PwC-Studie: Im 1. Halbjahr 2026 wurden 105 Transaktionen angekündigt – bei steigendem Transaktionswert / Resilienz und strategische Allianzen gewinnen an Bedeutung / Golf-Region rückt als Logistik-Konnektor stärker in den Fokus des Welthandels
Düsseldorf, 21. Juli 2026
Die globale Transport- und Logistikindustrie zeigt im ersten Halbjahr 2026 trotz geopolitischer Spannungen eine robuste, aber deutlich selektivere M&A-Aktivität. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Ausgabe des Transport & Logistics Barometers, für das die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland halbjährlich gemeinsam mit ihrer globalen Strategieberatung Strategy& die aktuellen Entwicklungen, Mergers & Acquisitions (M&A), Joint Ventures und strategischen Allianzen in der Transport- und Logistikindustrie analysiert.
Von Januar bis Juni 2026 wurden im weltweiten Transport- und Logistiksektor 105 Transaktionen mit einem Wert von mindestens 50 Millionen US-Dollar angekündigt. Damit lag die Deal-Anzahl nur leicht unter dem Wert des Vorjahreszeitraums von 108 Transaktionen. Der Gesamtwert stieg dagegen um 2,9 Prozent auf 64,3 Milliarden US-Dollar. Das durchschnittliche Volumen lag mit 612,4 Millionen US-Dollar deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.
„Wir beobachten in der ersten Jahreshälfte 2026 keinen schwächeren, sondern einen selektiveren M&A-Markt im globalen Transport- und Logistiksektor. Dabei konzentriert sich das Kapital auf die Vermögenswerte, die Widerstandsfähigkeit, Kontrolle über das Netzwerk und die Ertragsqualität stärken.“
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung bei großvolumigen Transaktionen. Im ersten Halbjahr wurden 17 Mega-Deals mit einem Wert von jeweils mehr als einer Milliarde US-Dollar angekündigt. Sie zeigen, dass auch in einem vorsichtigen Marktumfeld große Transaktionen möglich sind, wenn sie Skaleneffekte, Zugang zu kritischen Logistikfähigkeiten oder Kontrolle über zentrale Netzwerke versprechen. Der geopolitische Hintergrund verstärkt diese Logik: Die massiven Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus verdeutlichen einmal mehr, wie verletzlich globale Handelsrouten und Kapazitätsplanungen sind.
Der aktivste Subsektor in der ersten Jahreshälfte war der Bereich Logistik und Güterverkehr: 45 der angekündigten Transaktionen mit einem Gesamtwert von 24,5 Milliarden US-Dollar zielten auf diesen Teilsektor ab. Zum Vergleich: Im zweiten Halbjahr 2025 lag der Gesamtwert bei 8,2 Milliarden US-Dollar. Der Bereich Schifffahrt bildete die zweite zentrale Säule mit 27 angekündigten Transaktionen im Gesamtvolumen von 16,6 Milliarden US-Dollar. Infrastrukturbezogene Deals fanden selektiver statt, mit nur 17 angekündigten Deals, und konzentrierten sich auf Häfen, Straßen und strategische Terminal-Anlagen.
Regional blieb Asien & Ozeanien mit 68 der 105 angekündigten Transaktionen bei der Anzahl an Deals führend, während Europa durch besonders hohe durchschnittliche Deal-Größen hervorstach: 27 Transaktionen mit europäischer Beteiligung wurden angekündigt, die einen Gesamtwert von 30,3 Milliarden US-Dollar erreichen.
Käufer und Zielunternehmen aus dem Nahen Osten waren an zwölf angekündigten Transaktionen mit einem Gesamtwert von rund 7,09 Milliarden US-Dollar beteiligt. Das ist bereits mehr als der Gesamtwert des Jahres 2025 (5,47 Milliarden US-Dollar). In sieben der Transaktionen waren Investoren oder Zielunternehmen aus den Ländern des Golf-Kooperationsrats (GCC) involviert: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait, Bahrain und Oman.
