Modellbasierte Neubewertung zeigt rund 165 Millionen statt 217 Millionen Zahlkarten im Umlauf / Wachstum des Marktes wird vor allem durch die intensivere Nutzung bestehender Karten getragen / Digitaler Euro und neue Zahlkarten dürften die Marktdynamik künftig weiter erhöhen
Frankfurt, 24. September 2026
Eine modellbasierte Neubewertung von PwC Deutschland zeigt: Hierzulande sind rund 50 Millionen weniger Zahlkarten im Umlauf als bislang ausgewiesen. Das Marktwachstum wird heute vor allem durch die intensivere Nutzung bestehender Karten getragen – nicht durch die Ausgabe zusätzlicher Karten. Die Einführung des digitalen Euros und die Ausgabe neuer Zahlkarten dürften die Marktdynamik weiter verstärken.
Die offiziellen Statistiken zum deutschen Zahlkartenmarkt vermitteln seit geraumer Zeit ein Bild, das einer kritischen Überprüfung bedarf. Demnach umfasst der Markt inzwischen rund 217 Millionen ausgegebene Zahlkarten und ist seit 2021 um 58 Millionen Karten beziehungsweise 36 Prozent gewachsen. Zugleich weist Deutschland innerhalb des Euroraums mit durchschnittlich rund zwei Zahlkarten je Konto die höchste Kartendichte auf. Den offiziellen Daten zufolge entfällt der Großteil dieses Wachstums insbesondere auf Debitkarten, während der Marktanteil von Kreditkarten weitgehend stabil blieb.
Eine detaillierte Analyse zeigt jedoch erhebliche Inkonsistenzen zwischen den offiziellen Statistiken und weiteren verfügbaren Marktinformationen. Weder die ausgewiesene Marktdynamik noch die Entwicklung einzelner Institutsgruppen oder Kartenarten lässt sich anhand veröffentlichter Geschäftsberichte und Verbandsdaten plausibilisieren. Die offiziellen Kennzahlen überzeichnen damit Umfang und Wachstum des deutschen Kartenmarktes.
„Die Herausforderung liegt nicht im Kartenmarkt, sondern in der Datenbasis. Wenn offizielle Statistiken weder mit den veröffentlichten Zahlen der Banken noch mit den Angaben der Verbände konsistent sind, ist eine methodische Neubewertung des Marktes notwendig.“
Vor diesem Hintergrund hat PwC den deutschen Kartenmarkt auf Basis eines eigens entwickelten Kartenmodells neu geschätzt. Das Modell verknüpft die veröffentlichten Kennzahlen von Banken und Verbänden mit weiteren Marktdaten und ermöglicht so eine konsistente Schätzung der tatsächlich ausgegebenen Zahlkarten.
Die Ergebnisse weichen deutlich von den offiziellen Statistiken ab: Demnach umfasst der deutsche Markt rund 165 Millionen Zahlkarten und liegt damit etwa 50 Millionen Karten unter den offiziellen Angaben. Ein wesentlicher Grund für die Abweichung sind Doppelzählungen durch Co-Badging – wenn eine Karte mehrere Zahlungsmarken trägt und derzeit in den Statistiken mehrfach erfasst wird. Seit 2021 ist der Bestand nach dem Modell lediglich um rund 10 Millionen Karten beziehungsweise sechs Prozent gewachsen.
„Wer Marktanteile, Wettbewerb oder Wachstum bewerten will, benötigt belastbare Kartenzahlen. Durch die Einführung des digitalen Euros und die Ausgabe neuer Zahlkarten dürfte der Markt künftig noch dynamischer werden – denn statt Co-Badging könnte sogenanntes Tri-Badging durch das Hinzufügen des digitalen Euro als weiteres Zahlungsmittel zum neuen Kartenstandard werden.“
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