Politische Vorhaben im Gesundheitssystem

Organspende, Terminservicestellen, elektronische Patientenakte: Wie die Bürger zu den aktuellen Gesetzesplänen stehen.

Die Politik nimmt zahlreiche Eingriffe am Gesundheitswesen vor

Die deutsche Gesundheitspolitik macht Tempo und treibt derzeit viele Gesetzesvorhaben voran, etwa die Digitalisierung des Gesundheitswesens mit der elektronischen Patientenakte oder den Ausbau der Terminservicestellen, der Kern des neues Terminservice- und Versorgungsgesetzes ist und eine bessere fachärztliche Versorgung von Patienten in Deutschland gewährleisten soll. Auch eine Neuregelung der Organspende ist zu einem wichtigen Debattenthema der Gesundheitspolitik geworden, denn der Druck ist hoch: Knapp 10.000 Menschen in Deutschland warten aktuell auf ein Spenderorgan. Wie stehen die Deutschen zu diesen Initiativen der Politik? Welche Erwartungen, aber auch welche Bedenken verbinden sie mit den Gesetzesplänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn? Diesen Fragen widmet sich die Studie „Politische Vorhaben im Gesundheitssystem“, für die PwC 1.000 Bürger befragt hat.

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Die Einstellungen der Bürger zur Gesundheitspolitik im Einzelnen

1. Organspende: Bürger setzen weiterhin auf Freiwilligkeit

Die Organspende soll reformiert werden. In der Debatte ist die Widerspruchslösung, die Bundesgesundheitsminister Spahn eingebracht hat. Sie sieht vor, dass jeder Mensch als Spender in Frage kommt, der nicht zu Lebzeiten einer Organentnahme widersprochen hat.

Die Bürger sehen diese Lösung allerdings kritisch: Die größte Gruppe mit 39 Prozent möchte bei der aktuellen Regelung mit einem freiwilligen Organspendeausweis bleiben, 35 Prozent können sich die Widerspruchslösung vorstellen und 29 Prozent bevorzugen ein Online-Register, bei dem die Bürger ihre Haltung etwa bei Behördengängen äußern. Die Zahl der Organspender in Deutschland muss sich dringend erhöhen – derzeit verfügen lediglich 36 Prozent der Deutschen über einen Organspendeausweis. Dahinter steckt oftmals kein klares Nein. Vielmehr haben sich viele Menschen noch nicht mit dem Thema beschäftigt oder sind unentschlossen.

Welche Gründe sprechen gegen einen Organspendeausweis?

2. Terminservicestellen: Nur wenige Bürger nutzen bislang den Dienst

Kernelement des neuen Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG), das im Mai 2019 in Kraft trat, ist der Ausbau der Terminservicestellen. Sie sollen Patienten bei der Suche nach Fachärzten unterstützen. Diesen Service gibt es bereits heute, doch er wird von Versicherten kaum in Anspruch genommen: Lediglich 13 Prozent haben den Dienst bereits genutzt. Dahinter steckt vor allem Unwissen – so weiß nur knapp jeder Zweite, dass die Wartezeit auf einen Termin bei Fachärzten maximal vier Wochen betragen darf. Unter denen, die den Terminservice bereits genutzt haben, gibt es aber viele Befürworter: 88 Prozent würden den Dienst wieder in Anspruch nehmen, um schnelleren Zugang zu Ärzten zu gewinnen.

Was würde zu einer (häufigeren) Nutzung von Terminservicestellen führen?

3. Elektronische Patientenakte: Jeder Dritte ist bereit, all seine Daten preiszugeben

Der Digitalisierung von Gesundheit stehen die Bürger offen gegenüber: So sind neun von zehn Deutschen bereit, ihre persönlichen Daten für die elektronische Patientenakte, die ebenfalls Teil des Terminservice- und Versorgungsgesetzes ist, unter bestimmten Bedingungen preiszugeben. Die wichtigste Voraussetzung: Der Datenschutz muss gewährleistet sein, wie 44 Prozent der Studienteilnehmer bestätigen. Jeder Dritte kann sich sogar vorstellen, alle medizinischen Informationen in der elektronischen Patientenakte speichern zu lassen. Lediglich neun Prozent lehnen diese Form der Digitalisierung von Gesundheit gänzlich ab.

Welche Informationen würden die Deutschen speichern?

Interview: Bürger sind bereit für die digitale Gesundheit – die Politik hinkt nach

Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC, erklärt im Interview, wie er die Ergebnisse der PwC-Studie „Politische Vorhaben im Gesundheitssystem“ wertet.

Zum Interview

4. Erweiterter Leistungskatalog der Krankenkassen: Ausweitung von Pflege besonders geschätzt

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz weitet die Bundesregierung auch den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aus. Besonders schätzen die Bürger, dass die Pflege zu Hause künftig auch von ambulanten Betreuungsdiensten unterstützt werden kann, sodass sich die Versorgung auf mehr Berufsgruppen verteilt, wie 93 Prozent der Befragten bestätigen. Die Betreuungsdienste können etwa für reine Betreuungsleistungen und Hilfen im Haushalt eingesetzt werden. Ebenso schätzen 89 Prozent der Deutschen, dass sich die Festzuschüsse bei Zahnersatz erhöhen – von heute 50 auf künftig 60 Prozent.

Welche Leistungen sollten Krankenkassen vollständig übernehmen?

5. Pflegepersonal-Stärkungsgesetz: Skepsis bei den Deutschen überwiegt

Spürbare Verbesserungen in der Pflege will die Gesundheitspolitik auch durch mehr Personal und verbesserte Arbeitsbedingungen schaffen und hat daher das Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals verabschiedet. Die Bürger sind aber skeptisch, ob damit wirkliche Verbesserungen erreicht werden können. Zwar begrüßen 93 Prozent, dass mehr Stellen in der Alten- und Krankenpflege finanziert werden sollen, aber 94 Prozent rechnen damit, dass es weiterhin einen Fachkräftemangel in der Pflege gibt, wenn die Rahmenbedingungen sich nicht grundlegend ändern.

Wie stehen die Deutschen zu Änderungen in der Pflege?

„Wir brauchen dringend mehr Service im Gesundheitswesen und einen verbesserten Zugang zu Ärztinnen und Ärzten, wenn wir die hohe Versorgungsqualität in unserem Gesundheitssystem aufrechterhalten wollen. Derzeit stellen wir durch unsere Studien fest, dass die Zufriedenheit der Versicherten eher sinkt. Umso wichtiger ist es, dass wir unser Gesundheitssystem grundlegend reformieren und endlich die Wende bei der Digitalisierung schaffen.“

Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC

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Michael Burkhart

Leiter Gesundheitswirtschaft und Managing Partner Region Mitte, PwC Germany

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Sevilay Huesman-Koecke

International Director, Head of Business Development Health Industries, PwC Germany

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