Digital Procurement Survey 2019

Deutschland ist Europas Spitzenreiter in der Digitalisierung der Beschaffung

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Dr. Norbert F. Fischer
EMEA Procurement Practice bei PwC
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Digitalisierung als strategische Aufgabe hat Top-Priorität für den Einkauf

Die Digitalisierung steht derzeit ganz oben auf der Agenda von Einkaufsabteilungen in ganz Europa. Ein Teil der Unternehmen setzt bereits auf elektronische Beschaffung, während andere in nächster Zukunft in E-Procurement investieren wollen. Für 17 Prozent der Unternehmen europaweit hat die Digitalisierung von Beschaffungsprozessen Top-Priorität – gleichauf mit der Vereinfachung ihrer Organisation. Das ist zentrales Ergebnis des „Digital Procurement Survey 2019“, für den PwC 200 Unternehmen aus 20 europäischen Ländern befragt hat. Die Analyse knüpft an eine Vorgängerstudie aus dem Jahr 2017 an und ermöglicht daher einen direkten Vergleich. Dabei zeigt sich, dass die Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Systeme auf einem guten Weg sind: Inzwischen sind im Schnitt zweieinhalb von sieben Beschaffungsprozessen digitalisiert – vor zwei Jahren waren es lediglich eineinhalb.

Der enorme Fortschritt, den die Unternehmen beim Thema E-Procurement gemacht haben, zeigt sich auch darin, dass sie jetzt strategische Beschaffungsprozesse auf ihre Agenda gesetzt haben. Dieser Trend wird in den kommenden Jahren noch an Dynamik gewinnen.

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen:

1. Deutsche Unternehmen zeigen den höchsten Reifegrad

Deutschland ist seinen Konkurrenten aus den Nachbarländern weit voraus. Der Spitzenreiter innerhalb Europas erreicht eine Digitalisierungsrate bei Beschaffungsprozessen von 43 Prozent und liegt damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 37 Prozent. Trotz dieser starken Position planen 90 Prozent der Studienteilnehmer, künftig in mindestens zwei Drittel der Beschaffungstechnologien zu investieren. Beim Einsatz fast aller Internet-Technologien sind deutsche Einkäufer Vorreiter. Auffällig ist allerdings, dass für deutsche Einkaufsabteilungen nicht die Digitalisierung oberste Priorität hat, sondern die Kompetenzentwicklung und Talentakquise (38 versus 31 Prozent). Dieses Ergebnis spiegelt, wie stark Deutschland unter dem Mangel an Digital Talents leidet, die gebraucht werden, um das volle Potenzial der Digitalisierung auszuschöpfen. Das Ergebnis zeigt aber auch, dass Entscheider erkannt haben: Bei der Digitalisierung des Beschaffungsprozesses geht es nicht allein um den Einsatz neuer Technologien, sondern um einen grundlegenden Wandel in der Organisation und Belegschaft.

2. Standardtechnologien haben sich auf breiter Ebene durchgesetzt

Am weitesten verbreitet sind bei europäischen Einkäufern die Lösungen, die auch den höchsten Reifegrad erreicht haben: Standardsysteme wie S2P-Werkzeuge und Datenanalysetools. Damit arbeiten bereits 81 bzw. 75 Prozent der Unternehmen. 78 Prozent der Chief Procurement Officer geben an, dass sie künftig in mindestens drei digitale Lösungen investieren wollen. Deutlich weniger verbreitet bei der Beschaffung sind derzeit Technologien wie zum Beispiel Automatisierung, Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz und Blockchain, obwohl diese Konzepte das höchste Entwicklungspotenzial haben. Viele Unternehmen planen aber künftige Investitionen in den Beschaffungsprozess. Daher ist davon auszugehen, dass diese Technologien sich in den kommenden Jahren durchsetzen werden. Der Reifegrad einer Technologie korreliert klar mit der Zufriedenheit der Befragten: Während 90 Prozent der Einkaufsabteilungen mit ihrer S2P-Lösung zufrieden sind, bezeichnen sich 56 Prozent der Blockchain-Nutzer als unzufrieden.

Die Einführung digitaler Lösungen ist ein strategischer Treiber für Unternehmen, um an Agilität und operativer Exzellenz zu gewinnen.

3. Der Fachkräftemangel ist die größte Hürde für die elektronische Beschaffung

Die digitale Transformation im Einkauf braucht ein hohes Maß an technologischer Kompetenz. Doch genau daran mangelt es in vielen europäischen Unternehmen: 19 Prozent bezeichnen mangelnde IT-Kenntnisse als größtes Hindernis – noch vor dem Change Management (18 Prozent) und dem Sponsoring (16 Prozent). Der Fachkräftemangel belastet die Organisationen stark, wie auch der 22. Annual Global CEO Survey 2019 von PwC gezeigt hat. Das betrifft insbesondere auch deutsche Unternehmen. Umso wichtiger ist es, dass die Firmen alle Beteiligten zu neuen Tätigkeiten im elektronischen Beschaffungsprozess weiterbilden – eine Aufgabe, die auch der Unterstützung des Managements bedarf.

