Digitale Legitimationsverfahren im Aufwind: Jede:r Zweite will digitale Brieftasche nutzen

PwC-Studie: 73 Prozent der Deutschen kennen mittlerweile die eID-Funktion des Personalausweises, aber nur 20 Prozent nutzen sie / 52 Prozent begrüßen die Idee einer digitalen Brieftasche: Sie gilt als praktisch, aber die Angst vor Hacker-Angriffen und Identitätsdiebstahl ist groß / Befragte sehen besonders Banken und Behörden als geeignete Herausgeber einer solchen App

Frankfurt am Main, 17. März 2026

Ein Bankkonto eröffnen, die neue SIM-Karte fürs Handy freischalten, die Online-Steuererklärung verschicken oder ein Führungszeugnis beantragen – in vielen Alltagssituationen muss man seine Identität nachweisen. Während dies klassischerweise mit dem Post-Ident- oder Video-Ident-Verfahren erfolgt, bei dem ein:e Mitarbeiter:in die Identität bestätigt, setzen sich digitale Verfahren in Deutschland immer mehr durch.

So kennen mittlerweile fast drei Viertel der Menschen die eID-Funktion des Personalausweises, auch wenn erst jede:r Fünfte sie aktiv nutzt. Und jede:r Zweite würde noch einen Schritt weiter gehen und eine digitale Brieftasche verwenden, in der auch weitere Ausweisdokumente wie Impfpass oder Führerschein gespeichert sind. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung im Auftrag von PwC. Dafür wurden im vierten Quartal 2025 2.000 deutsche Verbraucher:innen ab 18 Jahren befragt.

Post-Ident-Verfahren gilt als sicher, aber wenig benutzerfreundlich

Wer ein Bankkonto eröffnen will, kam bis vor einigen Jahren nicht um den Gang zur Post herum: Dort musste ein:e Post-Mitarbeiter:in die Identität bestätigen. Dieses als Post-Ident bekannte Verfahren ist der großen Mehrheit der Deutschen (85 Prozent) bekannt. Zwei Drittel haben es bereits genutzt. Es gilt als besonders sicher, wenn auch nicht besonders nutzerfreundlich. 

Mittlerweile stehen zahlreiche digitale Legitimationsverfahren als Alternative zur Verfügung, die in der Bevölkerung immer bekannter und beliebter werden: So hat sich jede:r Zweite bereits einmal per Video-Ident-Verfahren ausgewiesen, bei dem die Identität via Videoanruf bestätigt wird. Bank-Ident-Verfahren, bei denen einmalig alle notwendigen Daten zur Identifizierung bei der Bank hinterlegt und später für die Identifikation bei diversen Organisationen mit ausweispflichtigen Services abgerufen werden können, hat ebenfalls fast jede:r Zweite bereits verwendet.

eID-Funktion: Immer bekannter, aber noch zu selten genutzt

Besonders an Popularität gewonnen hat die eID-Funktion. Seit 2010 ist der Personalausweis im Scheckkartenformat damit ausgestattet. 73 Prozent der Deutschen kennen mittlerweile diese Funktion, um sich online mit dem Personalausweis auszuweisen. Genutzt haben sie allerdings erst 20 Prozent der Befragten (2023: 13 Prozent; 2021: 7 Prozent).

„Der Anteil der eID-Nutzer:innen hat sich seit 2021 beinahe verdreifacht. Trotz dieses steilen Anstiegs zeigt sich noch eine deutliche Lücke bei der Nutzung.“

Maximilian Harmsen,Embedded Finance Lead bei PwC Deutschland

Die Nutzung korreliert stark mit dem Alter und dem sozioökonomischen Status: In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen nutzen 29 Prozent die eID-Funktion, während der Anteil bei den über 65-Jährigen mit 12 Prozent deutlich geringer ausfällt. Zudem gilt: Je höher der Bildungsabschluss und das Einkommen, desto häufiger kommt die eID zum Einsatz.

