Deutscher Startup Monitor

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Florian Nöll

Leiter der Startup-Initiative NextLevel bei PwC Deutschland
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Startups in Deutschland: Optimistisch und wachstumsstark, digital und nachhaltig

In vielen Branchen nehmen die Sorgen vor einer Wirtschaftskrise zu. Startups in Deutschland zeigen sich davon unbeeindruckt und blicken äußerst zuversichtlich in die Zukunft. Sie haben sich Wachstum auf die Fahnen geschrieben, schaffen viele neue Arbeitsplätze und entwickeln sich zum Jobmotor der deutschen Wirtschaft.

Ein Erfolgsrezept der jungen Gründerinnen und Gründer: Sie setzen in ihren Geschäftsmodellen konsequent auf Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Hemmschuh für die ambitionierten Wachstumspläne ist allerdings der Zugang zu Kapital.

Zu diesen Ergebnissen kommt der 7. Deutsche Startup Monitor (DSM), den der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und PwC in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. An der Studie haben sich knapp 2.000 deutsche Startups beteiligt.

„Die gute Stimmung bei den Startups könnte noch viel besser sein, wenn sie einfacher an Kapital kämen – wovon am Ende auch die deutsche Wirtschaft profitieren würde, weil die Jungunternehmen noch schneller wachsen und mehr Arbeitsplätze schaffen könnten.“

Florian Nöll, Leiter der Startup-Initiative NextLevel bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick:

1. Das sind die Gründerinnen und Gründer

 

Die befragten Gründerinnen und Gründer sind im Schnitt 35 Jahre alt und damit deutlich jünger als der durchschnittliche Erwerbstätige in Deutschland (44 Jahre). Rund 82 Prozent verfügen über eine akademische Bildung. Mit 43 Prozent haben viele Entrepreneure einen Abschluss in einem MINT-Fach, rund 39 Prozent haben Wirtschaftswissenschaften studiert. 40 Prozent der Befragten haben bereits zuvor gegründet. Im Falle des Scheiterns würde die Mehrheit (60 Prozent) wieder ein Startup gründen.

Der Anteil der Gründerinnen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Mit 16 Prozent sind Frauen allerdings noch immer deutlich unterrepräsentiert. Gründen bleibt dabei Team-Sache: Drei von vier Startups werden im Team gegründet. Immerhin fast jedes dritte hat auch eine Frau an Bord. Gründerinnen und Gründer waren häufig bereits in der Schulzeit leistungsstark (54 Prozent) und zeigten oft außerschulisches Engagement (47 Prozent). Eine Portion Rebellion steckt aber auch in vielen: Jeder Fünfte (22 Prozent) hatte in der Schulzeit Klassenbucheinträge oder erhielt Verweise. Gut 12 Prozent wurden ein- oder mehrmals nicht versetzt.

2. Wichtiger Arbeitgeber und Jobmotor

Im Durchschnitt beschäftigen deutsche Startups aktuell rund 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - eine Person mehr als im Jahr 2018. 90 Prozent der Befragten wollen in den kommenden zwölf Monaten weitere Arbeitsplätze schaffen und im Schnitt acht neue Kolleginnen und Kollegen einstellen. Besonders viele neue Arbeitsplätze sollen in den Hotspots Berlin und München entstehen - dort planen die Unternehmen im Schnitt rund 15 neue Stellen.

Startups verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet und Branchenspektrum und prägen somit die gesamte Wirtschaft. Am häufigsten sind sie im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie aktiv (30 Prozent). 11 Prozent zählen zur Nahrungsmittel- und Konsumgüterbranche. Aber auch im stark regulierten Gesundheitsbereich sind Startups unterwegs (9 Prozent).

Deutschlandweit lassen sich fünf Hotspots ausmachen, in denen besonders häufig gegründet wird: Berlin, die Metropolregion Rhein-Ruhr, Hamburg, Stuttgart/Karlsruhe und München.

Interview: „Startups sind ein wichtiger Jobmotor der deutschen Wirtschaft“

Die deutsche Startup-Szene sprüht vor Optimismus: Die Unternehmen wachsen kräftig und schaffen viele neue Arbeitsplätze. Was ist der Schlüssel für ihren Erfolg? Wo liegen die größten Hürden für weiteres Wachstum? Und wieso ist der Anteil der Gründerinnen so niedrig? Mehr dazu im Interview mit Florian Nöll, Leiter der Startup-Initiative NextLevel bei PwC Deutschland, und Franziska Teubert, Geschäftsführerin Kommunikation und Partner-Management beim Bundesverband Deutscher Startups.