Parallel zur M&A-Aktivität gewinnen strategische Allianzen an Bedeutung. Nach 193 Ankündigungen im Jahr 2025 wurden im ersten Halbjahr 2026 bereits 105 Allianzen, Joint Ventures und Codeshare-Vereinbarungen verzeichnet – rund 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
„Transport- und Logistikunternehmen kombinieren zunehmend selektive Fusionen und Übernahmen mit strategischen Partnerschaften, um Fähigkeiten schneller aufzubauen und die Resilienz ihrer Netzwerke zu stärken.“
Das prägende Thema der ersten Jahreshälfte waren die geopolitischen Spannungen in der Golfregion, die zu einer erheblichen Störung des Seeverkehrs rund um die Straße von Hormus führen und die Transport- und Logistikbranche vor große Herausforderungen stellen. Die Beeinträchtigungen betreffen Handelsströme im Wert von rund 650 Milliarden US-Dollar und 20 bis 25 Prozent der globalen Öltransporte. Für Reedereien, Verlader und Infrastrukturbetreiber steigen damit die Anforderungen an alternative Korridore, multimodale Lösungen und digitale Umleitungsfähigkeit.
„Die Lage rund um die Straße von Hormus hat die Rolle der Länder des Golf-Kooperationsrats GCC für den Welthandel ins Rampenlicht gerückt.“
So habe sich der GCC durch seine geografische Lage zwischen Asien, Europa und Afrika sowie durch gezielte Investitionen in Häfen, Flughäfen und Binneninfrastruktur zu einer der wichtigsten Logistikregionen auf dem Ost-West-Korridor entwickelt.
„Die Golf-Region dürfte künftig eine noch prominentere Rolle spielen: Sie entwickelt sich vom Transitkorridor zu einem wichtigen Wachstumsmarkt und strategischen Konnektor für globale Lieferketten“, so Burkhard Sommer weiter. Der Fokus der Länder des GCC liege nicht mehr nur auf ihrer Rolle als Logistikdrehkreuz; die Region repräsentiere künftig vielmehr ein resilientes, kommerziell strukturiertes Ökosystem.
„Transport- und Logistikunternehmen, denen es gelingt, im GCC-Raum Häfen, Luftfracht, Binnenkorridore und Logistikimmobilien intelligent zu verbinden, verschaffen sich einen zentralen Wettbewerbsvorteil.“
Aus Sicht der PwC-Expert:innen dürfte die M&A-Aktivität auch im weiteren Jahresverlauf selektiv, aber strategisch relevant bleiben. Kapital werde vor allem in Vermögenswerte fließen, die eine klare strategische Logik und resiliente Cashflows aufweisen sowie einen messbaren Beitrag zur Robustheit von Lieferketten leisten. Strategische Allianzen – etwa im Bereich der autonomen Mobilität, digitaler Frachtplattformen und Verteidigungslogistik – bleiben eine wichtige Ergänzung zu klassischen Transaktionen.
„Die nächste Phase der Deal-Aktivität wird weniger durch Kapazitätswachstum geprägt sein. Entscheidend wird vielmehr die Fähigkeit, Netzwerke zu orchestrieren, Korridore zu diversifizieren, Technologien zu integrieren und operative Flexibilität abzusichern.“
Die halbjährliche Studie basiert auf aktuellen Daten von Refinitiv und S&P Global Capital IQ zu den globalen Mergers & Acquisitions, Private Placements, Joint Ventures und strategischen Allianzen. Die Analyse zu Venture Capital Deals basiert auf Daten von Pitchbook.
PwC unterstützt seine Kunden dabei, Vertrauen aufzubauen und sich neu zu erfinden. Im PwC-Netzwerk verwandeln mehr als 365.000 Mitarbeitende in 136 Ländern täglich komplexe Herausforderungen in Chancen und Wettbewerbsvorteile. Mit modernsten Technologien und fundiertem Fachwissen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuern, Recht und Beratung tragen wir dazu bei, Momentum zu schaffen, auszubauen und zu erhalten.
PwC Deutschland bezeichnet in diesem Dokument die PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die eine Mitgliedsgesellschaft der PricewaterhouseCoopers International Limited (PwCIL) ist. Jede der Mitgliedsgesellschaften der PwCIL ist eine rechtlich selbstständige Gesellschaft.
Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.
Strategy& ist die globale Strategieberatung von PwC. Wir entwickeln individuelle Geschäftsstrategien für weltweit führende Unternehmen, basierend auf differenzierenden Wettbewerbsfähigkeiten. Wir sind die einzige Strategieberatung als Teil eines globalen Professional Services Netzwerks. Unsere Expertise kombinieren wir mit Technologie und erarbeiten daraus eine passende Strategie, die effizient umsetzbar ist. "Strategy, made real" heißt für uns, den digitalen Wandel voranzutreiben, die Zukunft mitzugestalten und Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. 4.500 Strategieberater:innen und mehr als 365.000 PwC Mitarbeiter:innen in 136 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei.