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„Video- und Computerspiele könnten das Sport-Angebot an Schulen sinnvoll ergänzen“

23 April, 2018

Video- und Computerspiele als sportlicher Wettbewerb, kurz E-Sport, sind längst mehr als ein Nischenphänomen. Wenn Turniere wie das Counter-Strike-Major ausgetragen werden, kommen Zehntausende Fans in große Hallen wie die Lanxess Arena in Köln, um das Spektakel live zu verfolgen. Im Interview spricht Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC, über die Zukunft des elektronischen Sports in Deutschland. Er hält es für sinnvoll, Computer- und Videospiele auch an Schulen zu integrieren. Allerdings nicht als eigenes Schulfach im Lehrplan.

Ende April 2018 trifft sich die Spielebranche zur Gamesweek in Berlin, einer der wichtigsten Veranstaltungen für Hobby-Spieler wie Champions. In diesem Rahmen findet auch der German E-Sports Summit statt. Wie steht es in Deutschland um das Gaming als Sport?

Werner Ballhaus: Es ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen für die Gaming-Branche weltweit und hat sich längst aus der Nische zu einem massentauglichen Phänomen entwickelt. Auch in Deutschland wächst die Relevanz und Akzeptanz. Mittlerweile gibt es hierzulande zwei Dutzend professionelle Clubs, die Games wie Counter Strike oder League of Legends kompetitiv spielen und regelmäßig ihre Champions küren. Klassische Sportvereine wie der FC Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg haben eigene Teams. Große Turniere finden als Events in riesigen Stadien oder Hallen statt. Großkonzerne treten als Sponsoren auf. Bisher ist elektronischer Sport in Deutschland allerdings nicht offiziell als Sport anerkannt.

Das könnte sich jedoch bald ändern …

Ballhaus: Genau, die neue Bundesregierung erkennt im Koalitionsvertrag die wachsende Bedeutung der deutschen E-Sport-Landschaft an. Berlin hält damit fest, dass E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt hilfreich sind. Entsprechend will die Bundesregierung E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart anerkennen. Wird dieser Plan tatsächlich umgesetzt, könnte das den E-Sport in Deutschland beflügeln. E-Sport-Vereine würden dann als gemeinnützige Vereine von Steuervorteilen profitieren.

Was spricht denn dafür, Gaming als Sportart anzuerkennen?

Ballhaus: Wie beim klassischen Sport ist für die Champions in der League of Legends und bei anderen Spielen ein ganzheitliches Training notwendig. Sportwissenschaftler bescheinigen professionellen Spielern, dass sie ähnliche physische und psychische Leistungen bringen wie traditionelle Sportler. Computer- und Videospiele schulen zudem taktisches Denken, Disziplin, Konzentration und Reaktionsfähigkeit. Und sie fördern Teamgeist und Fairplay. Games sind ein soziales Medium. In Teams miteinander und gegeneinander zu spielen, verbindet Menschen. Nicht zuletzt macht Gaming einfach Spaß.

Gaming wird auch an Schulen zum Thema. Was denken Sie darüber, Computer- und Videospiele als Schulfach anzubieten?

Ballhaus: Computer- und Videospiele gehören zum Alltag der Jugendlichen. Wir haben im Sommer vergangenen Jahres 1.000 Menschen zwischen 14 und 35 Jahren nach ihrer Meinung und ihren Erfahrungen mit E-Sport befragt: 80 Prozent spielen selbst Videospiele wie League of Legends. Mehr als die Hälfte der männlichen Befragten sogar mehrmals pro Woche. Junge Menschen gamen also ohnehin. Dann ist es doch sinnvoll, wenn Schüler dies in einem geschützten Umfeld tun.

Steht League of Legends also künftig als Schulfach auf dem Stundenplan?

Ballhaus: E-Sport soll Sportarten wie Fußball oder Leichtathletik nicht ersetzen, sondern ergänzen. Ich halte betreutes Spielen für ein gutes Angebot, jedoch nicht als eigenes Fach. Schulen könnten es in das Betreuungsangebot am Nachmittag aufnehmen. Solche Kurse fördern auch die Medienkompetenz. Sie bieten zudem die Möglichkeit, mit den Schülern in einen Dialog zu treten und auch über die Gefahren aufzuklären. Viele Menschen assoziieren Gaming mit Aggressivität oder Suchtgefahr für die Spieler. Diese Themen lassen sich da gut besprechen. Ein Problem besteht allerdings darin, dass die Digitalisierung noch nicht in den Schulen angekommen ist. Die technische Ausstattung ist vielerorts schlecht. Aber auch bei diesem Thema hat sich Berlin ja einiges vorgenommen.

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Werner Ballhaus

Werner Ballhaus

Global Entertainment & Media Sector Leader und Leiter Technologie, Medien, Telekommunikation, PwC Germany

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Niklas  Wilke

Niklas Wilke

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