Private Equity Trend Report 2026 von PwC: Europäisches Dealvolumen steigt um 28 Prozent auf 457,6 Milliarden Euro – Transaktionsanzahl sinkt um 8 Prozent / DACH-Region: Dealvolumen legt um 69 Prozent zu / Digitalisierung und KI werden erstmals zum wichtigsten Renditefaktor
Düsseldorf, 24. April 2026
Der europäische Private-Equity (PE)-Markt war im Jahr 2025 gespalten: Die Anzahl der Transaktionen sank um acht Prozent auf insgesamt 3.881 Deals, während das Gesamtvolumen um 28 Prozent auf 457,6 Milliarden Euro stieg. Vor allem Megadeals – Transaktionen jenseits der Eine-Milliarde-Euro-Schwelle – trieben den Markt. Demgegenüber fanden kleinere und mittlere Deals seltener statt. Dieser K-förmige Markt – oben dynamisch, in der Mitte verhalten – prägt die Branche nachhaltig. Der Wettbewerb um attraktive Zielunternehmen hat sich dabei weiter verschärft: 67 Prozent der Befragten berichten von gestiegenem Wettbewerbsdruck gegenüber 2024. Gleichzeitig wirkt geopolitische Disruption als unerwarteter Dealmaker: 55 Prozent der Befragten gaben an, dass Konflikte, Protektionismus und Handelsunsicherheit die Investitionstätigkeit 2025 sogar unterstützt haben. Und: Das noch nicht investierte Kapital liegt mit derzeit 434,8 Milliarden Euro nahe dem Allzeithoch.
Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt der Private Equity Trend Report 2026 von PwC Deutschland. Für die Analyse ließ PwC im ersten Quartal 2026 insgesamt 250 Partner:innen und Managing Directors europäischer PE-Unternehmen befragen, die jeweils mehr als 250 Millionen Euro Vermögen verwalten.
In der DACH-Region – Deutschland, Österreich und Schweiz – fanden 2025 in Summe 557 Deals statt – drei Prozent weniger als im Vorjahr, aber mit deutlich größerem Transaktionsvolumen: Es stieg um satte 69 Prozent auf insgesamt 88,3 Milliarden Euro. Das entspricht der gesamteuropäischen Dynamik – weniger Deals, mehr Volumen –, nur noch deutlich stärker ausgeprägt.
Trotz zweier aufeinanderfolgender Jahre mit schrumpfender Wirtschaftsleistung und tiefgreifendem industriellen Strukturwandel bleibt Deutschland für PE-Investoren zentral: 66 Prozent der Befragten halten Investments in Deutschland (2024: 58 Prozent). Von ihnen planen 97 Prozent weitere Investments in den kommenden fünf Jahren, und 56 Prozent wollen ihre Allokation erhöhen. Zugleich planen 95 Prozent der Firmen ohne bestehendes Engagement keinen Einstieg.
„Der deutsche Markt belohnt Erfahrung. Wer ihn kennt, baut sein Engagement aus. Mitbestimmung und beziehungsintensive Mittelstandstransaktionen erfordern Geduld, schaffen aber dauerhafte Wettbewerbsvorteile für die, die sich darauf einlassen.“
Der Report identifiziert für Deutschland drei attraktive Investmentfelder. Erstens: Unternehmensabspaltungen (Carve-outs). Industriekonzerne wie BASF, Siemens und ThyssenKrupp trennen sich unter Aktionärsdruck von Randaktivitäten. Exemplarisch dafür steht die 7,7-Milliarden-Euro-Übernahme der BASF-Lacksparte durch Carlyle und die Qatar Investment Authority.
Zweitens: die Nachfolge im Mittelstand. Dem KfW-Nachfolge-Monitoring zufolge stehen rund 560.000 kleine und mittlere Unternehmen (16 Prozent aller Mittelständler) in Deutschland bis zum Jahr 2027 vor einem Eigentümerwechsel. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn schätzt, dass rund 30 Prozent dieser Unternehmen keinen familien- oder unternehmensinternen Nachfolger finden. Das erzeugt einen strukturellen, konjunkturunabhängigen Dealflow. Drittens: die „grüne“ Industrietransformation. Die Energiewende, der Netzinfrastrukturausbau, Wasserstoff und die industrielle Elektrifizierung erfordern Kapital in großem Maßstab — und damit genau die Projektentwicklungs- und Transformationskompetenz, die PE-Investoren mitbringen.
Zugleich verbessern sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen: Der Infrastruktur- und Verteidigungsfonds der neuen Bundesregierung über 500 Milliarden Euro (davon 100 Milliarden Euro für Klima und Transformation), die Wiedereinführung der 30-prozentigen degressiven Abschreibung bis 2027 sowie die geplante Senkung der Körperschaftsteuer von 15 auf 10 Prozent bis 2032 schaffen zusätzliche Investitionsanreize.
