Interne Kontrollsysteme (IKS) sind das Fundament für sichere und effiziente Unternehmensprozesse. Sie sollen Risiken minimieren, Transparenz schaffen und die Basis für nachhaltige Entscheidungen bieten. Ein gutes IKS zeichnet sich durch klare, dokumentierte Prozesse, transparente Risikobewertungen, effektive und effiziente Kontrollen sowie deren unabhängige Angemessenheits- und Wirksamkeitsprüfung aus. Eine kontinuierliche Anpassung an neue gesetzliche und technologische Anforderungen ist ebenfalls ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Es unterstützt Unternehmen dabei, Fehler und Manipulationen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Doch die Realität sieht oft anders aus. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Kontrollsysteme an die wachsenden Anforderungen der Digitalisierung, regulatorische Veränderungen (z. B. Nachhaltigkeit) und die technologische Transformation anzupassen. Die Erwartungen sind dabei hoch: Automatisierung, KI und die Integration von ESG-Themen sowie neuer Regularien gelten als Schlüssel für zukunftsfähige Strukturen.
„Das IKS Barometer zeigt deutlich, dass viele Unternehmen vielversprechende Potenziale noch nicht ausschöpfen. Insbesondere die Digitalisierung der Kontrollsysteme bleibt oft Stückwerk. Dabei gibt es von automatisierten Kontrollprozessen bis hin zu KI-gestützten Testings bereits viele Ansatzpunkte für das IKS.“
Zu einem IKS zählen alle Maßnahmen, Prozesse und Instrumente, die dazu dienen, die Einhaltung von Richtlinien und gesetzlichen Anforderungen sicherzustellen sowie die Prozesse und Services qualitativ hochwertig und effizient zu performen. Die Untersuchung belegt, dass Kontrollen und die Aktivitäten des IKS-Regelkreislaufes vielerorts weiterhin manuell laufen. Unternehmen automatisieren selten und setzen kaum innovative Technologien ein. Neue regulatorische Anforderungen, wie beispielsweise die Nachhaltigkeitsberichterstattung, werden erst im Nachgang in das IKS aufgenommen. Die Ergebnisse machen aber auch klar: Wer jetzt handelt, kann entscheidende Vorteile gewinnen. Das IKS Barometer liefert einen umfassenden Überblick über den Status quo und zeigt, wo Unternehmen ansetzen müssen, um ihr IKS zukunftsfähig zu machen.
In Deutschland ist ein IKS insbesondere für kapitalmarktorientierte Unternehmen und bestimmte Branchen wie Finanzdienstleister gesetzlich vorgeschrieben. Aber auch andere Unternehmen profitieren von einem IKS, um Risiken zu steuern und Compliance sicherzustellen. Es gibt unterschiedliche Arten von internen Kontrollsystemen, je nach Unternehmensgröße, Branche und gesetzlichen Anforderungen. Dazu zählen unternehmensweite IKS, bereichsspezifische Kontrollsysteme (z. B. für Finanzen oder IT) sowie Systeme mit Fokus auf bestimmte Themen wie ESG oder Compliance. Moderne IKS integrieren zunehmend digitale und automatisierte Kontrollmechanismen.
Viele Unternehmen setzen noch immer auf klassische, manuelle Prozesse im IKS-Regelkreis. Personalaufwand und Zeitbedarf steigen dadurch spürbar. Die Mehrheit der Finanz- und Industrieunternehmen hat das IKS mit all seinen Prozessen bislang nicht vollumfänglich digitalisiert. Über 70 % der Finanzdienstleister und mehr als die Hälfte der Industriebetriebe arbeiten noch weitgehend analog.
Die Einführung von GRC- oder Prozessmodellierungs-Systemen zur Dokumentation der Kontrollen erfolgt ebenfalls nur zögerlich: Lediglich rund 50 % der Finanzdienstleister und etwa 30 % der Industrieunternehmen nutzen solche Systeme überhaupt. Die größten Hindernisse für eine umfassende Digitalisierung liegen laut den Befragten darin, dass Personal und Zeit fehlen. Viele Teams kämpfen mit begrenzten Ressourcen und schieben Digitalisierungsprojekte deshalb auf. Schon im IKS Barometer 2022 nannten 94 % der Befragten Personal und Zeit als wichtigste Faktoren für die Digitalisierung des IKS.
