Healthcare-Barometer 2026

Deutsche sorgen sich um steigende Kosten im Gesundheitswesen

  • 10 Mrz 2026

Zufriedenheit weiter auf historischem Tiefstand: Nur noch jede:r Zweite zählt deutsches Gesundheitswesen zu den Top 3 weltweit / 91 Prozent sorgen sich um die Finanzierbarkeit des Systems / Neun von zehn Deutschen finden, dass Prävention und integrierte Versorgung eine größere Rolle spielen sollten / Kritik betrifft auch den Faktor Zeit: 39 Prozent bemängeln, dass Mediziner:innen sich zu wenig Zeit nehmen

Düsseldorf, 10. März 2026

Deutschland leistet sich das teuerste Gesundheitswesen innerhalb der Europäischen Union. In der Qualität der Versorgung spiegeln sich die hohen Ausgaben allerdings offenbar nicht ausreichend wider: Nur noch 50 Prozent der Deutschen zählen ihr Gesundheitssystem zu den drei besten der Welt. Damit hat die Zufriedenheit – wie bereits im Vorjahr – einen Tiefstand erreicht. Vor zehn Jahren lag der Zustimmungswert noch bei 64 Prozent. Vor allem Menschen über 55 Jahre blicken kritisch auf das deutsche Gesundheitswesen. Die größte Herausforderung sehen die Bürger:innen in der Finanzierbarkeit des Systems: Aktuell machen sich 91 Prozent Sorgen, wie Gesundheit angesichts von steigenden Kosten und einer alternden Bevölkerung künftig bezahlt werden soll. Das sind zentrale Ergebnisse des „Healthcare-Barometers 2026“, einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland unter 1.000 Bürger:innen, die bereits zum zwölften Mal durchgeführt wurde.

50 %

der Deutschen zählen ihr Gesundheitswesen noch zu den drei besten Systemen der Welt.

Quelle: Healthcare-Barometer 2026
91 %

machen sich Sorgen um die Finanzierbarkeit des Systems.

Quelle: Healthcare-Barometer 2026
87 %

der Versicherten sind sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Krankenkasse.

Quelle: Healthcare-Barometer 2026
91 %

fordern attraktivere Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe.

Quelle: Healthcare-Barometer 2026

Hebel zur Verbesserung: Mehr Integration, mehr Prävention

Neben der Finanzierbarkeit zählen die Studienteilnehmer:innen den Fachkräftemangel (53 Prozent) und die Sicherung der Versorgungsqualität (49 Prozent) zu den drei größten Herausforderungen. Sie wünschen sich daher, dass die Regierung sich stärker um Gesundheitspolitik kümmert, wie 91 Prozent bestätigen. Einen wesentlichen Hebel zur Verbesserung sehen 87 Prozent der Deutschen in einer integrierten Versorgung, also der Überwindung des traditionellen Sektorendenkens im Gesundheitswesen. Auch der Prävention sollte aus Sicht der Bürger:innen mehr Bedeutung eingeräumt werden, wie 91 Prozent finden.

„Die aktuellen Debatten um die Krankenhausreform, stark steigende Kosten und die mögliche Streichung von Leistungen sind erkennbar bei den Bürger:innen angekommen. Wir brauchen dringend grundlegende Reformen für das ganze Gesundheitssystem, denn unser derzeitiges System ist zu teuer und zu wenig effizient. Deutschland konzentriert sich zu stark auf Behandlung statt auf Prävention, noch immer ist das Sektorendenken in der Gesundheitswirtschaft zu stark ausgeprägt.“

Michael Ey,Global Health Services Leader bei PwC Deutschland

Krankenhäuser: Der hausärztliche Rat zählt am stärksten

Ein wesentliches Reformvorhaben betrifft die Krankenhäuser. Die 2024 beschlossene Krankenhausreform will auch die aktuelle Bundesregierung mit einigen Veränderungen umsetzen. Mit der stationären Versorgungsqualität sind die Studienteilnehmer:innen weitgehend einverstanden: 50 Prozent bewerten sie als gut oder sehr gut, damit hat sich der Wert gegenüber dem Vorjahr (51 Prozent) kaum verändert. Allerdings blicken Frauen kritischer auf die stationäre Versorgung als Männer (43 versus 59 Prozent). Wenn es um die Wahl der richtigen Klinik geht, spielt auch im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und Social Media der hausärztliche Rat mit großem Abstand die wichtigste Rolle (50 Prozent).

