PwC-Mietstudie 2026: Wie in den Vorjahren sind zwei Drittel der Berufstätigen unzufrieden mit der Lage auf dem Wohnungsmarkt / Wer keine Wohnung findet, denkt über Jobwechsel nach – mit Folgen für den Arbeitsmarkt / Bei den 18- bis 34-Jährigen hat fast jede:r Fünfte den Job bereits einmal wegen zu hoher Mieten gewechselt.
Frankfurt am Main, 12. Mai 2026
Gut bezahlte Jobs, attraktive Kultur- und Freizeitangebote, unkomplizierter Zugang zu Bildung, Gesundheit und Verkehr: Viele Argumente sprechen für ein Leben in städtisch geprägten Regionen – wenn da nicht die Sache mit den hohen Mieten und der häufig aussichtslosen Wohnungssuche wäre. Die Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt sorgt bei Berufstätigen seit Jahren für Frust. Anzeichen auf Besserung gibt es indes nicht: Wie in den Vorjahren halten es rund neun von zehn Berufstätigen für reine Glückssache, in Großstädten eine bezahlbare Wohnung zu finden. Darunter leidet auch der Arbeitsmarkt. Denn durch die Wohnungsnot fällt es Unternehmen schwer, offene Stellen zu besetzen.
Zu diesen Ergebnissen kommt die PwC-Befragung „Wohnungsmangel in den Ballungszentren: die Folgen für den Arbeitsmarkt“ unter rund 4.000 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren in zwölf deutschen Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohner:innen. Befragt wurde im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart,
In puncto Lebensqualität schneiden die zwölf untersuchten Großstadtregionen grundsätzlich gut ab: Die große Mehrheit der Berufstätigen (89 Prozent) fühlt sich wohl an ihrem Wohnort, aber die Befragung zeigt auch, wo noch Potenziale liegen. 63 Prozent der Beschäftigten empfinden die Verkehrsbelastung als problematisch (Vorjahr: 68 Prozent). Besonders unzufrieden sind die Menschen allerdings – wie in den Vorjahren – mit der Wohnsituation: Rund zwei Drittel kritisieren die hohen Mietpreise, die Kosten für Wohneigentum sowie das knappe Wohnungsangebot.
„Seit drei Jahren führen wir diese Umfrage in zwölf deutschen Großstädten durch. In diesem Zeitraum hat sich an den Ergebnissen rund um das Thema Wohnen nichts verändert: Die Höhe der Mieten und die Schwierigkeit, in Ballungsgebieten eine bezahlbare Wohnung finden, bleibt ein riesiger Frustfaktor bei den Berufstätigen.“
„Dieser Trend hat sich über die Jahre verfestigt, und es fehlt ganz offensichtlich an Impulsen, um an dieser Situation etwas zu verändern. Ideen gibt es viele, aber leider hapert es vor allem seitens der Politik an der zügigen Umsetzung geeigneter Maßnahmen, um den Wohnungsbau zu beschleunigen und Mieten auf einem verträglichen Niveau zu halten“, führt Prof. Dr. Bernd Roese aus.
„Im Wahlkampf zu den Landtags- und Kommunalwahlen der vergangenen Monate spielte das Thema Wohnen eine zentrale Rolle, denn die Politik – egal auf welcher Seite des Spektrums – weiß, dass die Belastung für Mieter:innen insbesondere in den Großstädten enorm hoch ist.“
So sind die Mieten in deutschen Großstädten in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 44 Prozent gestiegen, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine aktuelle Anfrage hervorgeht. Spitzenreiter ist Berlin mit einem Plus von 69 Prozent. „Der im Herbst 2025 verabschiedete Bau-Turbo, der die Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen soll, geht in die richtige Richtung. Dass 2025 dennoch deutlich weniger Wohnungen gebaut wurden als im Vorjahr, liegt aber nicht nur an den langen Genehmigungszeiten, sondern auch an der nach wie vor sehr restriktiven Mietregulierung (Stichwort: Verlängerung Mietpreisbremse), der aus dem Bundesland Berlin heraus initiierten Diskussion um Enteignungsgesetze, ein schwieriges Finanzierungsumfeld und am Fachkräftemangel im Bau“, erklärt Dr. Harald Heim.
