60 Prozent der Accounting-Abteilungen in Unternehmen erfüllen regulatorische Anforderungen nur mit Mühe / 76 Prozent erwarten Entlastung durch KI, doch die Prozessanpassung steht meist noch aus / Fachkompetenz ist Top-Motiv für Managed Services, nicht Kostenvorteile
Frankfurt am Main, 7. Oktober 2026
Der Fachkräftemangel entwickelt sich im Accounting zum Qualitätsrisiko. Das und mehr zeigt die Studie „Managed Accounting & Reporting Services 2026“. Für die Publikation hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland im ersten Halbjahr 2026 leitende Mitarbeiter:innen aus dem Finanz- und Rechnungswesen von 100 privatwirtschaftlichen Unternehmen befragt. 38 Prozent der befragten Unternehmen melden einen sehr oder eher starken Mangel an Fachkräften. 60 Prozent sagen, dass sie regulatorische Anforderungen wegen des Fachkräftemangels nur mit Mühe erfüllen können. 55 Prozent sehen die Qualität ihrer Accountingprozesse gefährdet.
Weitere Studienergebnisse im Detail: 76 Prozent der Befragten erwarten, dass künstliche Intelligenz (KI) den Fachkräftemangel im Accounting zumindest teilweise kompensieren kann. Die Anpassung der Prozesse an KI steht allerdings meist noch am Anfang: Bislang haben nur 4 Prozent der Unternehmen ihre Accountingprozesse umfassend auf KI ausgerichtet, 21 Prozent passen bestimmte Prozesse derzeit an, 52 Prozent planen dies erst.
„Die Technik ist nicht der entscheidende Engpass. Unternehmen müssen ihre Prozesse standardisieren und konsequent auf KI ausrichten, wenn sie das KI-Potenzial wirklich heben wollen.“
Die technische Basis ist vielerorts vorhanden: 85 Prozent nutzen automatisierte Buchungs- und Workflow-Systeme, 46 Prozent Data Analytics und Business Intelligence. KI-basierte Assistenten sowie Lösungen zur Beleg- oder Vertragserkennung setzen jeweils 34 Prozent ein; 20 Prozent nutzen KI-basierte Lösungen zur (Teil-)Automatisierung. Viele Accounting-Abteilungen schätzen ihren technologischen Reifegrad recht positiv ein. Entscheidend ist jetzt, moderne Anwendungen in prüfbare Prozesse zu integrieren.
Das ist auch deshalb entscheidend für die Qualität des Accounting, weil die Anforderungen an das Accounting steigen: 72 Prozent der Befragten nennen wirtschaftliche Unsicherheiten als Treiber dafür, 71 Prozent die Komplexität der finanziellen Berichterstattung und 68 Prozent regulatorische Anforderungen. Allerdings steigen auch die Erwartungen an das Accounting – es soll sich von seiner traditionellen Backoffice-Funktion zu einem Werttreiber im Unternehmen entwickeln.
„Accounting kann sich zum Werttreiber entwickeln – aber nur, wenn es über die reine Verarbeitung und Berichterstattung von Finanzdaten hinaus stärker steuert und die Unternehmensleitung vorausschauend unterstützt.“
Das bedeutet, dass die strategische Rolle des Accounting relevanter wird. Derzeit sehen 57 Prozent der befragten Finanzfachleute für ihr Accounting ein Mischprofil aus klassischer Backoffice- und strategischer Funktion, 9 Prozent eine überwiegend strategische Rolle. Insgesamt schreiben damit 67 Prozent dem Accounting zumindest auch strategische Aufgaben zu. 33 Prozent ordnen es weiterhin überwiegend der traditionellen Backoffice-Funktion zu.
„Die Entwicklung hin zur strategischen Rolle wird das Accounting weiter prägen. Zum Werttreiber wird es aber erst, wenn es im Unternehmensalltag überwiegend strategische Aufgaben übernimmt.“
Steigende Anforderungen, höhere Erwartungen und der Fachkräftemangel bewegen Unternehmen dazu, bestimmte Accounting-Aufgaben externen Dienstleistern beziehungsweise Managed-Services-Anbietern zu übergeben. In 35 Prozent der befragten Unternehmen ist dies bereits Realität, allerdings überwiegend in geringem Umfang. Für eine stärkere Nutzung von Managed Services sprechen den Befragten zufolge vor allem der Zugang zu spezialisierten Fachkompetenzen (59 Prozent der Nennungen) und die Entlastung vom Fachkräftemangel (57 Prozent). Je 48 Prozent nennen mehr Flexibilität beim Ressourceneinsatz und den Zugang zu intern nicht verfügbarer Technologie. Kostenvorteile spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle – nur 32 Prozent der Befragten nannten diesen Aspekt. Das bedeutet, dass Managed Services vor allem Freiräume für strategische Aufgaben schaffen und damit die strategische Rolle des Accountings an Bedeutung gewinnt.
„Managed Services werden vor allem dann relevant, wenn Unternehmen Kompetenzen, Technologie und Kapazitäten schneller brauchen, als sie diese intern aufbauen können.“
Das Autorenteam leitet aus den Studienergebnissen eine Transformationsagenda ab: Kurzfristig sollten Accounting-Abteilungen Prozesse standardisieren, KI gezielt pilotieren und Managed Services prüfen. Mittelfristig gilt es, KI in produktive und prüfbare Prozesse zu überführen und standardisierbare Aufgaben an Kooperationspartner zu übergeben. Langfristig entwickelt sich die Finanzfunktion aus Sicht von PwC zu einem strategischen Werttreiber mit schlankem Kernteam, weitgehend digitalisiertem Standardbetrieb und verlässlichen Partnerschaften.
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