Reederstudie 2019: Klimawandel auf hoher See

Wie deutsche Reedereien ihr Geschäft neu ausrichten

Konjunkturtief voraus

Die deutsche Schifffahrt steuert nach kurzer Verschnaufpause auf neue Herausforderungen zu. Vor dem Hintergrund aktueller Handelskonflikte und internationaler Spannungen glauben nur noch zwei von drei deutschen Reedern an einen Anstieg des weltweiten Frachtaufkommens in den nächsten fünf Jahren. Gleichzeitig sehen sie sich in Zukunft mit höheren Kosten – vor allem für den technologischen Wandel und den Klimaschutz – und immer größeren Herausforderungen bei der Finanzierung konfrontiert. Auf welchem Kurs die Reeder diese Untiefen umfahren wollen, analysiert die elfte Reederstudie.

Zum Download der Reederstudie 2019

„Trotz einer beispiellosen Konsolidierungsleistung in den letzten Jahren stehen die deutschen Reedereien bei Erlösen und Kosten weiter unter Druck. Alternative Kapitalquellen zu erschließen ist das Gebot der Stunde, damit dringend erforderliche Investitionen in die deutsche Flotte nicht verschleppt werden.“

Claus Brandt, Leiter Maritimes Kompetenzzentrum

Kernergebnisse der Reederstudie 2019

Klimaschutz als Kostenfaktor

Klimaschutz als Kostenfaktor

Klimaschutz wird in der Schifffahrt zunehmend zum Kostenfaktor. Das zeigt sich insbesondere beim Thema Umstellung auf emissionsarme Antriebe. Aktuell ist gut die Hälfte der Reeder der Ansicht, dass Flüssiggas (Liquified Natural Gas, LNG) in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnt – 2016 glaubte dies nur gut ein Drittel der Befragten. Konkrete Investitionspläne haben dennoch nur 32 Prozent der Reeder. Ein zentraler Grund hierfür: die Kosten. Vier von fünf Unternehmen ist eine Umrüstung auf LNG derzeit zu teuer – auch weil ein großer Teil nicht davon ausgeht, die eigenen Kunden an den Umrüstungskosten beteiligen zu können.

Finanzierung wird schwieriger

Finanzierung wird schwieriger

Die größte Herausforderung der deutschen Schifffahrtsbranche ist das Thema Finanzierung. Drei Viertel der Befragten sehen im Ausstieg deutscher Banken aus der Schiffsfinanzierung ein größeres Problem. Knapp zwei Drittel beklagen das stagnierende Ratenniveau und jeweils etwa die Hälfte fürchtet die Kosten für die ökologische Nachrüstung von Schiffen sowie die Entwicklung der Weltwirtschaft. Am wenigsten kritisch werden der Einstieg branchenfremder Player wie Amazon oder Google (3 Prozent), die Rekrutierung internationalen Seepersonals sowie Insolvenzen auf Kundenseite wahrgenommen (jeweils 5 Prozent).

Cyberkriminalität wird noch unterschätzt

Cyberkriminalität wird noch unterschätzt

Hackerangriffe und andere Formen der Cyberkriminalität hält nur jeder fünfte Reeder für eine drängende Herausforderung. Für die eigene Reederei sehen sogar nur 11 Prozent ein hohes Gefährdungspotenzial. Größere Unternehmen schätzen die bestehenden IT-Risiken allerdings tendenziell höher – und damit sicherlich realistischer – ein als kleinere Wettbewerber. Dies zeigt sich auch an ihrer Vorbereitung auf den Ernstfall: Knapp 80 Prozent der Reedereien mit mehr als 500 Mitarbeitern haben fest angestellte IT-Sicherheitsexperten. Bei den kleineren sind es lediglich 35 Prozent. Insgesamt arbeitet jede dritte deutsche Reederei mit externen Experten zusammen.

Konjunkturoptimismus schwindet

Konjunkturoptimismus schwindet

Der Konjunkturoptimismus des vergangenen Jahres ist weitgehend verflogen: Für die kommenden zwölf Monate rechnet nur noch eine knappe Mehrheit (53 Prozent) der deutschen Reeder mit Umsatzzuwächsen – in der Vorjahresstudie gingen noch drei von vier Befragten von steigenden Erlösen aus. Weiterhin gut läuft es hingegen im Passagiergeschäft: Jede zweite Reederei mit Kreuzfahrt- oder Fährschiffen prognostiziert ein Umsatzplus, einen Erlösrückgang befürchtet kein Unternehmen. Ebenfalls positiv: Neun von zehn Flotten sind wie im Vorjahr voll ausgelastet.

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Claus Brandt

Leiter Maritime Wirtschaft und Managing Partner Region Nordost, PwC Germany

Tel.: +49 40 6378-1607

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