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im IKS bleibt ein Zukunftsthema. Aktuell setzen Unternehmen kaum KI-Lösungen ein. Der Anteil liegt nahezu bei null. Rund 15 % der Befragten prüfen und pilotieren immerhin, ob sich KI für Kontrollaktivitäten nutzen lässt. Das zeigt: Die Bereitschaft zur Innovation wächst langsam, aber die Umsetzung steckt noch in den Kinderschuhen. Auch Automatisierungspotenziale bei der Kontrolldurchführung werden bislang kaum ausgeschöpft. Die manuelle Durchführung der Kontrollen erhöht die „Cost of Controls“ und bremst die Effizienz. Ein Drittel der Unternehmen möchte deshalb den Automatisierungsgrad steigern, die Kosten senken und somit die Effizienz der Kontrollen verbessern.
Das IKS Barometer – Volume 2 zeigt außerdem, dass viele Unternehmen Kontrollen erst nach der Einführung neuer Abläufe implementieren oder verändern. Das führt zu Qualitätsproblemen und kann die Berichterstattung verfälschen. Besonders deutlich wird das am Beispiel der Nachhaltigkeitsberichterstattung. 52 % der Industriekunden und ca. 30 % der Finanzdienstleister haben ihr Kontrollinventar für die nichtfinanzielle Berichterstattung bislang nicht angepasst. Sie planen dies erst mittelfristig, also innerhalb der kommenden ein bis fünf Jahre. Die Integration von ESG-Themen ins IKS bleibt damit eine Aufgabe für die Zukunft.
Der Reifegrad der IKS-Systeme fällt mittelmäßig aus. Auf einer Skala von eins bis fünf bewerten die Befragten den aktuellen Stand mit durchschnittlich 3,3. Das spiegelt die Realität wider: Die Digitalisierung kommt nur langsam voran, Automatisierung bleibt die Ausnahme, und die IKS-Prozesse binden weiterhin viel Personal. Unternehmen erkennen die Notwendigkeit, ihre Kontrollsysteme zu modernisieren. Sie wollen die Effektivität steigern, Kosten senken und die Qualität der Berichterstattung sichern. Doch der Weg dorthin erfordert Investitionen, Know-how und vor allem Ressourcen. Nur so entsteht ein effektives internes Kontrollsystem, das interne Revision und das Management von Risiken eng verzahnen. An Ambitionen mangelt es derweil nicht: Ein Drittel der Unternehmen möchte den Automatisierungsgrad der Kontrollen erhöhen und die Cost of Controls (14 %) senken sowie die Effektivität der Kontrollen (ca. 20 %) verbessern.
Insgesamt macht die Untersuchung deutlich: Das Potenzial für digitale IKS-Prozesse und automatisierte Kontrollen ist groß. Wer jetzt handelt, kann Risiken besser steuern, Kosten reduzieren und die Anforderungen an Transparenz und Compliance erfüllen. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie konsequent Unternehmen diese Chancen nutzen.
Wer jetzt in moderne Technologien und in Managed Services investiert, schafft die Grundlage für effiziente, transparente und skalierbare interne Kontrollsysteme – und kann neue regulatorische Anforderungen rechtzeitig implementieren und beherrschen.“
Roman Schötz,Director Internal Audit & Controls Financial Services, PwC DeutschlandIKS Barometer – Volume 2
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Das „IKS Barometer – Volume 2“ analysiert zum wiederholten Mal, wie deutsche Unternehmen aus Industrie und Financial Services ihr internes Kontrollsystem managen und mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind. In 2025 wurden insgesamt 163 Unternehmen befragt. Die Teilnehmenden stammen aus kleinen Betrieben mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden bis hin zu großen Konzernen mit über 10.000 Beschäftigten. Der Großteil der Antworten stammt von Führungskräften, Geschäftsführungen und weiteren Verantwortlichen im IKS-Bereich.