Deutscher Startup Monitor 2020

Startups trotzen der Corona-Krise

Ihr Experte für Fragen

Florian Nöll

Florian Nöll
Head of Digital Ecosystems bei PwC Deutschland
Tel.: +49 30 2636-4176
E-Mail

Neueinstellungen statt Personalabbau

Die Corona-Krise trifft auch die deutsche Startup-Landschaft hart. Nichtsdestotrotz bleiben die Gründerinnen und Gründer optimistisch und schauen mit Zuversicht nach vorn, wie die 8. Ausgabe des Deutschen Startup Monitors zeigt.

Dabei macht die Krise auch vor den Startups nicht halt: Drei von vier Startup-Unternehmen sind in ihrer Geschäftstätigkeit von der Pandemie beeinträchtigt. Um die Auswirkungen in den Griff zu bekommen, fokussiert sich die große Mehrheit der Befragten auf ihre Produktentwicklung. Nur 11 Prozent wollen Personal abbauen, um Kosten zu sparen. Über 90 Prozent planen hingegen, neue Mitarbeitende einzustellen – trotz Krise. Im Schnitt wollen die Befragten in den kommenden 12 Monaten sechs neue Mitarbeitende rekrutieren (Vorjahr: 8).

Nur wenige nutzen Startup-spezifische Krisen-Angebote

Gut die Hälfte der Startups (55 Prozent) hat staatliche Unterstützung zur Bewältigung der Corona-Krise in Anspruch genommen. Dabei nutzten sie vor allem Corona-Soforthilfen und Kurzarbeitergeld. Auffällig ist jedoch, dass nur eine kleine Minderheit (6 Prozent) der Jungunternehmer auf die Startup-spezifischen Unterstützungsleistungen wie die Verlängerung vorhandener Förderungen – etwa EXIST oder ein Gründerstipendium – zurückgreift.

„Optimismus liegt in der DNA von Startups. Auch eine veritable Krise wie die Corona-Pandemie kann diese Zuversicht nicht zerstören. Die Gründerinnen und Gründer sind es gewohnt, sich schnell auf neue Situationen einzustellen – und das Beste daraus zu machen. Das würde ihnen jedoch deutlich leichter fallen, wenn die staatliche Unterstützung noch besser auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten wäre: Die Maßnahmenpakete der Bundesregierung zeigen noch nicht die gewünschte Wirkung.“

Florian Nöll, Head of Digital Ecosystems bei PwC Deutschland

Die zentralen Ergebnisse der Studie

1. Die größten Herausforderungen 

Die schwierigsten Aufgaben liegen für die Startups genau wie im vergangenen Jahr bei Vertrieb/Kundengewinnung, Produktentwicklung und Kapitalbeschaffung. Das Thema Vertrieb und Kundengewinnung wurde dieses Jahr jedoch deutlich häufiger als Hürde genannt (plus 13 Prozent). Zudem deuten die Ergebnisse auf nach wie vor schwierige finanzielle Rahmenbedingungen hin: 43 Prozent halten die Kapitalbeschaffung für herausfordernd (2019: 38 Prozent). 32 Prozent nennen das Thema Cashflow/Liquidität als größten Stolperstein (Vorjahr: 18 Prozent).

2. Bei der Finanzierung tut sich etwas

Beim Thema Finanzierung setzt sich der Trend zur Professionalisierung fort: Der Anteil der Startups, die auf externe Finanzierung zurückgreifen, ist gestiegen – und liegt mittlerweile bei rund 63 Prozent. (Vorjahr: 55 Prozent). Immer mehr Jungunternehmern gelingt es zudem, Geld über Business Angels einzusammeln: Fast ein Drittel nannte Business Angels als Geldgeber, 2019 waren es erst 23 Prozent.

Und auch der Anteil der Startups, die sich über Risikokapitalgeber finanzieren, stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund vier Prozentpunkte an. Aber noch längst nicht jeder Jungunternehmer, der gerne Zugriff auf Wagniskapital hätte, hat auch welchen: Fast jeder Zweite (42 Prozent) wünscht sich eine Finanzspritze von Venture-Capital-Gebern, aber weniger als jedem Fünften (19 Prozent) gelingt dies.

