PwC und SEIA bündeln ihre Expertise für mehr Transparenz und eine effiziente Risikobewertung

Zoll- und Exportkontroll-Compliance datenbasiert stärken

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  • 6 Minuten Lesezeit
  • 14 Okt 2026

Ein Interview mit Dr. jur. Michael Tervooren, Partner, Rechtsanwalt – Head of Customs, Excise and International Trade, und Marko Sedlarevic, Senior Manager – Customs, Excise & International Trade.  

PwC Deutschland und SEIA bündeln ihre Expertise, um Unternehmen mehr Transparenz in Zoll- und Exportkontrollprozessen zu geben. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie datenbasierte Risiko-Insights fachlich bewertet und in wirksame Maßnahmen übersetzt werden können. 

Dr. jur. Michael Tervooren & Marko Sedlarevic

Zoll- und Exportkontrollprozesse werden für international aktive Unternehmen immer anspruchsvoller: Daten liegen häufig in unterschiedlichen Systemen, Prüfungen sind oft manuell geprägt und relevante Risiken bleiben dadurch schwer erkennbar. Im Interview erklären Michael Tervooren und Marko Sedlarevic, wie PwC Deutschland und SEIA ihre Kompetenzen verbinden, um Compliance-Risiken sichtbar zu machen, Prioritäten zu setzen und Unternehmen bei der konkreten Umsetzung zu unterstützen. 

Warum gewinnen Zoll- und Exportkontrollprozesse für Unternehmen aktuell weiter an Bedeutung?

Michael Tervooren: Zoll-Compliance hat direkte Auswirkungen auf Einfuhrabgaben, Lieferkettenkosten und regulatorische Pflichten. Gleichzeitig sind Themen wie Zollwert, Tarifierung oder Warenursprung und Präferenzen fachlich komplex und in vielen Unternehmen noch stark manuell geprägt. Fehler können zusätzliche Abgabenzahlungen, Verzögerungen von kritischen Lieferungen und vielfältige Compliance-Risiken auslösen.

Marko Sedlarevic: In der Exportkontrolle ist die Lage ähnlich anspruchsvoll. International aktive Unternehmen müssen sicherstellen, dass Transaktionen und die damit verbundenen Waren, Geschäftspartner, Bestimmungsländer sowie Endverwendungen/-verwender mit den einschlägigen Sanktions- und Exportkontrollvorschriften vereinbar sind. Die damit zusammenhängenden operativen Tätigkeiten wie die Klassifizierung von Waren, die Erkennung von Sanktionsumgehungsversuchen oder auch die Due-Diligence von Geschäftspartnern sind höchst anspruchsvoll und datenintensiv. 

Für welche Unternehmen ist ein datenbasierter Ansatz in Zoll- und Exportkontroll-Compliance besonders relevant?

Marko Sedlarevic: Besonders relevant ist der Ansatz für international aktive Unternehmen mit komplexen Warenströmen, unterschiedlichen Datenquellen oder mehreren ERP- und Speziallösungen.

Wenn Zoll- und Exportkontrollteams viele Vorgänge mit begrenzten Ressourcen bearbeiten oder Prüfungen stark manuell geprägt sind, kann ein datenbasierter Ansatz zusätzliche Transparenz schaffen.

Michael Tervooren: Hinzu kommt: Viele Unternehmen haben Prozesse und Kontrollen etabliert. Entscheidend ist aber, ob diese im Tagesgeschäft tatsächlich wie vorgesehen funktionieren. Wenn neue Hinweise auf Compliance-Gaps, Datenprobleme oder Prozessschwächen entstehen, brauchen Unternehmen eine belastbare fachliche Bewertung und eine klare Priorisierung der nächsten Schritte. Dabei ist aber bereits die frühzeitige Erkennung dieser Risiken für viele Unternehmen eine große Herausforderung.

Wo entstehen in der Praxis typischerweise Risikofelder – in den Daten, in den Prozessen oder in der fachlichen Bewertung?

Michael Tervooren: Häufig liegt die Herausforderung gerade im Zusammenspiel dieser drei Ebenen. Daten können unvollständig, inkonsistent oder über Systeme verteilt sein. Prozesse können formal beschrieben sein, aber operativ anders gelebt werden. Und selbst wenn Auffälligkeiten sichtbar werden, müssen sie fachlich richtig eingeordnet werden. 

Marko Sedlarevic: Beispiele gibt es viele, wie etwa fehlende oder inkonsistente HS-Codes, Auffälligkeiten bei Import- und Exportdokumentation, Unterlagencodierung, Incoterms, Zollwerten oder Zero-Value Declarations. 

