Wie wir selbst bei PwC die KI-Transformation umgesetzt haben
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Susanne Arnoldy
Partner, Chief Technology & Innovation Officer (CTIO) bei PwC Deutschland
Tel.: +49 175 3246516
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Viele Unternehmen stecken in der Pilotphase für Künstliche Intelligenz fest: einzelne Chatbots oder Use Cases, isolierte Tools, aber kein messbarer Geschäftswert. Diese Herausforderungen kennen wir aus eigener Erfahrung. Als „Client Zero“ setzen wir unsere KI-Transformation im eigenen Unternehmen um - mit allen Chancen, Rückschlägen und Lernkurven. Dadurch können wir unsere Kunden optimal bei ihrer eigenen KI-Transformation beraten.
Heute arbeiten mehr als 360.000 Kolleg:innen weltweit und 16.000 in Deutschland selbstverständlich mit KI. Sprachmodelle bspw. von Anthropic, Google oder OpenAI, Copilot und bereichsspezifische KI-Tools sind feste Begleiter in unserem Alltag. Gleichzeitig verbinden rund 600 KI-Expert:innen in Deutschland technologische Kompetenz mit unserer Fachexpertise aus Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung, Consulting und Deals.
Mehrere Dimensionen tragen unsere eigene Transformation – und die unserer Kunden: von der Strategie über Governance, Prozesse und Implementierung bis zur konsequenten Ausrichtung auf Wachstum. Den Fokus setzen wir dort, wo das größte Potenzial für unsere Kunden und uns liegt. Jeweils abgestimmt auf Reifegrad, regulatorisches Umfeld und Geschäftsziele.
„Unsere Kunden fragen nicht mehr, ob AI wirkt. Sie fragen, wie sie damit ihr Geschäft voranbringen können. Genau diese Frage haben wir für uns zuerst beantwortet.“
Jede Transformation beginnt mit einer Richtungsentscheidung. KI verändert unser Geschäft über alle Bereiche, Branchen und Funktionen hinweg - und früh war klar: Ohne gemeinsame Richtung entstehen Insellösungen. Also haben wir eine bereichsübergreifende KI-Strategie entwickelt, mit klaren Leitplanken und priorisierten Handlungsfeldern und einer definierten Roadmap. Unsere Erfahrung: Eine KI-Strategie wird erst wirksam, wenn sie nicht aus einer Stabsabteilung kommt, sondern gemeinsam mit den Geschäftsbereichen entwickelt wird. Eine KI-Strategie braucht nicht nur Sponsoren auf Führungsebene, sondern auch die Operationalisierung in den Fachbereichen, z.B. durch greifbare Anwendungsfälle. Sonst bleibt sie Theorie.
Am Ende liefert Technologie "nur” die Energie, die Strategie gibt die Richtung vor. Diese Perspektive greift auch die PwC-Studie „Want ROI from AI? Go for growth“ (2026) auf: Erfolgreiche KI-Unternehmen verankern ihre KI-Strategie in der Unternehmensstrategie. Für uns heißt das: Die Technologie muss zur geschäftlichen Richtung passen – nicht umgekehrt.
Wir haben uns bewusst für Wahlfreiheit statt Lock-in entschieden: mit einem agnostischen Technologie-Stack, der aktuell bleibt und den hohen Ansprüchen unseres regulierten Umfelds standhält. Gleichzeitig haben wir in Datenarchitektur und Datenqualität investiert und eine klare Make-or-Buy-Logik etabliert. Wo der Markt starke Lösungen bietet, nutzen wir diese. Wo wir selbst einen Vorsprung haben, entwickeln wir eigene Lösungen. So entstand unter anderem ChatPwC, unser interner KI-Assistent, der jedem Mitarbeiter diverse Sprachmodelle zur freien Verfügung zugreifbar macht - oder unsere PwC-eigene, abgesicherte Vibecoding-Umgebung für jeden Mitarbeiter
Entscheidend ist nicht allein der Zugang zur Technologie, sondern was wir daraus für unser Geschäft machen.
In einem Umfeld, in dem Vertrauen unser wichtigstes Kapital ist, braucht der Einsatz von KI von Anfang an klare Leitplanken. Deshalb haben wir ein internes Responsible KI Toolkit aufgebaut, das Risikostandards direkt in die Entwicklung jeder KI-Anwendung integriert und den gesamten Prozess begleitet, statt erst am Ende als Kontrollpunkt zu greifen. Hinzu kommen verbindliche KI-Verhaltensregeln für alle Mitarbeitenden sowie geschützte Umgebungen, die einen sicheren KI-Einsatz auch mit sensiblen Daten ermöglichen. Unsere Erfahrung zeigt: Klare Regeln bremsen nicht, sondern schaffen Sicherheit und damit die Voraussetzung dafür, dass Mitarbeitende KI tatsächlich nutzen, statt aus Unsicherheit darauf zu verzichten.
KI braucht klare Regeln, damit Vertrauen entstehen kann. Die PwC-Studie „Want ROI from AI? Go for growth“ (2026) unterstreicht diese Bedeutung: Die erfolgreichsten 20 % der Unternehmen verfügen 1,6-mal häufiger über ein Responsible-AI-Framework und erreichen 2,3-mal häufiger eine bessere Compliance.
Mit Strategie, Technologie und Governance als Basis konnten wir uns der eigentlichen Veränderung widmen: unseren Geschäftsprozessen. Der erste Impuls war, KI in bestehende Abläufe zu integrieren. Schnell haben wir jedoch erkannt, dass das nicht ausreicht. Unsere Prozesse mussten grundlegend neu gedacht werden, mit KI im Zentrum statt als Ergänzung.
