Corporate Digital Responsibility Summit

19 November, 2019

Ein wichtiger Treiber der Digitalisierung ist die stetig steigende Datenmenge in Kombination mit der Möglichkeit diese Daten zu erfassen, zu analysieren und zu verarbeiten. Dies führt einerseits zu neuen digitalen Geschäftsmodellen und Arbeitsmustern und andererseits zu sich verändernden gesellschaftlichen Erwartungen in Bezug auf eine gemeinsame digitale Verantwortung. Um auf lange Sicht wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen daher zunehmend diese verschiedenen Anforderungen mit einbeziehen, um so die Unternehmensstrategie in eine digitale  Strategie zu überführen.

Am 17. September 2019 war PwC, gemeinsam mit idigiT, Gastgeber des ersten CDR Summit 2019 in den Räumlichkeiten der Universität Witten/Herdecke. Interessierte Entscheidungsträger und Führungskräfte aller Industrien und Disziplinen kamen zusammen, um in die Themen  Datenethik und Verantwortung in der Digitalisierung einzutauchen.

Warum gibt es den Corporate Digital Responsibility Summit?

Viele Fragen im Kontext der Digitalisierung treiben die zunehmende Diskussion über Corporate Digital Responsibility (CDR) und Digitale Ethik voran.

  • Gibt es eine allgemeine Unternehmensverantwortung, die aus der Digitalisierung resultiert? Wie sieht diese aus?
  • Wie können Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und innovative Geschäftsideen entwickeln ohne das Vertrauen der Kunden zu verlieren?
  • Wie kann Digitale Ethik dabei unterstützen Unternehmensverantwortung im digitalen Zeitalter zu gestalten?

Um die damit verbundenen Vorteile und Herausforderungen branchenübergreifend mit Unternehmen zu diskutieren, initiierte Angelika Pauer, Expertin für Digital Ethics & Responsibility, den ersten CDR-Summit.

Das Programm des ersten Summit im Rückblick

Moderierte Gesprächsrunde – „Braucht Digitalisierung Ethik“

Die erste Podiumsdiskussion betrachtete die Fragestellung, ob die Digitalisierung Ethik benötigt. Prof. Dr. Birger Priddat (Universität Witten/Herdecke) gab Einblicke in die politökonomische Perspektive, Dr. Janina Loh (Universität Wien) in den philosophischen Diskurs, Dr. Anne Riechert (Stiftung Datenschutz) stellte die rechtlichen Aspekte heraus und Dr. Werner Vogd (Universität Witten/Herdecke) betonte die soziologische Dimension.

Obwohl es immer noch ein kontrovers diskutiertes Thema ist, zeigte die Podiumsdiskussion, dass es beider Ansätze bedarf - der Technologie und der Ethik. Die DSGVO lässt Grauzonen zu und gibt Unternehmen damit die Aufgabe und Position initiativ Verantwortung zu übernehmen und somit einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen.

PwC-Studie zum Thema Digitale Ethik

Dem wissenschaftlichen Diskurs folgten praktische Einblicke in die aktuelle PwC Studie zu Digitaler Ethik. Steffen Esche (PwC GmbH) betonte, dass es vielen Unternehmen an der Verankerung Digitaler Ethik in der Digitalen Strategie und Richtlinien in diesem Bereich mangelt. Die ausführliche Studie erscheint im Herbst 2019.

Zur Studie Digitale Ethik

„Digitalisierung kann scheitern, wenn durch unvorhergesehene Konsequenzen das Vertrauen der Menschen verloren geht. Eine ganzheitliche CDR Strategie im Unternehmen, inkl. operationalisierter digitaler Ethik, verringert dieses Risiko und stellt den Menschen proaktiv in den Mittelpunkt der Digitalisierung.”

Angelika Pauer,Expert for Digital Ethics & Responsibility bei PwC Deutschland

Breakout Sessions: „Digitale Ethik erleben“ – Dilemmata verschiedener Industrien

In drei interaktiven Breakout Sessions zum Thema “Digitale Ethik erleben” erhielten die Teilnehmenden des CDR Summit 2019 erste Einblicke in konkrete ethische Dilemmata bei der Anwendung von Technologien in verschiedenen Branchen. Merck steht vor einem ethischen Dilemma bei der Modellierung von DNA im Gesundheitswesen und stellte daher die Frage: Wer setzt die Grenzen? Die Commerzbank gab Einblicke in die Nutzung von KI bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit und zeigte weitere mögliche Anwendungsfelder auf. Atos berichtete von ethischen Dilemmata bei der Analyse von Daten. Diesen Impulsvorträgen folgten Workshops, in denen die Teilnehmenden zusätzliche Szenarien, unbeabsichtigte Konsequenzen sowie Externalitäten diskutierten. Im Anschluss an die Wrap-Up Session folgte eine moderierte  Podiumsdiskussion.