Besonders die Jungen begrüßen die digitale Brieftasche 

Generell wächst die Aufgeschlossenheit der Bevölkerung gegenüber digitalen Anwendungen. So trifft die Idee einer digitalen Brieftasche, in der Ausweisdokumente wie Impfpass, Führerschein oder Gesundheitskarte auf dem Smartphone gespeichert werden, bei der Hälfte der deutschen Bevölkerung auf positive Resonanz: 52 Prozent würden eine solche App, wie beispielsweise die EUDI-Wallet, nutzen. Besonders die Jüngeren zeigen sich offen: Bei den 25- bis 34-Jährigen würden sogar 76 Prozent die digitale Brieftasche nutzen; bei den über 65-Jährigen immerhin 37 Prozent. 

Bequemlichkeit spricht dafür, Sicherheitsbedenken dagegen 

Als wichtigste Gründe, die für den Einsatz einer digitalen Brieftasche sprechen, werden Bequemlichkeit (26 Prozent) und die jederzeitige Verfügbarkeit von Dokumenten (23 Prozent) genannt.

„Die Menschen schätzen, dass sie in der digitalen Brieftasche alles jederzeit mobil verfügbar haben und die langwierige Suche nach Unterlagen so vermeiden können.“

Johannes Jahnke,Senior Manager bei PwC Deutschland

Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Sorgen der Menschen rund um die Sicherheit eines solchen Angebots ernst genommen werden müssen: Laut Umfrage lässt die Angst vor Hacker-Angriffen und Identitätsdiebstahl jede:n Zweite:n vor der Nutzung zurückschrecken. 40 Prozent sorgen sich um einen möglichen Datenverlust. 

Als Voraussetzungen für die Nutzung der digitales Brieftasche nennen die Befragten, dass diese benutzerfreundlich und einfach per App zu verwenden ist. Genauso wichtig ist den Verbraucher:innen die Daten- und Fälschungssicherheit. Sie sollte zudem weit verbreitet, europaweit nutzbar und auf allen mobilen Endgeräten anwendbar sein.

Flughafen, Arzt und Behörden: Digitale Brieftasche vielseitig nutzbar

Die Einsatzmöglichkeiten der digitalen Brieftasche sind vielfältig: Mehr als 80 Prozent der Befragten können sich vorstellen, eine solche App am Flughafen, in der Arztkommunikation und bei digitalen Behördengängen einzusetzen. Auch für Impfnachweise oder Bankangelegenheiten wie Kontoeröffnung oder Kreditantrag kommt die digitalen Brieftasche für die Mehrheit der Menschen in Frage.

Die Mehrzahl wäre zudem bereit, die digitale Brieftasche zur Zahlung im Online- und stationären Einzelhandel zu nutzen, wobei jüngere Zielgruppen besonders offen sind für Zahlungsfunktionen wie Online-Käufe, Echtzeit-Zahlungen im stationären Einzelhandel und von Privatperson zu Privatperson.

Henne-Ei-Problem in Deutschland noch zu lösen

Ab 2. Januar 2027 sollen Bürger:innen in Deutschland den Personalausweis auf dem Smartphone zur Identifizierung in diversen Use Cases nutzen können. Das bereits bei in der Vergangenheit aufgetretene Henne-Ei-Problem stellt auch diesmal eine Herausforderung dar. Zwar würden über die Hälfte der Befragten eine digitale Brieftasche nutzen, dennoch ist die EUDI-Wallet nur bei 16 % der Befragten bekannt.

Banken als bevorzugte Anbieter der digitalen Brieftasche

Zur Frage, wer eine solche App herausgeben soll, haben die Befragten eine klare Meinung: 37 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Banken diese anbieten; je 36 Prozent sehen diese Aufgabe bei regionalen Meldeämtern oder dem Bundesministerium. Private Anbieter jenseits der Banken spielen als Herausgeber einer digitalen Brieftasche kaum eine Rolle.

„Banken genießen einen großen Vertrauensvorschuss in der Bevölkerung und sollten diesen dafür einsetzen, ein breites Ökosystem für digitale Identitäten aufzubauen. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Digitalisierung in Deutschland weiter voranzutreiben und zu anderen europäischen Staaten aufzuschließen, die in puncto digitale Identitäten bereits deutlich weiter sind.“

Johannes Jahnke,Senior Manager bei PwC Deutschland

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Pressekontakt

Jana Hofmann

Senior Associate, PwC Germany

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