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Rainer Bernnat
Partner, Leiter Öffentlicher Sektor, Strategy&, PwC Deutschland
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Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich grundlegend verändert. Deutschland muss seine Verteidigungsfähigkeit in kurzer Zeit neu ausrichten und deutlich stärken. Mit der historischen Ausweitung der Verteidigungsausgaben stellt sich zugleich eine wirtschaftliche Frage: Wie werden aus Milliardeninvestitionen echte technologische Stärke, industrielle Resilienz und Wertschöpfung im Inland?
Die Antwort liegt nicht allein in der Höhe des Budgets, sondern in seiner Verwendung. Rüstung wird dort zum Wirtschaftsfaktor, wo sie Innovation fördert, Lieferketten stärkt und neue Technologien bis in die Serienproduktion trägt. Die Studie „Vom Sondervermögen zur Sicherheitsökonomie" von PwC Deutschland, Strategy& und dem Handelsblatt Research Institute zeigt, wo die entscheidenden Hebel liegen – und wie Deutschland Sicherheit und Standortstärke zugleich gewinnen kann.
„Die entscheidende Frage ist nicht, wie viel wir für Verteidigung ausgeben, sondern was wir daraus machen. Richtig eingesetzt, wird aus Sicherheitspolitik ein Innovations- und Standortvorteil – für die klassische Industrie ebenso wie für Start-ups und den Mittelstand.“
Deutschland vollzieht einen sicherheitspolitischen Paradigmenwechsel. Nach Jahrzehnten, in denen internationale Krisenbewältigung und Auslandseinsätze im Mittelpunkt standen, rücken Landes- und Bündnisverteidigung sowie glaubwürdige Abschreckung wieder ins Zentrum. Das Neue daran ist die Reichweite dieser Wende, denn Verteidigungsfähigkeit ist längst keine rein militärische Aufgabe mehr. Ob als logistische Drehscheibe der NATO oder beim Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS): Unternehmen aus Logistik, Energie, IT und Gesundheit werden unmittelbar Teil der Sicherheitsvorsorge.
Parallel verschiebt sich die technologische Logik. Nicht mehr Feuerkraft gibt den Ausschlag, sondern Geschwindigkeit: Wer Informationen schneller auswertet und in Entscheidungen übersetzt, ist im Vorteil. Unbemannte Systeme, Künstliche Intelligenz und Software werden so zu den eigentlichen Schlüsselfaktoren und verlagern den Innovationsvorsprung dorthin, wo Autonomie- und Datenkompetenz auf industrielle Skalierung treffen.
Genau diese Verschiebung erklärt, warum sich der Wirtschaftsfaktor Rüstung an der Qualität der Ausgaben entscheidet und nicht an ihrer Höhe. Wert entsteht dort, wo ein hoher Innovationsanteil, belastbare Lieferketten und zivilwirtschaftliche Spill-over-Effekte zusammenkommen, etwa in KI, Cybersicherheit oder Robotik.
Auf europäischer Ebene steht dem vor allem die Fragmentierung im Weg. Für Deutschland liegt darin zugleich eine Chance: Dank seines Marktvolumens kann es als Ankerkunde einen integrierten europäischen Verteidigungsmarkt vorantreiben und strategische Abhängigkeiten spürbar verringern.
Am Ende entscheidet damit weniger das Budget als die Fähigkeit des Staates, schneller zu entscheiden, Risiken gemeinsam mit der Wirtschaft zu tragen und Innovationen bis in die Serienproduktion zu begleiten. Hier verläuft die eigentliche Trennlinie – zwischen bloß ausgegebenem Geld und einem echten Standortvorteil.
Sicherheit wird zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Über die logistische NATO-Drehscheibe und den KRITIS-Schutz werden Unternehmen aus Logistik, Energie, IT und Gesundheit direkt eingebunden – mit neuen Anforderungen an Kapazitäten und Resilienz. Diese Wende muss innerhalb weniger Jahre gelingen und betrifft weit mehr Bereiche als das Militär.
Entscheidungsgeschwindigkeit schlägt Feuerkraft: Wer Daten aus Land, See, Luft, Cyber und Weltraum schneller auswertet, ist überlegen. Der Vorsprung entsteht an der Schnittstelle von Autonomie-, Software- und Datenkompetenz mit industrieller Skalierung und jenseits der klassischen Rüstung.
Ein Euro Rüstungsinvestition steigert das BIP im Schnitt nur um 93 Cent. Der eigentliche Nutzen liegt in indirekten Effekten auf Innovation und Resilienz – etwa in KI, Cybersicherheit oder Robotik. Über den wirtschaftlichen Ertrag entscheiden Innovationsanteil, inländische Wertschöpfung und Lieferketten.
Europas größte Schwäche ist nicht fehlendes Know-how, sondern Fragmentierung: zwölf Kampfpanzertypen stehen einem einzigen in den USA gegenüber. Deutschland kann als Ankerkunde einen integrierten Markt vorantreiben und Abhängigkeiten reduzieren.
Der Engpass ist nicht das Geld, sondern die Umsetzung. Neue Modelle wie Performance-Based Contracting oder Spiralbeschaffung schaffen Tempo und Planungssicherheit. Hier entscheidet sich, ob Sicherheitsausgaben zum Standortvorteil werden.
„Die entscheidende Frage lautet nicht: Wer baut seit 50 Jahren Rüstungsgüter? Die Frage lautet: Wer kann morgen liefern?“
Jan Becker,CEO & Co-Gründer, Apex.AIAktuelle Studie zu Sicherheit und Verteidigung aus der Reihe „Standort Zukunft“
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Die Studie verbindet eine ökonomische und sicherheitspolitische Analyse mit Erkenntnissen aus der Praxis. Grundlage sind die Auswertung öffentlich verfügbarer Daten, wissenschaftlicher Literatur und Marktzahlen – etwa von EZB, OECD, SIPRI, dem IfW Kiel sowie dem EU R&D Scoreboard – ergänzt um eigene Analysen von Handelsblatt Research Institute, PwC und Strategy&.
Ein besonderes Gewicht liegt auf leitfadengestützten Experteninterviews mit maßgeblichen Akteuren aus Industrie, Start-up-Szene und Bundeswehr. Sie decken beide Seiten des Ökosystems ab – Wirtschaft sowie Bundeswehr und Politik – und liefern Einblicke in Beschaffung, Innovation und Skalierung. So entsteht ein fundiertes, praxisnahes Gesamtbild.
Partner, Leiter Öffentlicher Sektor, Strategy& Germany
Tel: +49 170 2238414