„When you invent the ship, you also invent the shipwreck; when you invent the plane you also invent the plane crash; and when you invent electricity, you invent electrocution... Every technology carries its own negativity, which is invented at the same time as technical progress.“

Paul Virilio

Breakout Session 1: Life Sciences & Healthcare

Im Gesundheitswesen könnte die Diskrepanz der Freiwilligkeit Daten zur Verfügung zu stellen größer nicht sein: Wer krank ist, teilt Daten gerne. Wer hingegen gesund ist, möchte seine Daten meist für sich behalten. idigiT verdeutlichte den Teilnehmenden der Breakout Session im Bereich ‘Life Sciences & Healthcare’ diese Diskrepanz durch das Einnehmen der Nutzerperspektive für eine App im Gesundheitssektor. Die Kunden bestimmen dabei selbst, welche Daten sie zur Verfügung stellen. Doch welche Implikationen ergeben sich aus der Eingabe persönlicher Daten für den Einzelnen, die Gesellschaft und für Unternehmen? Die Teilnehmenden diskutierten die unterschiedlichsten Perspektiven, wie z.B., dass bei einem möglichen Verkauf die eingegebenen Daten automatisch weitergegeben werden. Für Versicherungen ergeben sich entsprechend wertvolle Persönlichkeitsprofile, die mit weiteren Daten untermauert werden können.

Breakout Session 2: Financial Services

Dr. Eberhard Schnebel, Verantwortlicher für Data Ethics & Digital Ethics bei der Commerzbank, informierte über Anwendungsfälle von KI im Bankenwesen, als Beispiel nannte er Fraud Detection und die Kreditvergabe. Im Bereich Fraud Detection identifiziert eine KI bzw. ein Algorithmus Kreditanträge, die aus betrügerischen Absichten gestellt werden. Bei der Kreditvergabe gilt es die Kreditwürdigkeit von Kunden auf Basis unterschiedlicher Datensätze zu prüfen. Die Frage der Commerzbank lautet daher, was muss die Commerzbank bei der Nutzung aller zur Verfügung stehenden Daten beachten, um über die Kreditwürdigkeit von Kunden zu entscheiden? 

Breakout Session 3: Data Analytics

Ulrich Wilmsmann berichtete in der Funktion als Head of Information Management and Analytics bei Atos, dass auch er als Entwickler von Technologien aufgrund der disruptiven Technologien in Grenzbereiche kommt, die sozial und gesellschaftlich noch nicht durchdacht sind. Er stellte fest, dass durch die konkrete Auseinandersetzung und Entwicklung neuer Technologien ethische Fragestellungen zu Tage kommen. Jede Situation sollte daher einzeln betrachtet werden, da die Folgen der einzelnen Projekte nicht abzuschätzen sind. Gesetzliche Regelungen funktionieren bzw. reichen daher nicht mehr aus. Als Beispiel nannte er ein Projekt, bei dem die Wirksamkeit eines Krebsmedikaments in Bezug auf die DNA analysiert wurde. Gleichzeitig wurden DNA-Stellen entdeckt, die Rückschlüsse auf die Anfälligkeit gegenüber einer Krebserkrankung geben. Dieses Resultat wiederum führte zu der Frage, ob mithilfe von DNA-Snipping diese DNA-Stellen entfernt werden sollten, um somit eine Anfälligkeit gegen Krebs zu minimieren - eine Fragestellung, die das Unternehmen ethisch bzw. moralisch vor Herausforderungen stellt.

Knowledge Booths: „Digitale Verantwortung verstehen“ – Best Practices, Insights & Tools

In den Knowledge Booths entdeckten Teilnehmende Werkzeuge, Methoden und Best Practices von Julia Scheerer (Bertelsmann Stiftung), Philipp Hommelsheim (bljndspot), Dr. Sarah Becker (idigiT) und Saskia Becke (PwC GmbH). Bei der Implementierung von CDR müssen Unternehmen nicht bei Null anfangen, sondern können auf Prozesse aus dem Bereich Sicherheit sowie Maßnahmen aus CSR aufbauen. Sich auf die digitale Unternehmensstrategie, -struktur und -prozesse zu konzentrieren, wird wichtige Schnittstellen aufzeigen, um CDR zu platzieren.

Podiumsdiskussion: „Corporate Digital Responsibility aus der Unternehmensperspektive“

In der letzten Podiumsdiskussion beleuchteten Manuela Mackert (Deutsche Telekom), Birgit Riess (Bertelsmann Stiftung), Dr. Reinhold Achatz (ThyssenKrupp) und Prof. Dr. Jan Ehlers (Universität Witten Herdecke) die Fragestellung, wie Digitale Ethik und Verantwortung im Unternehmenskontext angegangen werden.

„Inhaltlich sehr gute und wertvolle Veranstaltung mit tiefgründigen Diskussionen und das ist heutzutage selten!“

Teilnehmerin

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Markus Vehlow

Markus Vehlow

Partner, Trust and Transparency Services, PwC Germany

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Angelika Pauer

Angelika Pauer

Senior Managerin, Corporate Digital Responsibility und Digital Ethics, PwC Germany

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