Zum Interview

3. Fokus auf Zukunftsthemen

 

Digitalisierung

Mit ihren innovativen Ideen sorgen die Startups nicht nur für Wachstum, sie treiben auch die Digitalisierung in Deutschland voran und gestalten den technologischen Fortschritt maßgeblich mit. Zwei Drittel der Startups ordnen sich klar einem digitalen Geschäftsmodell zu. Neben Software as a Service (SaaS), Online-Plattformen und Softwareentwicklung spielt die Technologieentwicklung dabei eine große Rolle. Im Zentrum stehen immer häufiger innovative Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Virtual Reality oder Blockchain.

„Immerhin rund 40 Prozent der Unternehmen sind der Meinung, dass Künstliche Intelligenz großen Einfluss auf ihr Geschäftsmodell hat. Die Bedeutung von anderen Schlüsseltechnologien wie virtueller Realität oder Blockchain sehen die allermeisten Startups jedoch nicht - das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie stark viele Startups von innovativen Technologien abhängen.“

Florian Nöll, Leiter der Startup-Initiative NextLevel bei PwC Deutschland

Nachhaltigkeit

Kriterien der Nachhaltigkeit werden bei der Gründung wichtiger. Immer mehr Startups möchten einen gezielten Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz leisten. Ein gutes Drittel der Befragten (37 Prozent) ordnet seine Produkte oder Dienstleistungen der „Green Economy“ zu. 38 Prozent adressieren mit ihrem Unternehmen gesellschaftliche Problemstellungen („Social Entrepreneurship“). Der Fokus auf grüne Themen spiegelt sich auch im Wahlverhalten der Befragten wider: 44 Prozent der Gründerinnen und Gründer wählen grün. Das sind 20 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

4. Hemmschuh Finanzierung

 

38 Prozent der Befragten nennen die Kapitalbeschaffung als größte Hürde, die sie aktuell zu meistern haben (plus 6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Als noch herausfordernder empfinden die Unternehmen nur die Bereiche Vertrieb/ Kundengewinnung (55 Prozent) und die Produktentwicklung (44 Prozent).

„Dass Startups viel Zeit und Energie in den Vertrieb und die Weiterentwicklung ihrer Produkte investieren müssen, liegt auf der Hand. Die Probleme bei der Kapitalbeschaffung ließen sich aber vermeiden, wenn es hierzulande mehr mutige Investoren und Risikokapitalgeber nach amerikanischem Vorbild gäbe. Dafür braucht es aber einen Kulturwandel.“

Florian Nöll, Leiter der Startup-Initiative NextLevel bei PwC Deutschland

Venture-Capital-Geber und Business Angels gesucht

Bei der Finanzierung klafft eine große Lücke zwischen den Finanzierungsquellen, die Startups tatsächlich nutzen, und den Quellen, die sie eigentlich bevorzugen: 81 Prozent der Befragten setzen für die Finanzierung auf eigene Ersparnisse, aber nur 40 Prozent halten diese Option für die beste. Startups wünschen sich vor allem mehr Finanzierung über Venture Capital und Investitionen durch Business Angels: 23 Prozent arbeiten mit Business Angels zusammen, während 39 Prozent diesen Weg der Finanzierung gerne gehen würden. 15 Prozent nutzen bereits Venture Capital, 40 Prozent würden dies gerne tun.

So kommen Gründerinnen und Gründer an Geld

39 Prozent der Gründerinnen und Gründer fällt es schwer, Zugang zu den relevanten Personen auf dem Kapitalmarkt zu erhalten. Die Studie zeigt: Ein breites Netzwerk ist das A&O. Denn der Kontakt zu Wagniskapitalgebern kam bei über der Hälfte der Befragten (56 Prozent) über persönliche Netzwerke zustande. 29 Prozent lernten die späteren Geldgeber bei Events wie Pitches oder Sessions kennen, wie zum Beispiel bei den PwC-Programmen Scale und Raise. Unaufgefordert einen Business-Plan einzureichen, ist dagegen wenig vielversprechend: Nur bei 5 Prozent der Befragten lief der Erstkontakt zu Venture-Capital-Investoren auf diesem Weg ab.

