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Klimawandel: Deutsche CEOs zeigen sich sehr optimistisch – zu Recht?

Die Ergebnisse des 24. Global CEO Surveys von PwC zum Thema Nachhaltigkeit.

Ihr Expertin für Fragen

Daniela Geretshuber
Head of Risk Assurance und Europe ESG Leader bei PwC Deutschland
Tel.: +49 89 5790-5515
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Deutsche Klima-Optimisten

Laut unserer diesjährigen CEO Survey sind nur etwas mehr als die Hälfte der deutschen CEOs besorgt wegen des Klimawandels und der damit verbundenen Umweltschäden. Das Ergebnis überrascht, denn im Vorjahr waren es noch 77 Prozent − ein deutlicher Rückgang. 41 Prozent der CEOs hierzulande machen sich kaum Sorgen um die Folgen des Klimawandels. Zudem stellen diese Folgen nur für 18 Prozent der CEOs Bedrohungsfaktoren für die Wachstumsprognosen ihres Unternehmens dar. Das sind 17 Prozentpunkte weniger als der globale Durchschnitt (30 Prozent).

Die Studie im Überblick

Gut vorbereitet und strategisch verankert

46 Prozent der CEOs in Deutschland geben an, Klimawandel und Umweltschäden in ihr strategisches Risikomanagement eingebunden zu haben. Damit liegen sie 6 Prozentpunkte über dem globalen Durchschnitt. Ebenfalls knapp die Hälfte der CEOs sieht Maßnahmen gegen den Klimawandel als unternehmenseigene Priorität. Dafür wollen sie auch deutlich höhere Investitionen tätigen: 67 Prozent der CEOs hierzulande geben an, ihre Investitionen aufgrund von COVID-19 in den nächsten drei Jahren erhöhen zu wollen. Damit ist Deutschland im Vergleich zum globalen Durchschnitt (60 Prozent) klarer Vorreiter.

Einordnung und Handlungsempfehlungen

Fünf Fragen an Daniela Geretshuber, ESG Leader bei PwC Deutschland

Die deutschen CEOs äußern sich weniger besorgt in puncto Klimawandel und Umweltschäden – insbesondere im globalen Vergleich. Wie kommt das?

„Zunächst muss man hervorheben, dass die Grundstimmung bei den CEOs in Deutschland optimistisch ist – nicht nur bezogen auf Klimawandel und Umweltschäden. Die große Mehrheit der CEOs blickt sehr zuversichtlich in die Zukunft und prognostiziert sogar Wachstum für die nächsten drei Jahre. So nehmen es auch die CEOs in anderen Ländern wahr – für sie ist Deutschland einer der wichtigsten Wachstumstreiber. Andererseits beobachten wir im täglichen Austausch mit unseren Mandant:innen, dass sie sich sehr intensiv mit dem Thema Klimawandel auseinandersetzen. 

Viele Unternehmen haben Nachhaltigkeit bereits in ihrer Unternehmensstrategie und dem Risikomanagement verankert, sie fühlen sich im politischen und auch regulatorischen Umfeld sicherer, weil sich erste Fortschritte bereits bemerkbar machen, wie beispielsweise die Energiewende oder der Kohleausstieg.

Daraus resultierende klimawandel-bezogene Themen wie die Sorge vor Überregulierung stellen wir nicht nur in der Studie fest, sondern beobachten wir auch in der Praxis. Die EU-Taxonomie gehört in diesem Kontext beispielsweise zu den zentralen Herausforderungen der Unternehmen in Deutschland. Aktuell fehlt es vielen an Ideen zur praktischen Umsetzung. Hier braucht es eine entsprechende Roadmap, jedoch stellt diese meist die größte Hürde dar: Einerseits fehlt es häufig an Analysen, die die konkreten Auswirkungen des Klimawandels auf das eigene Unternehmen zeigen. Andererseits gilt es, diese gewonnenen Erkenntnisse in eine ganzheitliche Strategie zu überführen und dann auch entsprechend zu operationalisieren. Hier herrscht noch akuter Nachholbedarf.“

Die Investitionen in Nachhaltigkeit sollen innerhalb der nächsten drei Jahre steigen. Was sind die wichtigsten Investitionsfelder?

„Net Zero, also die Klimaneutralität, ist wohl eines der wichtigsten Ziele und damit auch eines der wichtigsten Investitionsfelder. Hier werden Unternehmen weiter in klimaneutrale Energien, wie beispielsweise erneuerbarer Strom und Gas sowie Wasserstoff, investieren. Insbesondere Letzteres ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu Net Zero, da sich Technologien und Anwendungsbereiche rasant weiterentwickeln. Gleichzeitig ist Wasserstoff als Energiequelle auch ein erheblicher Kostenfaktor und sollte deshalb wirtschaftlich ganzheitlich betrachtet werden. Hier hilft es, auf Technologien zurückzugreifen, die beispielsweise den anwendungsspezifischen Wasserstoffbedarf berechnen sowie den damit verbundenen Stromverbrauch und die Kosten darlegen. So lässt sich eine valide Ersteinschätzung machen, die den Grundstein für jede Klimastrategie legt.“

Wie können Unternehmen erkennen, welche Schritte für sie die richtigen sind auf dem Weg zur nachhaltigen Transformation?

