Neue Studie von PwC Deutschland, Strategy& und Handelsblatt Research Institute identifiziert zentrale Handlungsfelder: Von einer vernetzten Fähigkeitsarchitektur über eine strategische Steuerung der Wertschöpfung, effiziente Beschaffungsmodelle bis zur konsequenten Nutzung von Dual-Use-Innovationen und der Schließung der Skalierungslücke.
Düsseldorf, 15.9.2026
Die geplanten Ausgaben für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands – über 100 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030 – können mehr bewirken als die sicherheitspolitische Stärkung des Landes. MIt den richtigen Rahmenbedingungen tragen sie dazu bei, Wachstumsimpulse zu setzen, Innovationen zu beschleunigen und industrielle Wertschöpfung im Inland zu sichern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wirtschaftsfaktor Rüstung“ des Handelsblatt Research Institute (HRI) gemeinsam mit PwC Deutschland und Strategy&. Die Untersuchung ist Teil der Initiative „Standort Zukunft – Bausteine für ein neues Wirtschaftswunder“.
Der Befund ist ökonomisch nüchtern: Internationale Studien bewerten die gesamtwirtschaftlichen Wachstumseffekte von Rüstungsausgaben bislang überwiegend zurückhaltend. Die Investitionen sind damit kein automatischer Wachstumsmotor. Die Studie zeigt jedoch, dass sich dieser Effekt durch gezielte politische und wirtschaftliche Weichenstellungen deutlich verstärken lässt – entlang von fünf zentralen Handlungsfeldern:
Dass Deutschland über erhebliches Potenzial verfügt, zeigt der Blick auf die junge Szene: Die drei, laut Dealroom-Schätzungen, am höchsten bewerteten Defence-Tech-Start-ups Europas – Helsing, Quantum Systems und Stark – stammen alle aus Deutschland. Zusammen erreichen die zehn wertvollsten deutschen Jungunternehmen einen geschätzten Wert von rund 30 Milliarden US-Dollar, gegenüber knapp sechs Milliarden im übrigen Europa.
„Die Zeitenwende wird nicht durch mehr Mittel allein zum wirtschaftlichen Impuls, sondern durch deren gezielte Verwendung. Konkret bedeutet das: Wir sollten die Wertschöpfung stärker im Inland verankern, Beschaffungsverfahren spürbar verkürzen und Innovationen konsequent bis in die Serienproduktion begleiten. Der entscheidende Engpass ist nicht das Budget, sondern die Geschwindigkeit, mit der Staat und Industrie entscheiden und Kapazitäten aufbauen.“
Für die Analyse wurden führende Vertreter aus Industrie, Start-up-Szene und Bundeswehr befragt – darunter Michael Schöllhorn (Airbus Defence and Space), Dr. Nils Förster (Quantum Systems), Flottillenadmiral Christian Bock (Innovationszentrum der Bundeswehr), Dr. Klemens Gaida (DefenseTech-Inkubator.NRW), Thomas Röwekamp (Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag) oder Jan Becker (Apex.AI).
Den größten Handlungsbedarf sieht die Studie bei den Beschaffungsprozessen. Langwierige und komplexe Verfahren erschweren Investitionen, hemmen Innovationen und verzögern den notwendigen Kapazitätsaufbau.
„Entscheidend wird sein, ob wir es schaffen, innovative Anbieter und den Mittelstand konsequent einzubinden. Das größte Innovationspotenzial liegt heute oft dort, wo klassische Beschaffung bislang nicht hinreicht.“
Die Studie macht deutlich: Die Zeitenwende ist nicht automatisch ein wirtschaftlicher Wachstumsmotor. Werden jedoch Innovationskraft, industrielle Wertschöpfung, Beschaffungseffizienz und europäische Zusammenarbeit gezielt gestärkt, können die sicherheitspolitisch notwendigen Investitionen zugleich einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands leisten.
Die vorliegende Analyse ist der dritte Teil der Studienreihe „Standort Zukunft“, die in weiteren Teilstudien über die kommenden eineinhalb Jahre zentrale Wachstumsfelder und deren Umsetzung vertiefend untersucht.
Im Fokus der weiteren Studien stehen unter anderem der industrielle Einsatz Künstlicher Intelligenz, die Energiewende und Mobilität. Zudem werden die Rolle des Unternehmertums sowie die benötigten Fähigkeiten für den Wandel beleuchtet. Ziel ist es, konkrete Bausteine für eine neue Wachstumsphase der deutschen Wirtschaft zu identifizieren.
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