Dabei könnte die öffentliche Hand nach Ansicht der befragten Berufstätigen einiges tun, um die Wohnungsnot und den Mietenanstieg zu bekämpfen: 88 Prozent befürworten eine stärkere Ausrichtung des Wohnungsbaus auf niedrige und mittlere Einkommen. 85 Prozent halten die Umwandlung von Büroflächen in Wohnraum für eine geeignete Maßnahme. 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Berufstätige einen Teil der Mietkosten von der Steuer absetzen können. All das stand mit fast identischen Werten auch schon im vergangenen Jahr auf der Liste der Möglichkeiten ganz oben.
Der Handlungsdruck ist jedenfalls hoch, denn die angespannte Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt könnte die ohnehin schwächelnde Wirtschaft weiter ausbremsen: Wie im Vorjahr sehen acht von zehn Erwerbstätigen ein Problem darin, mit Blick auf den angespannten Wohnungsmarkt Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Besonders kritisch ist die Situation in Großstädten wie München und Berlin. Händeringend gesucht werden vor allem Arbeitskräfte aus niedrigen bis mittleren Einkommensklassen wie Pflegekräfte (63 Prozent), Handwerker:innen (46 Prozent) und Erzieher:innen (43 Prozent). Diese Einschätzung deckt sich mit einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft: Demnach ist der Mangel an Fachkräften im Gesundheitswesen, auf Baustellen und in der öffentlichen Verwaltung sowie im Einzelhandel und Sozialwesen am größten.
Und die Lage dürfte sich weiter verschärfen: Wie im Vorjahr geben 53 Prozent der Berufstätigen an, dass sie bei einer kräftigen Mieterhöhung über einen Jobwechsel nachdenken würden. Jede:r Zehnte hat bereits einmal den Job wegen zu hoher Mieten gewechselt. Bei den 18- bis 34-Jährigen ist es sogar fast jede:r Fünfte.
Aber nicht nur das Thema Wohnen spielt eine zentrale Rolle, wenn Berufstätige über einen jobbedingten Umzug nachdenken: Auf Platz 1 der Faktoren steht die Arbeitsplatzsicherheit (54 Prozent). Laut Prof. Dr. Bernd Roese „ein klarer Hinweis auf die aktuell angespannte wirtschaftliche Lage und die Sorge der Menschen, in Zeiten von schwersten geopolitischen Verwerfungen, rückläufiger Wirtschaftsentwicklung und Technologien wie KI ihre Arbeit zu verlieren.“
Neben den bezahlbaren Mieten und der Arbeitsplatzsicherheit spielt außerdem ein weiterer Grund für einen jobbedingten Umzug eine ausschlaggebende Rolle: 45 Prozent der Befragten nennen hier die Sicherheit im öffentlichen Raum und Aspekte wie Kriminalitätsrate und Polizeipräsenz am Standort. Aktuell fühlen sich 74 Prozent der Erwerbstätigen an ihrem Wohnort sicher, wenn auch mit starken regionalen Unterschieden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie vom DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) aus dem Jahr 2025, wonach das Sicherheitsgefühl in Deutschland regional ungleich verteilt ist.
Auch Unternehmen können einiges tun, um qualifizierte Arbeitskräfte trotz hoher Mieten für sich zu gewinnen – und aus Sicht von Bernd Roese sollten sie dies auch:
„Bis sich die positiven Auswirkungen des Bau-Turbos bemerkbar machen, dürfte es noch etwas dauern. Unternehmen sollten nicht nur abwarten, bis die Politik das Problem löst, sondern können auch selbst handeln.“
Ansatzpunkte gibt es aus seiner Sicht einige: „Mit Blick auf die stark gestiegenen Spritpreise wären aktuell Zuschüsse zu den Fahrtkosten sicherlich eine gute Maßnahme, um die hohe Belastung der Beschäftigten abzufedern.“ Das entspricht auch einem Wunsch der Befragten: 83 Prozent sprechen sich für einen Mietzuschuss durch die Unternehmen aus. 80 Prozent plädieren dafür, dass Arbeitgeber die Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort übernehmen (Anmerkung: Befragung fand vor dem Iran-Krieg statt). Ebenfalls 80 Prozent wünschen sich, dass der Arbeitgeber Betriebswohnungen bereitstellt, was nach einer Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) aus dem März 2026 bisher erst neun Prozent der Unternehmen machen.
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