Verteidigungsausgaben: Nicht die Höhe des Budgets entscheidet, sondern seine Verwendung

  • Pressemitteilung
  • 15 Sep 2026

Neue Studie von PwC Deutschland, Strategy& und Handelsblatt Research Institute identifiziert zentrale Handlungsfelder: Von einer vernetzten Fähigkeitsarchitektur über eine strategische Steuerung der Wertschöpfung, effiziente Beschaffungsmodelle bis zur konsequenten Nutzung von Dual-Use-Innovationen und der Schließung der Skalierungslücke.

Düsseldorf, 15.9.2026

Die geplanten Ausgaben für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands – über 100 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030 – können mehr bewirken als die sicherheitspolitische Stärkung des Landes. MIt den richtigen Rahmenbedingungen tragen sie dazu bei, Wachstumsimpulse zu setzen, Innovationen zu beschleunigen und industrielle Wertschöpfung im Inland zu sichern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wirtschaftsfaktor Rüstung“ des Handelsblatt Research Institute (HRI) gemeinsam mit PwC Deutschland und Strategy&. Die Untersuchung ist Teil der Initiative „Standort Zukunft – Bausteine für ein neues Wirtschaftswunder“.

Der Befund ist ökonomisch nüchtern: Internationale Studien bewerten die gesamtwirtschaftlichen Wachstumseffekte von Rüstungsausgaben bislang überwiegend zurückhaltend. Die Investitionen sind damit kein automatischer Wachstumsmotor. Die Studie zeigt jedoch, dass sich dieser Effekt durch gezielte politische und wirtschaftliche Weichenstellungen deutlich verstärken lässt – entlang von fünf zentralen Handlungsfeldern:

  • Von Plattformen zu Netzwerken: Entwicklung einer Zielarchitektur für moderne Streitkräfte: Die Modernisierung der Bundeswehr ist weniger eine Beschaffungs- als vielmehr eine Architekturfrage. Es geht nicht darum, alte Plattformen durch neue zu ersetzen, sondern darum, eine durchgängige Fähigkeitsarchitektur aufzubauen, in der klassische Waffensysteme, digitale Lösungen und disruptive Zukunftstechnologien als ein zusammenhängendes System wirken.
  • Wertschöpfung strategisch steuern: Eine klare Make-or-Buy-Strategie sollte festlegen, welche Güter international beschafft und welche kritischen Fähigkeiten – etwa bei Halbleitern oder seltenen Erden – aus Souveränitätsgründen in Europa entwickelt werden. Verlässliche, mehrjährige Abnahmeperspektiven ermöglichen der Industrie den nötigen Kapazitätsausbau.
  • Nutzung kreativer Beschaffungs- und Vertragsmodelle: Während sich Technologien wie Drohnen in kurzen Zyklen weiterentwickeln, bleiben Strukturen und Prozesse der Beschaffung zu langwierig. Innovative Beschaffungsansätze bieten weiteres Potenzial. Performance-Based Contracting, As-a-Service-Modelle oder langfristige Miet- und Betreiberkonzepte können Effizienz und Flexibilität deutlich erhöhen.
  • Dual-Use-Innovationen nutzen: Technologien aus Künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit, Robotik und Raumfahrt wirken weit in die zivile Wirtschaft hinein – nahezu jeder zweite Industriearbeitsplatz weist einen Dual-Use-Bezug auf. Forschung, Entwicklung und Transfer sollten daher systematisch gefördert werden.
  • Die Skalierungslücke schließen: Für frühe Ideen findet sich Kapital, doch beim Sprung vom Prototyp zur Serienfertigung endet die Unterstützung oft zu früh und Innovationen wandern ins Ausland ab. Produktionsanlaufbürgschaften, Abnahmegarantien und ein koordinierter Aufbau eines Innovations-Ökosystems, insbesondere für Scale-ups, könnten noch umfangreicher privates Kapital mobilisieren und die entscheidende Wachstumsphase absichern.

