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Freiwilliger CO₂-Zertifikatemarkt: Chancen für Finanzinstitute

PwC-Studie 2026: Markt, Regulierung und Geschäftsfelder

190

MtCO₂ weltweite freiwillige Unternehmensnachfrage nach CO₂-Zertifikaten 2025

40

MtCO₂ weltweite Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten aus Compliance-Märkten 2025

60-80

MtCO₂ geschätzte EU-Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten bis 2035

330-600

MtCO₂ geschätzter Höchststand der EU-Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten 2040–2045

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Daniel Wildhirt & Helmut Artinger

Daniel Wildhirt
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Helmut Artinger
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Vom Nischenmarkt zum strategischen Geschäftsfeld für Finanzinstitute

Um die globalen Klimaziele zu erreichen, müssen Emissionen konsequent vermieden und reduziert werden. Dennoch verbleiben insbesondere in der Landwirtschaft, der Schwerindustrie sowie im Luft- und Seeverkehr schwer vermeidbare Restemissionen. Für deren Neutralisierung sind hochwertige CO₂-Entfernungen erforderlich. Gleichzeitig sind die Umsetzung und Skalierung entsprechender Klimaschutzprojekte kapitalintensiv.

Der freiwillige CO₂-Zertifikatemarkt (Voluntary Carbon Market, VCM) entwickelt sich deshalb von einem Nischenmarkt zu einem strukturell relevanten Markt an der Schnittstelle von Transformationsfinanzierung, Klimastrategie und neuer Wertschöpfung.

Für Finanzinstitute ergibt sich daraus eine doppelte Relevanz: Sie können CO₂-Zertifikate ergänzend für die eigene Klimastrategie nutzen und zugleich neue Rollen als Finanzierer, Strukturierer, Intermediär, Berater oder Absicherungspartner übernehmen. Die PwC-Studie analysiert Marktentwicklung, Regulierung und Qualitätsanforderungen, modelliert mögliche Entwicklungspfade der EU-Nachfrage bis 2050 und zeigt konkrete Geschäftsfelder sowie strategische Handlungsempfehlungen für Finanzinstitute auf.

Die Studie im Überblick

Qualität wird zum entscheidenden Faktor

Nach Berichten über Zweifel an der Klimawirkung einzelner Projekte geriet der VCM 2023 in eine Vertrauenskrise. Seitdem differenziert sich der Markt in klar abgegrenzte Qualitätssegmente. Im Mittelpunkt stehen zunehmend hochwertige Zertifikate zur dauerhaften CO₂-Entfernung. Sie ergänzen glaubwürdige Klimastrategien, die auf tiefgreifenden Emissionsreduktionen beruhen, und gelten als bevorzugtes Instrument zur Neutralisierung unvermeidbarer Restemissionen. Statt pauschaler Kompensation geht es heute um Neutralisierung und zusätzliche Klimabeiträge, auch mit Blick auf die strengeren Anforderungen an Klimaaussagen durch die EmpCo-Richtlinie.

Überangebot hier, Knappheit dort

Bei Vermeidungs- und Reduktionszertifikaten besteht weiterhin ein Überangebot: 2025 lag das Angebot rund 0,20 GtCO₂ über der Nachfrage. Bei hochwertigen technologiebasierten Entfernungen wie DACCS und BECCS zeichnet sich dagegen ein struktureller Engpass ab. 2025 wurden Abnahmeverträge über 30,2 MtCO₂ geschlossen, ausgegeben wurden jedoch nur 1,25 MtCO₂. Weil staatliche Förderprogramme den Finanzierungsbedarf nicht vollständig decken, sind private Kapitalgeber strategisch gefragt.

EU-Regulierung schafft neue Nachfrage

Der VCM wird schrittweise in das regulatorische Gefüge der EU eingebettet. Mit dem CRCF entsteht erstmals eine europaweit einheitliche Qualitätsreferenz für CO₂-Entfernungen. Der Entwurf zum EU-ETS-Review sieht eine mögliche EU-Beschaffung von bis zu 250 MtCO₂ aus CRCF-zertifizierten Entfernungsprojekten zwischen 2031 und 2040 vor. Zudem sieht das EU-Klimagesetz ab 2036 grundsätzlich die begrenzte Anrechnung hochwertiger internationaler Zertifikate auf das EU-Klimaziel 2040 vor. Damit könnte zusätzliche regulatorisch getriebene Nachfrage nach hochwertigen CO₂-Entfernungen entstehen. Förderinstrumente wie der Innovation Fund und Carbon Contracts for Difference verbessern zugleich die Investitionsbedingungen für kapitalintensive Entfernungsprojekte.

PwC-Modellierung zeigt möglichen Anstieg der EU-Nachfrage bis Mitte der 2040er-Jahre

Die PwC-Modellierung zeigt: Je nach Szenario könnte die EU-Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten zwischen 2040 und 2045 einen Höchststand von rund 0,33 bis 0,60 GtCO₂ pro Jahr erreichen. Wichtigster Treiber ist die freiwillige Unternehmensnachfrage, gestützt durch die wachsende Zahl von Unternehmen mit Netto-Null-Zielen und den SBTi Corporate Net-Zero Standard 2.0. Hinzu kommen CORSIA ab 2027, das EU-ETS sowie staatliche Nachfrage über Artikel 6 des Pariser Abkommens. Bis 2050 geht die Nachfrage auf 0,23 bis 0,52 GtCO₂ zurück, weil sich der Einsatz zunehmend auf schwer vermeidbare Restemissionen konzentriert.

0,6 GtCO₂

könnte die EU-Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten bis Mitte der 2040er-Jahre erreichen.