Ärztliche Versorgung: Vor allem Berufstätige sind unzufrieden

Die Zufriedenheit mit der ambulanten Versorgung ist hingegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Nur noch 30 Prozent sagen aktuell, dass sie mit den ärztlichen Behandlungen zufrieden sind, während es vor vier Jahren noch 37 Prozent waren. Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft den Faktor Zeit: So bemängeln 39 Prozent, dass Ärzt:innen sich zu wenig Zeit nehmen. Ebenso kritisieren 26 Prozent, dass sie sich von den medizinischen Fachkräften nicht ernst genommen fühlen. Auffällig ist, dass Berufstätige besonders unzufrieden mit der ärztlichen Versorgung sind. Während unter den Nicht-Erwerbstätigen 45 Prozent mit der Behandlung einverstanden sind, äußern sich nur 22 Prozent der Berufstätigen entsprechend.

Krankenkassen: Zufriedenheit leicht gestiegen – trotz der Zusatzbeiträge

Auffallend stabil ist dagegen die Zufriedenheit mit den Krankenkassen. Die jüngsten Erhöhungen der Zusatzbeiträge und die Debatten um Streichungen von Leistungen ändern daran bisher nichts. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zufriedenheit sogar um zwei Prozentpunkte auf 87 Prozent gestiegen. Dabei unterscheiden sich die Werte kaum zwischen gesetzlich und privat Versicherten. Gerade angesichts der aktuellen Diskussion um die freiwilligen Leistungen von Krankenkassen bemerkenswert: 86 Prozent bestätigen, dass die gesetzlichen Krankenkassen alle relevanten Leistungen anbieten.

„Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen sich auf dem hohen Zufriedenheits-Level allerdings nicht ausruhen. Sie müssen stärker als bisher die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben, wenn sie ihrer Aufgabe als digitale Lotsen gerecht werden wollen. Dabei geht es um den Ausbau digitaler Angebote für Versicherte ebenso wie um effizienteres Arbeiten durch neue Technologien. Angesichts der bevorstehenden Rentenwelle, die den Fachkräftemangel weiter verschärft, ist es dringend notwendig, Technologien wie KI zur Steigerung der Produktivität stärker einzubinden.“

Thorsten Weber,Leiter Beratung GKV bei PwC Deutschland

Pharmaindustrie: Unternehmen als Innovationsmotor 

Unter starkem Innovations- und Veränderungsdruck steht auch die Pharmabranche. Gegenüber der Vorjahresbefragung hat sich das Image der Unternehmen leicht verbessert: 67 Prozent der Befragten – und damit sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr – erkennen an, dass Deutschland im weltweiten Vergleich ein führender, innovativer Pharmastandort ist. Damit das so bleibt, wünschen sich 91 Prozent, dass die Politik die Rahmenbedingungen für die Forschung, Entwicklung und Produktion neuer Wirkstoffe schafft. Der Mehrheit ist es mit 64 Prozent wichtig, dass Medikamente in Europa hergestellt werden – das gilt gerade angesichts von Lieferengpässen der vergangenen Jahre.

„Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz haben das Potenzial, die Pharmaforschung zu revolutionieren: So lassen sich neue Wirkstoffe leichter identifizieren und entwickeln, Nebenwirkungen können besser erkannt und Studien schneller durchgeführt werden. Dazu brauchen die Unternehmen in Deutschland aber auch entsprechend innovationsfreundliche Rahmenbedingungen.“

Roland Werner,Leiter Gesundheitswirtschaft & Pharma bei PwC Deutschland

Die Bereitschaft der Bürger:innen, Daten zu teilen, ist gegeben: 45 Prozent würden das freiwillig tun, 22 Prozent gegen Entgelt und 15 Prozent gegen Mehrwert. Dahinter steckt auch der Gedanke, dass die Datennutzung und digitale Infrastruktur in Deutschland ausgebaut werden müssen – ein weiterer Hebel zur Verbesserung des Gesundheitswesens, wie 78 Prozent bestätigen.

Healthcare-Barometer 2026

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Pressekontakt

Dominik Kronberger

PwC Marketing & Communications, PwC Germany

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