fahren – gegenseitig verstärken. Elektrofahrzeuge zum Beispiel könnten aufgrund des simpleren Antriebsstrangs weniger reparaturanfällig werden als herkömmliche Fahrzeuge – was bei einer intensiven Sharing-Nutzung ein deutlicher Vorteil ist. Selbstfahrende Autos wiederum könnten, wenn man sie mit Sharing-Konzepten verknüpft, zu regelrechten ‚Robotaxis‘ werden.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, die steigende Zahl jährlicher Neuzulassungen würde Herstellern und Zulieferern einen Boom bescheren. Stattdessen betonen Sie in Ihrer Studie die enormen Herausforderungen für die etablierten Player – etwa durch die zunehmende Konkurrenz vermeintlich branchenfremder Akteure …

Stürmer: Das ist richtig. Die klassischen Automobilkonzerne und ihre Zulieferer müssen in den nächsten Jahren neue Wachstumsfelder erschließen. Dauerhaft überleben kann in unserem Szenario nur, wer sich entweder auf der Produktseite als klarer Innovationsführer behauptet – oder wer Mobilität eben nicht mehr nur als Produkt, sondern als Service versteht und seinen Kunden entsprechende Angebote macht

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Christoph Stürmer

Global Lead Analyst PwC Autofacts®, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-6269

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