„Die Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft beim Thema Finanzierung noch immer weit auseinander, denn das Startup-Ökosystem ist nach wie vor durch den Kapitalmarkt unterversorgt. Der Zugriff auf externes Kapital bleibt damit eine der schwierigsten Aufgaben für Startups.“

Florian Nöll, Head of Digital Ecosystems bei PwC Deutschland

3. Nachhaltigkeit rückt weiter in den Fokus

So wie der Klimawandel immer stärker ins Bewusstsein rückt, so werden auch bei Startup-Gründungen umweltspezifische und soziale Motive immer wichtiger: Mittlerweile ordnet fast jedes zweite Startup (43 Prozent) seine Produkte und Angebote der Green Economy zu. Das sind 6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

„Immer mehr Startups wollen mit ihrem Business gezielt einen Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz leisten und gesellschaftliche Probleme lösen. Dabei spielt sicher auch die Erkenntnis eine Rolle, dass die Nachfrage nach grünen Produkten und Dienstleistungen stetig steigt.“

Florian Nöll, Head of Digital Ecosystems bei PwC Deutschland

4. Blick auf die Gründungs-Hotspots

Berlin steht weiter unangefochten an der Spitze der deutschen Gründungs-Hotspots und kann seinen Vorsprung im Vergleich zum Vorjahr weiter ausbauen: 18 Prozent der Befragten haben ihren Sitz in der Hauptstadt (Vorjahr: 16 Prozent). Die Metropolregion Rhein-Ruhr folgt mit 13 Prozent auf Platz zwei – musste jedoch im Vergleich zum Vorjahr einen kleinen Rückgang in Kauf nehmen. Auf den Plätzen drei und vier folgen München und Hamburg mit 7 bzw. 6 Prozent.

5. So international sind die deutschen Startups

Erstmals beleuchtet der Startup-Monitor 2020 auch das Thema Diversität – und erlaubt spannende Einblicke: Rund 13 Prozent der Gründerinnen und Gründer haben keinen deutschen Pass. Besonders in Berlin (21 Prozent) und der Metropolregion Rhein-Ruhr (17 Prozent) besitzen relativ viele Gründerinnen und Gründer eine ausländische Staatsangehörigkeit.

Einen Migrationshintergrund hat sogar jeder fünfte der befragten Gründerinnen und Gründer, wobei der Anteil in Rhein-Ruhr und Berlin mit rund 30 bzw. 25 Prozent besonders hoch ist. Bei den Mitarbeitenden der Startups wird Diversität ebenfalls groß geschrieben: 27 Prozent der Belegschaft stammen ursprünglich nicht aus Deutschland. In Berliner Startups kommen sogar 43 Prozent der Belegschaft aus dem Ausland.

Das wirkt sich auch auf die Arbeitssprache aus: In fast jedem dritten Startup (30 Prozent) wird vor allem Englisch gesprochen. Das gilt insbesondere in Berlin: In zwei von drei Startups (63 Prozent) in der Hauptstadt ist Englisch die dominierende Arbeitssprache.

Weitere Ergebnisse im Überblick

Zufriedenheit mit dem Standort

61 Prozent der Gründerinnen und Gründer bewerten das Startup-Ökosystem an ihrem Standort als (sehr) gut – das sind drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dabei schätzen sie insbesondere die Nähe zu Universitäten (80 Prozent) und das Netzwerk zu anderen Startup-Gründern (68 Prozent).  Über die Hälfte (54 Prozent) ist auch mit der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal vor Ort zufrieden – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (2019: 39 Prozent).  

Als problematisch bewerten die Entscheider dagegen den Zugang zu Kapital und Investitionen sowie die Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilen. Diese Aspekte bewerten 39 bzw. 34 Prozent der Befragten als schlecht. Unzufrieden sind die Entscheider zudem mit den Kooperationsmöglichkeiten mit etablierten Unternehmen: Fast jeder Dritte hält diese für sehr schlecht.

Internationalisierung

Trotz erschwerter Rahmenbedingungen in Folge von Corona ist der Wunsch nach einer Expansion ins Ausland ungebrochen: Zwei Drittel der Befragten planen eine (weitere) Internationalisierung. Das entspricht dem Niveau des Vorjahres. Dabei sind Ziele innerhalb der Europäischen Union mit Abstand am beliebtesten.

Kooperationen

Startups kooperieren häufiger als im Vorjahr mit anderen Startups und mit etablierten Unternehmen. 72 Prozent der befragten Gründerinnen und Gründer arbeiten mit etablierten Unternehmen zusammen (2019: 67 Prozent), 60 Prozent mit anderen Startups (2019: 57 Prozent). Der Anteil der Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen liegt unverändert bei 55 Prozent.