Geschäftspotenziale entlang der Wertschöpfungskette

Steigende Nachfrage nach hochwertigen Entfernungszertifikaten und ein hoher Finanzierungsbedarf treffen auf ein begrenztes Angebot. Daraus können sich für Banken, Versicherer und Vermögensverwalter strategische Ertragspotenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette ergeben. Die Studie beschreibt sechs Geschäftsfelder, die einzeln oder kombiniert besetzt werden können und aufeinander aufbauen. Die Felder sind je nach Institutstyp unterschiedlich relevant: Banken bringen vor allem ihre Stärken in Handel und Finanzierung ein, Vermögensverwalter gestalten den Marktzugang über Anlageprodukte, Versicherer treten als Investoren und Absicherungspartner auf.

Kapital bereitstellen und das Bankability-Paradox lösen

Banken finanzieren Projekte häufig erst, wenn belastbare Abnahmeverträge vorliegen. Käufer schließen diese aber oft erst ab, wenn ein Projekt als lieferfähig gilt. Finanzinstitute können diesen Kreislauf durchbrechen, etwa über First-Loss-Strukturen, Carbon-Forward-Finanzierungen oder als Strukturierer von Offtake Agreements. Zugleich können sie sich frühzeitig Zugang zu knappen Zertifikatsvolumina sichern.

Risikotransfer und neue Finanzprodukte

Eine Schlüsselrolle spielt der Risikotransfer: Policen gegen Permanenz- und Leakage-Risiken oder gegen Lieferausfälle in Offtake-Verträgen können die Finanzierbarkeit von Projekten verbessern. Carbon-Fonds, strukturierte Produkte und Zertifikatekörbe öffnen den Markt zudem für institutionelle Anleger. Ergänzend können Finanzinstitute ihre Kunden beim Einkauf beraten und Handel sowie Marktzugang organisieren.

Welche Potenziale eröffnet der freiwillige CO₂–Zertifikatemarkt (VCM) für Finanzinstitute?

Unsere Studie zeigt Markt, Regulierung und Geschäftsfelder im Überblick

Fünf Handlungsempfehlungen für Finanzinstitute

Positionierung klären

Finanzinstitute sollten frühzeitig festlegen, welche Rolle sie im VCM einnehmen wollen: als Käufer von CO₂-Zertifikaten oder zusätzlich in Geschäftsfeldern entlang der Wertschöpfungskette. Diese Entscheidung bestimmt die nötigen Investitionen in Infrastruktur, Personal und Partnerschaften. Ein fokussierter Einstieg ist einem breiten, aber oberflächlichen Engagement vorzuziehen. Wer früh startet, kann Flexibilität gewinnen und einen Wissensvorsprung aufbauen.

Kompetenzen aufbauen

Ein Engagement im VCM erfordert spezifisches Know-how, das intern aufgebaut oder bei Bedarf durch externe Expertise ergänzt werden kann. Dazu gehören das Verständnis der regulatorischen Dynamik (EU-Klimagesetz, EmpCo, Artikel 6), die Kenntnis von Standards wie ICVCM, VCMI und CRCF, Expertise in Projektbewertung und Due Diligence sowie im Handel. Parallel braucht es eine interne VCM-Governance.

Zielkunden identifizieren

Besonders relevant sind Unternehmen mit Netto-Null-Zielen, vor allem mit SBTi-validierten Zielen. Sie verantworten bereits rund 23 % der weltweiten Stilllegungen freiwilliger CO₂-Zertifikate. Ab 2035 sieht der SBTi-Standard für große Unternehmen zudem eine schrittweise Unterstützung von CO₂-Entfernungen vor. Hinzu kommen Unternehmen unter Compliance-Druck, etwa Fluggesellschaften im Rahmen von CORSIA.

Projektpipeline sichern

Hochwertige CO₂-Entfernungszertifikate könnten knapp werden. Technologiebasierte Entfernungen werden bislang überwiegend über langfristige Abnahmeverträge gehandelt, der Spotmarkt spielt kaum eine Rolle. Wer frühzeitig Zugänge zu Projekten aufbaut, etwa über Offtake Agreements, Forward-Strukturen oder Co-Investments, kann sich künftige Zertifikatsvolumina sichern. Produktstrukturen sollten modular bleiben, um auf regulatorische Änderungen reagieren zu können.

Marktintegrität stärken

Seit der Vertrauenskrise 2023 hat sich der VCM deutlich weiterentwickelt. Finanzinstitute können die Marktintegrität weiter stärken: durch konsequente Orientierung an den Core Carbon Principles des ICVCM und den VCMI-Leitlinien, durch standardisierte Offenlegung eigener VCM-Aktivitäten sowie durch Mitwirkung an Marktinfrastruktur wie transparenten Handelsplätzen. Wer Qualität zum Merkmal macht, kann die eigene Reputation schützen und zugleich zur Stärkung des Marktes beitragen.

„Risikomanagement, Finanzierung und Strukturierung sind Kernkompetenzen von Finanzinstituten. Wer sie auf den VCM überträgt, kann den Markthochlauf mitgestalten und sich frühzeitig positionieren.“

Daniel Wildhirt,Partner und Banking Leader Advisory bei PwC Deutschland

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Die Methodik

Die PwC-Modellierung schätzt die EU-Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten von 2030 bis 2050 in drei Nachfrageszenarien: Niedrig, Basis und Hoch. Sie umfasst vier Nachfragequellen: die freiwillige Unternehmensnachfrage, CORSIA, das EU-ETS und die staatliche Nachfrage zur Erreichung der EU-Klimaziele. Ausgangsbasis sind Unternehmen mit validiertem SBTi-Netto-Null-Ziel und Hauptsitz in der EU.

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