„Die Verkehrswende ist möglich!“

20 Juli, 2018

Wenn die Verkehrswende in Deutschland gelingen soll, müssen der Öffentliche
Personennahverkehr und der Schienengüterverkehr ihr „Wendetempo“ beschleunigen. Was dafür nötig ist, weiß Christiane Henrich-Köhler, PwC-Expertin für Infrastruktur und Mobilität.

Frau Henrich Köhler, die Verkehrswende in Deutschland kommt bislang kaum in Gang. Was muss beispielsweise der Öffentliche Personennahverkehr leisten, um die Verkehrswende zu beschleunigen?

Der ÖPNV muss ein echter Mobilitätsdienstleister werden und dafür neue Geschäftsmodelle integrieren. Das fängt damit an, in den Erhalt und den Ausbau einer leistungsfähigen, digitalen Infrastruktur investieren. Zudem braucht es mehr Fahrzeuge mit alternativen Antrieben sowie neue Verknüpfungspunkte, um Umstiege auf die einzelnen Transportmittel des ÖPNV effizienter zu gestalten. Im Schienennetz muss die Leit- und Sicherungstechnik flächendeckend, einheitlich und digital sein, um intermodale Plattformen zu ermöglichen. Und der ÖPNV sollte mit Anbietern ergänzender Angebote kooperieren.

Wie wichtig ist die Digitalisierung für den Erfolg der Verkehrswende?

Entwicklungen wie etwa die leistungsorientierte Bestpreis-Abrechnung der Fahrten auf elektronischem Wege, nutzerfreundliche Pay-as-you-go-Lösungen oder die bessere Vernetzung von Tarifen, Tickets und Fahrplaninformationen können das Kundenerlebnis erheblich verbessern und auf diesem Wege Zugangshürden reduzieren. Die Digitalisierung verbessert also nicht nur Sicherheits- und Informationstechniken, sondern ist auch ein wichtiger Eckpfeiler, wenn es darum geht, Fahrgäste für einen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu gewinnen.

Glauben Sie, dass dadurch der Marktanteil des ÖPNV steigen könnte?

Ja. Der aktuelle Anteil liegt bereits deutlich über den Prognosen des Bundesverkerswegeplans 2030, auch wenn sich der Marktanteil infolge des gestiegenen Verkehrsaufkommens in den vergangenen Jahren kaum verändert hat. Übrigens: Wenn neue Antriebstechnologien, digitale Verkehrssteuerung und die Modernisierung alter Infrastruktur auch im Schienengüterverkehr beschleunigt wird, wird auch dessen Marktanteil steigen – und damit die Verkehrswende an Fahrt gewinnen.

Hier sind die Kapazitäten allerdings eher begrenzt als im ÖPNV.

Deshalb ist so wichtig, Planungsverfahren zu beschleunigen, Strecken für Güterzüge mit 740 Metern Länge, aber auch Großknoten für jedweden Güterverkehr auszubauen sowie Baustellen besser zu managen. Auch hier eröffnet die Digitalisierung viele Optimierungsmöglichkeiten, etwa durch den Informationsaustausch in Echtzeit.

Innovation kostet Geld. Sollte die Politik die Verkehrsunternehmen finanziell unterstützen?

Das macht sie bereits. Doch wenn die Mammutaufgabe „Verkehrswende“ beschleunigt gelöst werden soll, braucht es mehr davon. Deshalb fordert der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen zusätzlich zu den bestehenden Förderungen ein Sonderprogramm, das mehr Investitionen in Fahrzeuge, in Infrastrukturen und in den Betrieb ermöglicht. Auch weitere fiskalpolitische Maßnahmen könnten Anreize bieten, damit mehr Menschen vom Auto in Bus und Bahn umsteigen – die Wiedereinführung steuerfreier Jobtickets beispielsweise.

Und was passiert, wenn diesbezüglich nichts passiert?

Dann riskieren wir, die deutschen und europäischen Klimaziele noch länger als ohnehin schon zu verfehlen. Und den Verkehrskollaps in deutschen Innenstädten. Beides darf keinesfalls passieren, wenn Deutschland als Wirtschaftsstandort stark bleiben soll.

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Christiane Henrich-Köhler

Senior Managerin Infrastructure & Mobility, PwC Germany

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Prof. Dr. Rainer Bernnat

Partner, Leiter Öffentlicher Sektor, PwC Strategy&, PwC Germany

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