„Hierbei sind Klimaszenarioanalysen ein wichtiges Instrument. Denn sie können Unternehmen helfen, den aktuellen und zukünftigen Status quo des Unternehmens bezogen auf den Klimawandel zu identifizieren, um so die für sie wichtigen Schritte erkennen zu können. Jedoch werden solche Analysen bislang viel zu selten genutzt. Dabei ist der Stellenwert in vielfacher Hinsicht sehr hoch:

Im Bereich der Regulatorik kommen mit der Änderung der CSR-Richtlinie, beziehungsweise ab sofort Corporate Sustainability Reporting Directive genannt, auf EU-Ebene neue Verpflichtungen auf Unternehmen zu, auf die sie entsprechend reagieren müssen.

In puncto Risikoperspektive und Geschäftschancen beobachten wir, dass einige Sektoren und Unternehmen besonders finanziell von Klimarisiken betroffen sein können, aber sich ihnen auch Klimachancen eröffnen. Viele Unternehmen und Finanzdienstleister nutzen Klimaszenarien aktuell als Lernfeld, um auch andere Umweltfaktoren, soziale Aspekte oder Governance-Kriterien analysieren und finanziell greifbar machen zu können. Beim Thema Klima sind wir methodisch von allen Sustainability- und ESG-Faktoren bisher am weitesten. Klimaszenarien sind also ein guter Einstieg, um die finanzielle Relevanz von ESG-Faktoren nachhaltig zu verankern und für zukünftige Strategien bewertbar zu machen.“

Wenn die Auswirkungen des Klimawandels auf die verschiedenen ESG-Dimensionen bekannt sind, wie geht es dann weiter?

„Die Analyse und Bewertung von Klimarisiken hat vor allem auch eine finanzielle Bedeutung. Daraus lassen sich beispielsweise Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Produkte ableiten oder Auswirkungen auf aktuelle Geschäftsmodelle. Unternehmen sollten eine Roadmap entwickeln – ein ESG-Transformation Framework, das aufzeigt, wie sie ihre Strategie hin zur nachhaltigen Transformation anpassen müssen. Allerdings wird eine solche Roadmap von Unternehmen noch stiefmütterlich behandelt. So gaben nur 40 Prozent der Befragten in einer PwC-Studie zum Thema Klimaberichterstattung börsennotierter Unternehmen an, ihre gesetzten Klimaziele mit einer Roadmap zur Umsetzung zu verknüpfen. Mithilfe einer solchen Roadmap können Unternehmen auch im wettbewerblichen Umfeld entscheiden, welche Schritte sie mit Blick auf zusätzliche Kosten heute machen bzw. machen können.“

Welche Dimensionen werden CEOs in Zukunft am stärksten in der Transformation hin zu einem nachhaltigen Unternehmen beeinflussen?

„Wir beobachten hierbei drei zentrale Faktoren: Die Regulierung durch die Politik, die zeitliche Umsetzbarkeit im Zusammenhang mit der Wirtschaftlichkeit und auch der Druck der Gesellschaft aus Kundenperspektive. Auch wenn sich CEOs hierzulande große Sorgen um das Thema Überregulierung machen, gilt es trotzdem, davor nicht die Augen zu verschließen. Die einzige Option heißt: Ärmel hochkrempeln und aktiv werden. Im Finanzmarkt spielt die Regulatorik längst eine zentrale Rolle und durch neue Richtlinien, wie die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) beginnt auch für sehr viele andere Branchen und Unternehmensgrößen eine neue Ära der Nachhaltigkeitsberichterstattung. 

Ähnlich verhält es sich mit dem Markt: Auch für Kund:innen spielt die Erfüllung der ESG-Kriterien eine immer größer werdende Rolle bei der Kaufentscheidung. Die Herausforderung, nachhaltige Strategien und Maßnahmen in einem realistischen Zeitrahmen zu implementieren und gleichzeitig profitabel über alle Facetten der nachhaltigen Transformation zu sein, ist keine leichte. Aber die nachhaltige Transformation definiert den Unternehmenserfolg neu und bietet großes Potenzial, neue Business-Chancen zu erschließen – insbesondere in Märkten, die unter Klimaszenarien potenziell wachsen.“

Daniela Geretshuber

Daniela Geretshuber ist Partnerin bei PwC und verantwortet die Bereiche Risk Assurance (RAS) sowie die Nachhaltigkeitsberatung "Sustaining Values" in Deutschland. Hier arbeitet PwC Deutschland vernetzt über verschiedene Kompetenzbereiche, um Unternehmen ganzheitlich zu allen Fragen im Kontext von Environmental, Social and Governance (ESG) zu beraten.

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