Erwartungen an die Politik

Auf Platz 1 der Wunschliste an die Politik: Eine Vereinfachung der Verwaltungsdienstleistungen. Das wünscht sich jeder zweite Gründer. Auf Platz 2 steht der Wunsch nach Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung: 39 Prozent erwarten konkret, dass die staatlichen Angebote zur Finanzierung über Venture Capital ausgebaut werden. 29 Prozent erhoffen sich von der Politik eine Reduktion der Steuern. Ebenso viele haben den Anspruch, dass die Politik Programme zum Austausch zwischen etablierter Wirtschaft und Startups schafft.

"Sonntagsfrage"

Die CDU/CSU konnte als Regierungspartei am stärksten von der Corona-Pandemie profitieren: 28 Prozent der Startup-Entscheiderinnen und Entscheider würden die Partei Angela Merkels wählen – das sind 16 Prozentpunkte mehr als bei der Befragung im Vorjahr.

Einbußen in der Popularität mussten die Grünen hinnehmen: Sie sind zwar noch immer die beliebteste Partei der Gründer – 37 Prozent würden grün wählen. Im Vorjahr lag der Anteil der Grün-Wähler unter den Startup-Entscheidern jedoch bei stolzen 44 Prozent. Die SPD kann als Koalitionspartner kaum von der Krise profitieren: Ihre Popularität bleibt auf sehr niedrigem Niveau (Anstieg von 5 auf 7 Prozent). Der FDP würde immerhin jeder fünfte Startup-Gründer seine Stimme geben (Vorjahr: 28 Prozent).

„Die Startup-Entscheider zeigen in der Krise eine Haltung, die der von Familienunternehmern sehr ähnlich ist: Sie konzentrieren sich auf ihre Stärken und setzen auf nachhaltiges Handeln statt Personalabbau. Damit schaffen sie nicht nur Arbeitsplätze, sondern avancieren zum Wachstumsmotor, um die Wirtschaft aus der Krise zu führen.“

Florian Nöll,Head of Digital Ecosystems bei PwC Deutschland

So kommen Sie erfolgreich durch die Krise

Liquidität im Auge behalten

Die Corona-Krise hat bei vielen Startups zu deutlichen Umsatzeinbrüchen geführt. In dieser Situation kommt es auch darauf an, wie gut die Beziehungen zu Kreditinstituten und Risikokapitalgebern sind. Wir helfen bei Kontakten mit VC-Partnern und Corporate Venture Capitalists im Mittelstand.

Personal langfristig binden

Personaleinsparungen sind für die meisten Startups keine Option in der Krise. Sie wissen, dass gute Fachkräfte ihre wichtigste Ressource sind. Um die Mitarbeiter langfristig zu binden, müssen jedoch neue Umsatzquellen gefunden werden. Gefragt sind in der aktuellen Situation insbesondere Produktideen, die Gesundheits- oder soziale Ziele bedienen.

Kooperationen ausbauen

Inzwischen sind Partnerschaften zwischen Startups und etablierten Unternehmen gang und gäbe. Und die Zusammenarbeit mit mittelständischen Firmen und globalen Konzernen ist immens wichtig für Innovation. Doch wie lassen sich die optimalen Partner für eine zukunftsorientierte Zusammenarbeit finden? Wir helfen beim Matchmaking.

Vertrieb stärken

Die überwiegende Zahl der Startups in Deutschland ist im Business-to-Business-Bereich tätig. Vielversprechend sind aber auch Business-to-Consumer-Modelle für Geschäftskunden - also B2C2B. Dazu braucht es ein gut ausgebautes Netzwerk zu Geschäftspartnern. Wie sich belastbare Kundenbeziehungen im B2B-Bereich aufbauen lassen, diskutieren wir gerne mit Ihnen.

Hilfen nutzen

Die Mehrzahl der Startups gibt der Politik gute Noten bei den Maßnahmen in der Corona-Krise. Doch nur mit „ausreichend“ bewerten sie die Rahmenbedingungen, die für Startups in der Krise geschaffen wurden. Welche Werkzeuge Ihnen in der aktuellen Situation zur Verfügung stehen und wie Sie sie nutzen können, zeigen wir Ihnen.

Die Methodik

Zu diesen Ergebnissen kommt der 8. Deutsche Startup Monitor, den der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und PwC in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. An der Studie haben sich knapp 2.000 deutsche Startups beteiligt.

Contact us

Florian Nöll

Florian Nöll

Head of Digital Ecosystems, PwC Germany

Tel.: +49 30 2636-4176

Nina Beike

Nina Beike

Next Level Team, PwC Germany

Tel.: +49 30 2636-3211

Follow us