4. Verstärkt auf der Agenda: die Digitalisierung strategischer Beschaffungsprozesse

Im Vergleich zur Vorgängerstudie 2017 haben die Unternehmen in puncto strategische Beschaffungsprozesse große Fortschritte gemacht: 60 Prozent der Organisationen haben damit angefangen, strategische Prozesse wie zum Beispiel Predictive Analytics, strategischer Einkauf oder das Management der Lieferanten zu digitalisieren. Nach wie vor steht aber die Digitalisierung von Transaktionsprozessen, etwa Vertragsgestaltung & Risiken bei Lieferanten oder Source-to-pay, ganz oben auf der Agenda, wie 74 Prozent der Studienteilnehmer bestätigen.

5. Europaweit hat der Sektor Dienstleistungen deutlichen Vorsprung

Sowohl Unternehmen aus dem Dienstleistungs- als auch dem Industriesektor haben bei der elektronischen Beschaffung große Fortschritte gemacht. Auf europaweiter Ebene hat aber der Dienstleistungssektor einen Vorsprung gegenüber der Industrie: Während bereits 43 Prozent der Beschaffungsprozesse im Bereich Dienstleistungen im Schnitt digital sind, wurden in der Industrie bislang erst 34 Prozent digitalisiert. Die einzige Ausnahme bildet Deutschland – hier ist die Industrie deutlich weiter als der Dienstleistungssektor (49 versus 27 Prozent). An diesem Ergebnis zeigt sich, dass die deutsche Industrie die Bedeutung der Digitalisierung als sehr hoch einschätzt und das E-Procurement weit fortgeschritten ist.

„Deutschland nimmt bei der Digitalisierung der Beschaffung eindeutig eine Vorreiterrolle ein. Doch auf diesem guten Ergebnis dürfen sich die Unternehmen keinesfalls ausruhen, denn die Einkaufsabteilungen haben auf dem Weg der Digitalisierung noch ein gutes Stück vor sich. Umso wichtiger ist es, dass die Organisationen das Thema weiterhin ganz oben auf ihre Führungsagenda setzen, entsprechend investieren und ihre Belegschaft weiterbilden.“

Dr. Norbert F. Fischer,Head of EMEA Procurement Practice bei PwC

Auf den Punkt gebracht

Die Digitalisierung ist eine strategische Aufgabe für Einkaufsabteilungen in ganz Europa.

Unabhängig von Land, Branche und Unternehmensgröße steht für die Einkaufsabteilungen die Digitalisierung ihrer Prozesse an zweiter Stelle, wobei die Straffung ihrer Organisation nur knapp auf dem ersten Platz steht. Talentmanagement und die Entwicklung der Zusammenarbeit mit Lieferanten stehen an nächster Stelle.

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Die Digitalisierung ist auf einem gutem Weg

Im Einklang mit den Ergebnissen von 2017 sind Dienstleistungsunternehmen führend. Drei von sieben ihrer Prozesse sind heute digital, im Gegensatz zu zwei von sieben für die Industrie. Die Digitalisierung wird weiter ausgebaut, da sie als strategische Priorität angesehen wird, in die die Unternehmen weiterhin investieren werden. KMUssind langsamer bei der Einführung digitaler Beschaffungsprozesse, nur eineinhalb von sieben sind bereits digitalisiert. Für diese Unternehmen ist der Übergang zu voll digitalisierten Prozessen nicht strategisch.

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Unternehmen halten Standardlösungen für selbstverständlich

  • 80% der Unternehmen setzen derzeit Source-to-Pay-Lösungen ein und fast
  • 90% beabsichtigen, weiterhin zu investieren.
  • Im Durchschnitt haben 33% der Unternehmen KI, Automatisierungs- und Industry 4.0-Lösungen getestet, von denen 65% beabsichtigen, in diese Technologien zu investieren. Die Umfrage deutet darauf hin, dass die Zahl der KI-Nutzer um ein Vielfaches von 2,3 steigen wird.
  • Umgekehrt ist die Einstellung zu Blockchain unterschiedlich, nur 14% der Unternehmen haben Tests durchgeführt, von denen 60% sie für unbefriedigend halten.

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Zukünftige Investitionen werden erheblich sein

  • 78% der Unternehmen, unabhängig von ihrer Branche oder ihrem Land, erklärten ihre Absicht, in mindestens drei digitale Lösungen zu investieren.
  • Die Unternehmen, die solche Technologien bereits eingeführt haben, stehen vor dem Erwerb der entsprechenden Fähigkeiten, was den größten Rückschlag für den Erfolg der Projekte (vor Change Enablement und Sponsoring) darstellt. Nach den Ergebnissen der 22. CEO-Umfrage* ist der Fachkräftemangel für Unternehmen ein großes Problem.

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