Auch Themen wie Warenursprung, Freihandelsabkommen, Importrestriktionen, Sanktionen, Dual-Use-Güter oder potenzielle Sanktionsumgehungsrisiken können relevante Risikofelder sein. Hier kann ein datenbasierter Blick helfen, Auffälligkeiten sichtbar zu machen, die in manuellen oder fragmentierten Prozessen schwer zu erkennen sind.

Worin liegt der konkrete Mehrwert der Zusammenarbeit von SEIA und PwC Deutschland?

Marko Sedlarevic: Der Mehrwert liegt darin, datenbasierte Risiko-Insights und fachliche Bewertung miteinander zu verbinden. SEIA nutzt vorhandene Unternehmensdaten und die bestehende IT-Infrastruktur, verbindet Datenpunkte, setzt diese ins Verhältnis und wendet zoll- und exportkontrollspezifische Risikoindikatoren über alle relevanten Business-Daten hinweg an. Dabei können neben ERP-Daten auch viele weitere Datenquellen ergänzt werden, um die Risikoübersicht zusätzlich zu erweitern. Dadurch entstehen Transparenz, eine umfassende und datengestützte Risikobewertung und ein kontinuierlicheres Echtzeit-Monitoring der eigenen zoll- und exportkontrollrechtlichen Vorgänge. 

Michael Tervooren: In der Zusammenarbeit ergänzen wir die datenbasierte Transparenz durch fachliche Zoll- und Exportkontroll-Expertise. Wir bewerten die Ergebnisse fachlich, analysieren organisatorische und prozessuale Aspekte und unterstützen dabei, aus den Findings konkrete Maßnahmen abzuleiten. Für Unternehmen entsteht dadurch nicht nur eine Liste mit Auffälligkeiten, sondern ein strukturierter Ansatz, um Compliance-Risiken, Datenlücken und Prozessschwächen gezielt zu adressieren. 

Marko Sedlarevic: Noch ein Punkt: Durch den tiefen datengestützten Einblick mittels SEIA’s Technologie können Risiken auch erheblich kosten- und ressourcenschonender adressiert werden. In der aktuellen, von Kostendruck geprägten, Zeit ein wichtiger Punkt für viele Unternehmen.

Wie wird aus einer Auffälligkeit eine konkrete, risikobasierte Maßnahme?

Michael Tervooren: Zunächst braucht es ein gemeinsames Verständnis des Projektumfangs.

Während SEIA implementiert wird, können wir die Zoll- oder Exportkontrollorganisation auf einer High-Level-Ebene betrachten – zum Beispiel Aufbau, Policies, Guidelines, Prozessdokumentationen und weitere relevante Unterlagen. Nach dem Go-live prüfen wir die Ergebnisse der SEIA-Lösung fachlich und leiten daraus einen Status quo zu möglichen Compliance-Risiken, Datenlücken und Prozessschwächen ab.

Marko Sedlarevic: Auf dieser Basis entsteht ein risikobasierter Remediation Plan. Darin werden konkrete Maßnahmen zur Schließung identifizierter Gaps beschrieben und priorisiert – nach Risiko, Aufwand und Business Impact. Im Zollbereich kann das zum Beispiel Unterstützung bei Tarifierung, Zollwertprüfung, Warenursprung und Präferenzen, Due Diligence, Prozessoptimierung oder Offenlegungen betreffen. In der Exportkontrolle können u.a. Exportkontrollklassifizierung, Sanktionsumgehungsthemen, Business Partner Due Diligence und ebenso Prozessoptimierung oder Offenlegungsunterstützung relevant sein.

Wie lässt sich Zoll- und Exportkontroll-Compliance nach dem ersten Review kontinuierlich weiterentwickeln?

Marko Sedlarevic: Für viele Unternehmen ist ein erster Review der Ausgangspunkt für ein kontinuierlicheres Monitoring. Optional können wir die SEIA-Ergebnisse regelmäßig prüfen – zum Beispiel wöchentlich, monatlich oder quartalsweise – und Empfehlungen geben, um potenzielle neue Gaps frühzeitig zu schließen. So wird aus einem einmaligen Review ein kontinuierlicher Verbesserungsansatz, was sich bei erfolgreicher Umsetzung ebenso in den SEIA-Ergebnissen widerspiegelt. 

Michael Tervooren: Genau das ist wichtig, weil Zoll- und Exportkontrollprozesse laufend von neuen Transaktionen, Daten, regulatorischen Anforderungen und operativen Veränderungen geprägt sind. Mit SEIAs Technologie und unserer fachlichen Expertise können Unternehmen skalierbare und konsistente Compliance-Checks etablieren und operative sowie Compliance-Risiken reduzieren.

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Senior Manager, Customs, Excise & International Trade, PwC Germany

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