Dass Deutschland über erhebliches Potenzial verfügt, zeigt der Blick auf die junge Szene: Die drei, laut Dealroom-Schätzungen, am höchsten bewerteten Defence-Tech-Start-ups Europas – Helsing, Quantum Systems und Stark – stammen alle aus Deutschland. Zusammen erreichen die zehn wertvollsten deutschen Jungunternehmen einen geschätzten Wert von rund 30 Milliarden US-Dollar, gegenüber knapp sechs Milliarden im übrigen Europa.

„Die Zeitenwende wird nicht durch mehr Mittel allein zum wirtschaftlichen Impuls, sondern durch deren gezielte Verwendung. Konkret bedeutet das: Wir sollten die Wertschöpfung stärker im Inland verankern, Beschaffungsverfahren spürbar verkürzen und Innovationen konsequent bis in die Serienproduktion begleiten. Der entscheidende Engpass ist nicht das Budget, sondern die Geschwindigkeit, mit der Staat und Industrie entscheiden und Kapazitäten aufbauen.“

Rainer Bernnat,Leiter Öffentlicher Sektor und Partner bei Strategy&

Für die Analyse wurden führende Vertreter aus Industrie, Start-up-Szene und Bundeswehr befragt – darunter Michael Schöllhorn (Airbus Defence and Space), Dr. Nils Förster (Quantum Systems), Flottillenadmiral Christian Bock (Innovationszentrum der Bundeswehr), Dr. Klemens Gaida (DefenseTech-Inkubator.NRW), Thomas Röwekamp (Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag) oder Jan Becker (Apex.AI).

Schnellere Beschaffung als zentraler Hebel

Den größten Handlungsbedarf sieht die Studie bei den Beschaffungsprozessen. Langwierige und komplexe Verfahren erschweren Investitionen, hemmen Innovationen und verzögern den notwendigen Kapazitätsaufbau. 

„Entscheidend wird sein, ob wir es schaffen, innovative Anbieter und den Mittelstand konsequent einzubinden. Das größte Innovationspotenzial liegt heute oft dort, wo klassische Beschaffung bislang nicht hinreicht.“

Rainer Bernnat,Leiter Öffentlicher Sektor und Partner bei Strategy&

Die Studie macht deutlich: Die Zeitenwende ist nicht automatisch ein wirtschaftlicher Wachstumsmotor. Werden jedoch Innovationskraft, industrielle Wertschöpfung, Beschaffungseffizienz und europäische Zusammenarbeit gezielt gestärkt, können die sicherheitspolitisch notwendigen Investitionen zugleich einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands leisten.

Teil einer umfassenden Initiative

Die vorliegende Analyse ist der dritte Teil der Studienreihe „Standort Zukunft“, die in weiteren Teilstudien über die kommenden eineinhalb Jahre zentrale Wachstumsfelder und deren Umsetzung vertiefend untersucht.

Im Fokus der weiteren Studien stehen unter anderem der industrielle Einsatz Künstlicher Intelligenz, die Energiewende und Mobilität. Zudem werden die Rolle des Unternehmertums sowie die benötigten Fähigkeiten für den Wandel beleuchtet. Ziel ist es, konkrete Bausteine für eine neue Wachstumsphase der deutschen Wirtschaft zu identifizieren.

Zur Studie

Standort Zukunft: Wirtschaftsfaktor Rüstung

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Das Handelsblatt Research Institute (HRI) ist ein unabhängiges Forschungsinstitut unter dem Dach der Handelsblatt Media Group. Es erstellt wissenschaftliche Studien im Auftrag von Kunden wie Unternehmen, Finanzinvestoren, Verbänden, Stiftungen und staatlichen Stellen. Dabei verbindet es die wissenschaftliche Kompetenz des 20-köpfigen Teams aus Ökonom:innen, Sozial- und Naturwissenschaftler:innen, Informationswissenschaftler:innen sowie Historiker:innen mit journalistischer Kompetenz in der Aufbereitung der Ergebnisse. Es arbeitet mit einem Netzwerk von Partner:innen und Spezialist:innen zusammen. Daneben bietet das Handelsblatt Research Institute Desk-Research, Wettbewerbsanalysen und Marktforschung an.

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Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.

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Pressekontakt

Karen Schubert-Rischer
Karen Schubert-Rischer

Manager, Marketing & Communications, PwC Germany

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