ERP-Systeme in der Energiewirtschaft 2026

PwC-Studie: Paradigmenwechsel bei ERP-Systemen in der Energiewirtschaft

  • 13 Apr 2026

Neue Ausgabe der Marktstudie von PwC gibt umfassenden Überblick über ERP-Lösungen / Transformationsdruck auf Energieversorger steigt weiter / Regulatorik, Technologie und Marktdynamik treiben Wandel / KI wird zum Wettbewerbsfaktor / 37 Prozent der ERP-Projekte verzögern sich

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Frankfurt am Main, 13. April 2026

Die deutsche Energiewirtschaft steht unter massivem Transformationsdruck: Dezentrale Energiesysteme, neue Geschäftsmodelle und verschärfte regulatorische Vorgaben zwingen Unternehmen, ihre IT-Landschaften neu auszurichten. Die aktuelle Ausgabe der Marktstudie „ERP-Systeme in der Energiewirtschaft 2026“ gibt einen Überblick über die am Markt erhältlichen ERP-Lösungen und hilft Energieversorgern, sich strategisch zu orientieren. Für die Studie hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC) 18 Anbieter für Enterprise Resource Planning (ERP) anhand eines Fragenkatalogs mit über 100 Detailfragen untersucht. Das Ergebnis: ERP-Systeme entwickeln sich vom reinen Abrechnungstool zum strategischen Rückgrat der Energiewende.

Regulatorik, Technologie und Marktdynamik als Treiber

Der Markt für energiewirtschaftliche ERP-Systeme wird 2026 von drei zentralen Spannungsfeldern geprägt. Regulatorisch zwingen Vorgaben wie der 24-Stunden-Lieferantenwechsel – der seit Januar 2026 den technischen Wechsel des Stromanbieters binnen eines Tages ermöglichen muss – sowie verschärfte Cyber-Security-Anforderungen durch KRITIS und NIS-2 die Unternehmen dazu, echtzeitnahe Daten zu verarbeiten und höchste Datensicherheit zu gewährleisten. Technologisch führt der beschleunigte Smart-Meter-Rollout dazu, dass Unternehmen massenhaft Messdaten für dynamische Tarife und dezentrales Lastmanagement verarbeiten müssen. Gleichzeitig verdrängen Cloud-Modelle zunehmend klassische On-Premise-Installationen im ERP-Bereich und schaffen die Voraussetzung für flexiblere, skalierbare Systemarchitekturen. Allerdings wächst hiermit die Anforderung an souveräne Cloud-Installationen, damit die Daten in einem kontrollierbaren Bereich bleiben.

Darüber hinaus entstehen neue Marktstrukturen und Wertschöpfungsketten – von E-Mobilität über Wärmepumpen-Management bis zur Vorbereitung auf das kommende Wasserstoffkernnetz. Die Konsequenz: Zentrale ERP-Einzellösungen müssen zunehmend mit durchgängigen, integrierten Prozess- und Datenketten mit offenen Schnittstellen konkurrieren

„Die Branche erlebt eine beispiellose Transformation. Dabei sind ERP-Systeme wichtige Stellschrauben für die Bewältigung der Energiewende. Wer heute auf flexible, standardbasierte Plattformen mit hohem Automatisierungsgrad und offenen Schnittstellen setzt, ist für die Zukunft gerüstet."

Michael Kopetzki,Partner Energy Consulting bei PwC Deutschland

Hohe Hürden bei der ERP-Transformation

Die parallel zur Marktanalyse befragten 70 Mitarbeitenden aus Energieversorgungsunternehmen (EVU) – überwiegend aus Geschäftsführung, Fachbereichs- und IT-Leitung – bestätigen den Handlungsdruck. 19 Prozent von ihnen befinden sich aktuell in ERP-Transformationsprojekten, die jedoch häufig auf Widerstände stoßen. 37 Prozent berichten von Projektverzögerungen, 25 Prozent von hohem Schulungsaufwand und 21 Prozent von unerwarteten technischen Problemen. Als wichtigste Erfolgskriterien für ihre ERP-Transformation nennen die Befragten einen hohen Automatisierungsgrad, kompromisslose Datensicherheit und offene Schnittstellen für die Integration in heterogene IT-Landschaften.

Paradigmenwechsel: Von Individualentwicklungen zum Standard

Galt früher der Grundsatz, ERP-Software habe sich den organisatorischen Gegebenheiten anzupassen, wächst heute die Bereitschaft, eigene Prozesse an bewährte Standards anzupassen. Moderne Cloud-Architekturen und Software-as-a-Service-Lösungen reduzieren individuelle Ausprägungen und proprietäre Prozesse als Kostentreiber und Innovationsbremsen. Die Vorteile von „Fit for Standard“ liegen auf der Hand: geringere Wartungsaufwände, verbesserte Release-Fähigkeit, schnellere Implementierung und bessere Nutzung von Automatisierungspotenzialen.

„Anstatt ERP-Systeme aufwendig individuell anzupassen, sollten Energieversorger ihre Prozesse kritisch hinterfragen, konsequent vereinfachen und dabei auf Standards setzen. Das beschleunigt die Implementierung, senkt dauerhaft Kosten und ermöglicht es, schneller auf regulatorische Änderungen zu reagieren.“

Joachim Albersmann,Senior Manager Energy Consulting bei PwC Deutschland

Vier Merkmale zukunftsfähiger ERP-Systeme

Anhand der Studienergebnisse lassen sich mehrere Anforderungen an zukunftsfähige ERP-Lösungen ableiten:

  • Regulatorische Flexibilität durch standardbasierte Architekturen, die schnelle Anpassungen an neue Vorgaben ermöglichen
  • Echtzeitnahe Verarbeitung massenhafter Messdaten und beschleunigte Prozesse
  • Multi-Mandanten- und Marktrollenfähigkeit zur Abbildung aller energiewirtschaftlichen Rollen (zum Beispiel Energielieferant, Verteilnetzbetreiber, Messstellenbetreiber, White-Label) in einem System
  • Offene Standards für flexible Integration und Skalierung in Plattform-Ökosystemen

Für moderne ERP-Systeme wird entscheidend sein, sich nahtlos in eine heterogene Landschaft aus Cloud-Diensten, IoT-Plattformen und Spezialanwendungen einzufügen und dabei als verlässlicher Anker für alle relevanten Daten zu fungieren.

KI wird zum Differenzierungsmerkmal

Ein weiteres Ergebnis der Marktanalyse: Künstliche Intelligenz entwickelt sich zum Must-have. Die ERP-Anbieter integrieren KI bereits auf unterschiedliche Weise – von der Anbindung KI-basierter Dienste über Schnittstellen bis hin zu vollständig integrierten KI-Lösungen. Das Anwendungsspektrum reicht von der Automatisierung von Routineprozessen über intelligente Datenanalyse bis hin zu KI-gestütztem Kundenservice. Energieversorger, die KI-Funktionen systematisch nutzen, können Prozesskosten senken, die Servicequalität erhöhen und neue datengetriebene Geschäftsmodelle entwickeln.

ERP-Systeme in der Energiewirtschaft 2026

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Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.

Pressekontakt

Dominik Kronberger

PwC Marketing & Communications, PwC Germany

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