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Mirsad Grizovic
Lead Capital Markets & Accounting Advisory Services bei PwC Deutschland
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Das Accounting steht unter hohem Veränderungsdruck. Wirtschaftliche Unsicherheiten, komplexere Finanzberichterstattung, weiter zunehmende regulatorische Anforderungen und Fachkräftemangel erhöhen die Anforderungen an die Finanzfunktion. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) neue Möglichkeiten, Prozesse effizienter zu gestalten und knappe Ressourcen zu entlasten.
Die Studie zeigt auch einen Rollenwandel: 57 Prozent der befragten Führungskräfte aus dem Accounting sehen ihr Accounting als Mischform aus Backoffice- und strategischer Funktion, weitere 9 Prozent überwiegend strategisch. 33 Prozent ordnen es weiterhin vor allem dem Backoffice zu.
„Wir gehen davon aus, dass die Entwicklung hin zur strategischen Rolle prägend für Accountingabteilungen bleibt. In der Vergangenheit galten sie überwiegend als Kostenblock. Will sich das Accounting als Werttreiber in Unternehmen etablieren, muss es mehr strategische Funktionen übernehmen.“
Die Anforderungen an das Accounting sind in den vergangenen drei Jahren spürbar gestiegen. 72 Prozent der Befragten berichten von steigenden Anforderungen infolge wirtschaftlicher Unsicherheiten. 71 Prozent sehen (auch) die Komplexität der finanziellen Berichterstattung als Grund. 68 Prozent nennen (auch) regulatorische Anforderungen. Zudem berichten 38 Prozent der befragten Führungskräfte von einem sehr oder eher starken Fachkräftemangel im Accounting. 54 Prozent erwarten, dass sich dieser Mangel in den kommenden fünf Jahren verschärfen wird.
Die Folgen sind bereits sichtbar: 60 Prozent stimmen der Aussage zu, dass der Fachkräftemangel die Erfüllung regulatorischer Anforderungen erschwert. 55 Prozent sehen infolge des Fachkräftemangels die Qualität ihrer Accountingprozesse gefährdet, 54 Prozent die Qualität der finanziellen Berichterstattung. Unter den Unternehmen, die bereits stark vom Fachkräftemangel betroffen sind, fallen diese Werte noch deutlich höher aus.
Den technologischen Reifegrad ihres Finanzbereichs schätzen 84 Prozent der Befragten im Vergleich zu anderen Unternehmensbereichen als mindestens gleichwertig ein. Beim Technologieeinsatz dominieren automatisierte Buchungs- und Workflow-Systeme (85 Prozent). 46 Prozent setzen Data Analytics oder Business Intelligence ein. Insgesamt 57 Prozent nutzen mindestens ein KI-Tool im Accounting oder Reporting. KI-basierte Assistenten sowie Lösungen zur Beleg- oder Vertragserkennung kommen jeweils bei 34 Prozent der befragten Unternehmen zum Einsatz; 20 Prozent nutzen KI-Lösungen zur Teilautomatisierung von Abstimmungen, Konsolidierung oder Abschlussprozessen.
76 Prozent der Befragten erwarten, dass KI den Fachkräftemangel zumindest teilweise kompensieren kann: 13 Prozent sehen ein maßgebliches, 63 Prozent ein teilweises Kompensationspotenzial. Die organisatorische Umsetzung ist jedoch vielfach noch kaum fortgeschritten. Nur 4 Prozent der Unternehmen haben ihre Accountingprozesse bereits umfassend auf den KI-Einsatz ausgerichtet. 21 Prozent passen ausgewählte Prozesse an, 52 Prozent befinden sich noch in der Planungsphase. Bei 22 Prozent ist KI bislang nicht in die Prozessgestaltung integriert.
Die Ergebnisse zeigen ein Spannungsfeld: Die Erwartungen an KI sind hoch, doch bei der konkreten Integration in Prozesse besteht Nachholbedarf. Unter den sehr oder eher stark vom Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen gehen 66 Prozent davon aus, dass KI den Fachkräftemangel zumindest teilweise kompensieren kann; bei gering oder gar nicht betroffenen Unternehmen sind es 82 Prozent.
35 Prozent der befragten Unternehmen lagern Aufgaben im Accounting oder Reporting an externe Dienstleister beziehungsweise Managed-Services-Anbieter aus. Meist geschieht dies noch in geringem Umfang: 26 Prozent berichten von einer geringen, 6 Prozent von einer mittleren und 3 Prozent von einer umfangreichen Auslagerung.
Für einen stärkeren Einsatz sprechen vor allem der Zugang zu spezialisierten Fachkompetenzen (59 Prozent) und die Entlastung vom Fachkräftemangel (57 Prozent). Jeweils 48 Prozent nennen eine höhere Flexibilität beim Ressourceneinsatz und moderne Technologien, die intern nicht verfügbar sind. 43 Prozent erwarten schnellere Prozessverbesserungen, 40 Prozent eine bessere Bewältigung regulatorischer Veränderungen und steigender Komplexität. Kostenvorteile nennen 32 Prozent.
Dem stehen relevante Hürden gegenüber: 63 Prozent nennen Datenschutz- und Sicherheitsbedenken, 61 Prozent eine komplexe Systemlandschaft oder Schnittstellenprobleme. Für 59 Prozent sprechen die Kosten gegen eine weitergehende Auslagerung, 56 Prozent sehen aktuell keinen Bedarf und 54 Prozent sorgen sich um Know-how-Verlust. Managed Services werden damit bislang selektiv eingesetzt; ihr Nutzen liegt aus Sicht der Befragten vor allem in Fachkompetenz, Kapazitäten und Technologie.
„Wir gehen davon aus, dass künftig alle Unternehmen bestimmte Accountingaufgaben an kompetente, vertrauenswürdige Dienstleister abgeben werden. Der dadurch bessere Zugang zu Fachkompetenz und die Reduzierung des Fachkräftemangels – auch das zeigt die Studie – sind bei der Entscheidung für Managed Services deutlich wichtiger als Kostenvorteile.“
Mirsad Grizovic,Lead Capital Markets & Accounting Advisory Services bei PwC DeutschlandPwC-Studie: Managed Accounting & Reporting Services 2026
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Für die Studie „Managed Accounting & Reporting Services 2026“ befragte das Marktforschungsinstitut Verian im Auftrag von PwC von Februar bis April 2026 insgesamt 100 Führungskräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen privatwirtschaftlicher Unternehmen in Deutschland. 61 Prozent der Unternehmen stammen aus dem Dienstleistungssektor, 34 Prozent aus dem verarbeitenden Gewerbe und 5 Prozent aus dem Handel. Die befragten Unternehmen beschäftigen mindestens 500 Mitarbeiter:innen; 52 Prozent haben 1.000 bis unter 5.000 Beschäftigte. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet. An einigen Stellen wird auf Ergebnisse der Vorgängerbefragung aus dem Jahr 2024 hingewiesen.