Weitere Ergebnisse im Überblick

Zufriedenheit mit dem Standort

Rund 6 von 10 Gründern stufen das Startup-Ökosystem an ihrem Standort als (sehr) gut ein. Vor allem Berlin als Hotspot schneidet mit 75 Prozent positiver Bewertungen sehr gut ab. Die Gründerinnen und Gründer schätzen an ihrem Standort die Nähe zu Universitäten und die Vernetzung mit anderen Startups. Als problematisch bewerten sie den Zugang zu Kapital, die Suche nach qualifiziertem Personal und die Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilien.

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Erwartungen an die Politik

Auf Platz 1 der Wunschliste an die Politik: Der Abbau regulatorischer und bürokratischer Hürden. Das fordern zwei Drittel der Befragten. Vier von zehn Unternehmer erwarten von der Bundesregierung Maßnahmen zur stärkeren Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung. 38 Prozent wünschen sich eine bessere Förderung des unternehmerischen Einsatzes für Umweltschutz und gesellschaftliche Nachhaltigkeit (plus 16 Prozentpunkte).

 

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Mitarbeiterbeteiligung

Für Startups sind Mitarbeiterbeteiligungen ein wichtiges Werkzeug, um das Team am Unternehmenserfolg partizipieren zu lassen und so im Wettbewerb um Fachkräfte zu punkten. Gut die Hälfte der Startups (53 Prozent) beteiligen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Erfolg - meist geschieht dies über virtuelle Anteile. Die aktuellen Rahmenbedingungen zur Mitarbeiterbeteiligung bewerten die meisten Gründerinnen und Gründer jedoch als (sehr) ungünstig.

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Internationalisierung

Der heimische Markt ist die mit Abstand wichtigste Umsatzquelle für Startups. 85 Prozent der Erlöse werden hierzulande erwirtschaftet. Auf fast allen ausländischen Märkten stagnieren die Umsatzanteile oder gehen sogar zurück. Dennoch: Zwei Drittel der Befragten planen, ihr Unternehmen (weiter) zu internationalisieren (plus 6 Prozentpunkte). Das gilt für allem für größere Startups, mit mehr als 50 Mitarbeitern, von denen knapp 90 Prozent in ausländische Märkte expandieren wollen. Das beliebteste Ziel sind Länder der Europäischen Union.

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„Dass Startups sich möglichst wenig bürokratischen Aufwand wünschen und auf Unterstützung beim Fundraising hoffen, ist nicht neu. Überrascht hat mich vielmehr, dass fast 40 Prozent erwarten, dass die Politik den Einsatz für Umweltschutz und Nachhaltigkeit besser fördert. Das zeigt, wie wichtig der Nachhaltigkeitsgedanke mittlerweile im Startup-Ökosystem ist.“

Florian Nöll,Leiter der Startup-Initiative NextLevel bei PwC Deutschland

Wachstumsbeschleuniger für Startups

Wie Startups erfolgreich wachsen können

1. In das eigene Netzwerk investieren

Ein gutes, weit verzweigtes Netzwerk ist Gold wert. Das gilt auch bei der Suche nach Geldgebern. Denn der Kontakt zu Kapitalgebern kommt meist über persönliche Kontakte zustande.

2. Neue Kapitalquellen erschließen

Eigene Ersparnisse sind wichtig in der Anfangsphase. Wenn es um die Expansion geht, kommen aber andere Quellen ins Spiel. Hier geht es nicht mehr ohne Wachstumsbeschleuniger wie Venture Capital oder Business Angels. 

3. Mitarbeiter beteiligen

Wer die besten Fachkräfte gewinnen und im Unternehmen halten möchte, muss ihnen etwas bieten. Neben flexiblen Arbeitszeiten und der Chance, Verantwortung zu übernehmen, können Startups über Mitarbeiterbeteiligungen punkten.

4. Digitalisierung vorantreiben

Zwei Drittel der Startups basieren auf einem digitalen Geschäftsmodell, die Bedeutung innovativer Schlüsseltechnologien wie virtuelle Realität und Blockchain unterschätzen jedoch noch viele Gründerinnen und Gründer.

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