„Bei Unternehmensabspaltungen, Nachfolgeregelungen und Transformationsprojekten kann Private Equity ihre Stärken ausspielen. Investoren, die den deutschen Markt kennen, verstärken deshalb ihr Engagement.“
Die Investitionsabsichten für 2026 sind verhalten positiv: 43 Prozent der befragten europäischen Investoren wollen ihre Neuinvestments erhöhen, 47 Prozent wollen das Niveau von 2025 halten. Fast zwei Drittel (60 Prozent) erwarten ein verbessertes Deal-Umfeld in Europa, vor allem weil sich die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern weiter annähern und aufgestaute Transaktionen vermehrt stattfinden.
Zugleich blickt die Branche nüchtern auf die gesamtwirtschaftliche Lage: 71 Prozent der Befragten erwarten für Europa ein nur geringes oder gar kein Wachstum. Die Kapitalbeschaffung ist auf ein Zehnjahrestief von 80,9 Milliarden Euro gefallen. Und: Die Verkäufe aus bestehenden Portfolios legten zwar um 49 Prozent auf 272,2 Milliarden Euro zu. Doch die Ausschüttungen an Anleger verharren mit 14 Prozent des Portfoliowerts auf einem Niveau, das zuletzt während der globalen Finanzkrise 2008/09 erreicht wurde – und das im vierten Jahr in Folge. Diese Liquiditätsklemme zwingt Anleger zu einer selektiveren Mittelvergabe an Fondsmanager.
„Große Fonds mit nachgewiesener operativer Kompetenz ziehen das Kapital an. Für den MidCap-Bereich ist es aktuell herausfordernd, neues Kapital einzuwerben.“
Ein weiterer Befund des Reports: Digitale Technologien prägen die Branche stärker als je zuvor auch deshalb, weil die Einstiegsbewertungen mit einem Median von 12,8x EV/EBITDA weiterhin hoch sind und operative Wertschöpfung zum zentralen Renditetreiber wird. 88 Prozent der befragten Firmen investierten 2025 in die digitale Transformation, 94 Prozent planen solche Investments für 2026. Erstmals nannten sie Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) als wichtigste Einflussfaktoren auf die Rendite (36 Prozent der Befragten), noch vor dem Verschuldungshebel (32 Prozent). 81 Prozent erwarten, dass der Einfluss von KI auf die Rendite künftig weiter steigen wird.
Digitalisierung und KI sind zudem die wichtigsten Faktoren bei der Gestaltung von Investmentthesen für Neuakquisitionen (26 Prozent), vor Risikominimierung (18 Prozent). PE-Investoren konzentrieren sich dabei auf die Anwendungsebene — also auf Softwareanbieter, die KI in bestehende Geschäftsprozesse integrieren, statt auf die kapitalintensiven KI-Basismodelle.
Besonders dynamisch: 83 Prozent der Befragten wollen 2026 Datenanalysen und generative KI in der Due Diligence einsetzen – gegenüber 65 Prozent im Jahr 2025. Datenanalyse bleibt mit 72 Prozent der geplanten Investments der wichtigste Einzelbereich, gefolgt von KI mit 69 Prozent. 72 Prozent der Befragten halten den Digitalisierungsgrad außerdem für wichtig oder sehr wichtig für künftige Verkaufserlöse – und kein einziger Befragter hält ihn für unwichtig.
Die Umsetzung ist allerdings anspruchsvoll: Die meisten Firmen setzen KI bisher als Einzellösung für bestimmte Aufgaben ein, nicht als systematisch integriertes Werkzeug. Die größten Hürden sind die Qualität und Verfügbarkeit von Daten, der Mangel an Fachkräften, die sowohl KI-Expertise als auch Investmenterfahrung mitbringen, sowie die neuen Anforderungen des EU AI Act.
Ein klares Signal sendet die Branche auch in Sachen Nachhaltigkeit: Ausnahmslos alle der befragten Firmen verfügen mittlerweile über ESG-Richtlinien und entsprechende Umsetzungsinstrumente; 80 Prozent integrieren ESG-Werttreiber fest in ihre Buy-Side-Bewertung. Diese universelle Adoption läuft dem politischen Gegenwind in anderen Märkten diametral entgegen.
Dr. Ralf U. Braunagel, Private Equity Leader bei PwC Deutschland, resümiert:
„Die Zeiten, in denen günstige Finanzierung und steigende Bewertungen allein für gute Renditen sorgten, sind vorbei. Heute entscheidet die Fähigkeit, Portfoliounternehmen operativ und digital zu transformieren, über Erfolg und Misserfolg.“
PwC unterstützt seine Kunden dabei, Vertrauen aufzubauen und sich neu zu erfinden. Im PwC-Netzwerk verwandeln mehr als 365.000 Mitarbeitende in 136 Ländern täglich komplexe Herausforderungen in Chancen und Wettbewerbsvorteile. Mit modernsten Technologien und fundiertem Fachwissen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuern, Recht und Beratung tragen wir dazu bei, Momentum zu schaffen, auszubauen und zu erhalten.
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Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.