Fortschritt entsteht eben nicht in der Komfortzone. Unsere Erfahrung zeigt: Vorreiter überlassen Innovation nicht dem Zufall. Sie geben den richtigen Menschen Freiraum und Mittel, steuern Innovation gezielt und stellen ihr eigenes Geschäft infrage, bevor es andere tun. Dieser Anspruch bedeutet auch, bestehende Prozesse nicht nur zu optimieren, sondern grundlegend neu zu denken.
Viele unserer besten Ideen starteten als Pilotprojekte. Die entscheidende Herausforderung bestand darin, sie konsequent in einen stabilen Produktivbetrieb zu überführen. Dafür haben wir einen klaren Weg etabliert, um KI-Lösungen von der Idee bis zur produktiven Anwendung zu entwickeln und zu skalieren. Hieraus entstanden u.a. Delivery Platformen, die unsere KI-Fähigkeiten und unser Expertenwissen in unseren jeweiligen Geschäftsbereichen bündeln: Im Consulting ermöglicht das Agentic Consulting Framework die Zusammenarbeit von Berater:innen und spezialisierten KI-Agenten als gemeinsames Projektteam über den gesamten Projektverlauf. NEO verbindet in Tax & Legal steuerliche Prozesserfahrung mit geprüften Fachinhalten, von der Sachverhaltsaufnahme bis zum Memorandum. Junction schafft im Deals-Umfeld einen digitalen Arbeitsraum mit KI-gestützter Datenexploration, um Risiken und Werthebel zu identifizieren. Und in der Wirtschaftsprüfung setzt Maestro neue Maßstäbe.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse unserer Transformation: Technologie allein verändert noch nichts. Selbst die besten Tools entfalten ihren Wert erst, wenn unsere 16.000 Mitarbeitenden sie selbstverständlich in ihrem Arbeitsalltag nutzen. Deshalb haben wir ein umfassendes Change- und Empowerment Programm mit rollenspezifischem Upskilling aufgesetzt - von der Führungsebene bis in die Fachbereiche. Dabei gehen unsere Führungskräfte voran und leben den Umgang mit KI im Alltag vor. Das prägt unsere Unternehmenskultur stärker als klassische Schulungen allein. Gleichzeitig schaffen Gamification sowie kollegiales Lernen zusätzliche Begeisterung und fördern die aktive Nutzung. Denn am Ende entscheidet nicht allein die Technologie über den Erfolg, sondern wie selbstverständlich sie im Arbeitsalltag angenommen und eingesetzt wird.
Wie wichtig dabei die Führungsebene ist, zeigt die PwC Workforce Hopes and Fears Survey 2026: 46 % der Senior Executives verstehen nicht, warum sich ihre Rolle verändert. Unsere Erfahrung zeigt: Befähigung muss deshalb ganz oben beginnen. Führungskräfte müssen verstehen, wie KI ihre eigene Rolle verändert, bevor sie den Wandel im Unternehmen gestalten und vorleben können. Wer die Transformation führen soll, muss sie zuerst selbst verstehen – sonst lässt sich kein Unternehmen nachhaltig verändern.
Erfolgreiche Ansätze aus einzelnen Teams sollen ihre Wirkung im gesamten Unternehmen entfalten. Deshalb identifizieren wir in gezielten Workshops besonders wirkungsvolle fachspezifische Lösungen, arbeiten die übertragbaren Elemente heraus und entwickeln sie über interne Inkubatoren / KI Experten Teams zu skalierbaren Lösungen weiter. So werden aus erfolgreichen Einzelinitiativen Ansätze, die über Geschäftsbereiche hinweg genutzt werden können. Unsere Erfahrung zeigt: Skalierung braucht klare Strukturen, Verantwortlichkeiten und gezielte Aufmerksamkeit. Sie geschieht nicht von allein.
Unsere eigene KI-Reise hat nicht nur verändert, wie wir arbeiten. Sie hat auch unser Verständnis dafür geschärft, was Unternehmen in einer KI-Transformation wirklich brauchen - und wo die typischen Stolpersteine liegen.
Aus dieser Erfahrung heraus haben wir ein AI Service Portfolio entwickelt, das unsere Erkenntnisse aus allen Bereichen bündelt. Ein idealer Einstieg: unsere KI Accelerator Workshops.
An einem Tag priorisieren wir gemeinsam Ihre größten KI-Potenziale, identifizieren die Werthebel mit dem höchsten Wirkungsgrad – und übersetzen sie in einen belastbaren Business Case. Das Ergebnis: eine klare Agenda für Ihre KI-Transformation und eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die nächsten Schritte.
Wir leben sie selbst. Unsere eigene Transformation zeigt, was passiert, wenn KI nicht nur als Tool eingesetzt, sondern konsequent in die Wertschöpfung integriert wird: Wissen wird schneller verfügbar, KI-Agenten unterstützen unsere Teams und schaffen Freiräume für Expertise, Qualität und Kundennähe. Genau diese Erfahrung aus unserer eigenen Transformation bringen wir in die Zusammenarbeit mit unseren Kunden ein.
„Eine KI-Strategie entfaltet erst dann Wirkung, wenn sie in die Sprache der jeweiligen Geschäftsbereiche übersetzt wird. Alignment ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess.“
Susanne Arnoldy,Partner, Chief Technology & Innovation Officer (CTIO) bei PwC Deutschland