„Family Capital“, also das gesamte Vermögen einer Unternehmerfamilie, rückt in Unternehmerfamilien immer mehr in den Fokus. Zu Family Capital zählen das im Familienunternehmen gebundene Vermögen ebenso wie immaterielle Werte wie Reputation oder Governance-Strukturen, Immobilien, Stiftungen und Beteiligungen. Denn die Art, wie Familien ihr Vermögen steuern und investieren, hat sich verändert: Unternehmerfamilien investieren zunehmend direkt und unabhängig von klassischen Investmentstrukturen und diversifizieren damit ihr Vermögen. Damit verändert sich auch die Rolle der Family Offices. Ein Gespräch mit Tim Dieckmann, Leiter Family Capital und Mitglied des Leitungsteams Familienunternehmen und Mittelstand, über die geänderten Anforderungen an zeitgemäße Family Offices.
Das moderne Family Office macht heute weit mehr als die reine Vermögensverwaltung. Es versteht sich als Plattform für Sinnstiftung, Kontinuität und Innovation. Wenn Familien ihre Strukturen professionalisieren, künstliche Intelligenz verantwortungsvoll nutzen, Governance gezielt stärken, Wachstum umsichtig gestalten und ihr Kapital konsequent an ihren Werten ausrichten, schaffen sie die Grundlage für mehr als den bloßen Erhalt des Vermögens.
Früher wurde das nicht im Unternehmen gebundene liquide Vermögen häufig an klassische Vermögensverwalter gegeben, die Fonds auswählten und das Portfolio steuerten. Das Family Office war oft eher eine administrative Einheit und ein passiver Investor.
„Heute umgehen immer mehr Unternehmerfamilien diese traditionellen Strukturen und investieren direkt in Unternehmen, Immobilien, Private Equity, Venture Capital oder Infrastruktur. Es gibt beispielsweise gemeinsame Transaktionen mit anderen Familien oder eigene Investmentteams.“
Aus der passiven Vermögensverwaltung wird dadurch eine institutionell geprägte Investmentplattform. Family Offices handeln strategischer, unabhängiger und unternehmerischer und konkurrieren teilweise um dieselben Investmentmöglichkeiten wie professionelle institutionelle Investoren.
Früher investierte ein Family Office meist als begrenzt haftender Gesellschafter in einen Private-Equity- oder Venture-Capital-Fond. Der Verwalter des Fonds setzte das Kapital ein und das Family Office wartete auf Ausschüttungen. Dieses Modell gibt es weiterhin. Aber immer mehr Family Offices fragen sich: Warum sollen wir hohe Gebühren zahlen, wenn wir selbst in der Lage sind, Investitionsgelegenheiten zu finden, zu prüfen und zu akquirieren? Wir sehen mehr Direktinvestitionen, gemeinsame Investitionen mit Private- Equity- oder Venture-Capital-Fonds und vor allem Zusammenschlüsse, bei denen Family Offices gemeinsam Kapital bündeln. So entstehen eigene Netzwerke und ein eigenständiges Ökosystem für private Beteiligungen. Getrieben wird das oft durch die nächste Generation oder durch die Unternehmer selbst.
Es gibt keinen eindeutigen Trend. Ich nehme vielmehr eine Ausdifferenzierung der Modelle wahr.
Ein Single Family Office bietet maximale Kontrolle, Vertraulichkeit und eine sehr individuelle Ausrichtung an den Zielen und Werten der Unternehmerfamilie. Der Nachteil ist: Es ist teuer, braucht eigene Expertise und eine kritische Vermögensgröße, damit sich professionelle Teams, Governance und Investmentkompetenz wirklich lohnen.
„Ein Multi Family Office kann effizienter sein, weil sich mehrere Unternehmerfamilien Infrastruktur, Expertise und Zugang zu Investmentmöglichkeiten teilen. Gleichzeitig gibt jede einzelne Familie ein Stück Kontrolle und Individualität ab. Ganz entscheidend ist hier die Auswahl der passenden Partner. Werte, Risikoprofil und Entscheidungslogik müssen zusammenpassen.“
Einige Familien institutionalisieren ihre Investmentkompetenz und bauen daraus professionelle Investmentplattformen oder Fonds, die auch Kapital anderer Familien aufnehmen. Das ist das „neue Multi Family Office“, deutlich professioneller, regulierter und näher an einem institutionellen Asset Manager. Es funktioniert aber nur, wenn die Familie wirklich bereit ist, sich für externe Investoren zu öffnen und die entsprechende Struktur aufzubauen.
Zum einen vor einer deutlich höheren Komplexität. Es geht längst nicht mehr nur um Vermögensverwaltung, sondern um Investments über verschiedene Anlageklassen, Länder und Generationen hinweg. Deshalb müssen Family Offices heute viel professioneller geführt werden – fast wie ein Unternehmen, mit klaren Strukturen, Verantwortlichkeiten, Prozessen, Reporting und Risikomanagement.
„Ein zweites großes Thema ist Technologie, insbesondere künstliche Intelligenz. Hier geht es nicht darum, jedem Trend zu folgen, sondern sehr gezielt zu prüfen, wo KI echten Mehrwert im Reporting, in der Analyse oder in der Effizienzsteigerung schafft. Dafür braucht es saubere Daten, klare Regeln und Mitarbeitende, die diese Technologien verantwortungsvoll nutzen können.“
Eine wichtige. Gute Governance hilft, Konflikte zu vermeiden und Kontinuität zu sichern. Unternehmerfamilien müssen klären, wie Entscheidungen getroffen werden, wie die nächste Generation eingebunden wird und wie gemeinsame Werte und Ziele über Generationen hinweg erhalten bleiben. Am Ende geht es auch um Skalierbarkeit: Familien wachsen, die Ansprüche werden individueller. Gleichzeitig dürfen Kosten und Komplexität nicht aus dem Ruder laufen. Moderne Family Offices müssen daher standardisieren, digitalisieren und klare Leitplanken setzen, ohne die persönlichen Bedürfnisse der Familie aus dem Blick zu verlieren.
PwC begleitet Family Offices von A bis Z - von der ersten Strukturierung bis zur langfristigen Weiterentwicklung. Startpunkt ist immer die Frage, welche Art von Family Office zur Familie passt, wie es organisatorisch, rechtlich und steuerlich aufgesetzt werden sollte und welche Governance-Strukturen sinnvoll sind. Wir unterstützen Sie ganz unabhängig von Ihrer Struktur, also Ihre (Unternehmer-)Familie und Sie als Privatperson ohne Family-Office-Struktur, Ihr im Unternehmen integriertes Family Office, Ihr Single Family Office oder Ihr Multi Family Office.
Leitungsteam Familienunternehmen und Mittelstand und Leiter Family Capital, PwC Germany
Tel: +49 171 651 9034