Das bewährte Geschäftsmodell vieler deutscher Unternehmen gerät durch globale Krisen, geopolitische Spannungen und technologische Disruption massiv unter Druck. Was lange selbstverständlich schien – offene Märkte, technologische Spitzenposition, wettbewerbsfähige Energiepreise, politische Stabilität – wird zunehmend unsicher. Der daraus entstehende Transformationsdruck ist kein abstraktes Zukunftsszenario mehr, sondern in der gesamten Wirtschaft spürbar.
Entscheidend ist damit nicht mehr, ob Unternehmen den Wandel erkennen, sondern ob sie den Transformationsdruck richtig einschätzen, konsequent reagieren und die nötigen Fähigkeiten aufbauen. Genau hier setzt der Transformationsindex Deutschland an: Er misst, wie deutsche Unternehmen das makroökonomische Lagebild wahrnehmen, wie sie darauf reagieren und ob die Reaktion ausreichend ist.
Bevor Unternehmen auf den Wandel reagieren können, müssen sie ihn sehen: Wer Transformationsdruck früh erkennt und richtig einordnet, verschafft sich den entscheidenden Vorsprung. Die Herausforderung liegt darin, richtig einschätzen zu können, wie sich verschiedene Kräfte auf die Transformation des eigenen Unternehmens auswirken.
Diese globalen Einflussfaktoren bestimmen das Umfeld deutscher Unternehmen in den kommenden Jahren:
Entscheidend ist, wie konsequent Unternehmen den wahrgenommenen Druck in konkrete Maßnahmen und echte Transformationsfähigkeit übersetzen. Nicht das Problembewusstsein trennt die Vorreiter von den Nachzüglern, sondern die Fähigkeit zur Umsetzung.
Der Transformationsdruck ist hoch und Unternehmen nehmen ihn deutlich wahr. Mehr als die Hälfte erkennen in Veränderungen der geopolitischen Landschaft und des regulatorischen Umfelds sowie den Erwartungen von Stakeholdern, wie Kunden und Gesellschaftern, großen oder sehr großen Einfluss darauf, wie ihr Unternehmen Werte schafft und erhält. An der Spitze stehen jedoch zwei andere Kräfte: neue Technologien und Energiekosten. Den geringsten Einfluss messen Unternehmen dem Klimawandel bei.
Die Reaktion darauf erfolgt analog. Rund zwei Drittel oder mehr der Befragten haben Maßnahmen geplant oder bereits begonnen, um auf den Transformationsdruck zu reagieren – etwa ihr Geschäftsmodell angepasst, Lieferketten restrukturiert oder interne Strukturen reorganisiert. Am häufigsten nennen sie die Qualifizierung ihrer Belegschaft (79 %) und die Einführung neuer Technologien (77 %). Am zurückhaltendsten sind sie beim Aufbau von Partnerschaften und Ökosystemen (65 %).
Deutsche Unternehmen schauen also nicht passiv auf die Veränderungen ihres Umfelds. Ihre Reaktion folgt bemerkenswert eng dem wahrgenommenen Druck: Wo er am höchsten ist – bei der Technologie – reagieren sie am stärksten. Genau dort öffnet sich aber auch eine messbare Lücke.
Gerade Technologien wie KI entwickeln sich so schnell, dass viele Organisationen bei der Integration in ihre Wertschöpfung kaum Schritt halten können. Doch darüber hinaus stellt sich eine grundlegende Frage: Wenn die meisten Unternehmen den Wandel erkennen und darauf reagieren, warum entwickeln sich manche erfolgreicher als andere? Der Transformationsindex Deutschland setzt dazu den wahrgenommenen Transformationsdruck und die beschriebene Transformationsfähigkeit ins Verhältnis – und identifiziert unterschiedliche Gruppen von Unternehmen:
Change-Leader (41 %): Sie erkennen Veränderungen früh, reagieren konsequent und erzielen einen hohen Transformationserfolg. Bemerkenswert ist: Sie nehmen auch den höchsten Transformationsdruck wahr. Ihr Erfolg entsteht nicht trotz des Drucks, sondern durch eine frühe Auseinandersetzung mit ihm.
Change-Responder (16 %): Sie sehen den Transformationsdruck fast ebenso deutlich, übersetzen ihn aber noch nicht in vergleichbare Fähigkeiten und Ergebnisse wie Change-Leader. Sie bilden somit die Gruppe mit dem größten Entwicklungspotenzial.
Change-Preserver (30 %): Sie nehmen deutlich weniger Druck wahr – etwa weil ihre Branche noch nicht so stark betroffen ist – und sehen entsprechend weniger Handlungsbedarf. Ihre Herausforderung liegt möglicherweise weniger in fehlenden Fähigkeiten als darin, dass sie vom Wandel überrascht werden könnten.
Change-Preparer (13 %): Diese Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass sie geringen Druck wahrnimmt, aber hohe Fähigkeiten besitzt. Diese Unternehmen scheinen gut auf einen bevorstehenden Wandel vorbereitet – allerdings investieren sie aktuell mehr in Transformationsfähigkeiten als sie eigentlich müssten.
Vorreiter beobachten und bewerten technologische Veränderungen, geopolitische Risiken, neue Wettbewerber oder veränderte Kundenanforderungen – und übersetzen sie unmittelbar in die Entwicklung neuer Fähigkeiten. Für sie ist Druck nichts Negatives, sondern ein Ansporn für Transformation. Bei Change-Preservern kehrt sich dieser Mechanismus um. Wer wenig Druck wahrnimmt, sieht wenig Handlungsbedarf und reagiert entsprechend schwach.
„Eine Strategie ist immer nur so gut wie ihre Umsetzung in die Praxis. Besonders in herausfordernden Zeiten gilt es, Risiken und Chancen frühzeitig zu erkennen und schnell mit den richtigen Maßnahmen zu reagieren. Genau darin liegt der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg.“
Für Unternehmen kommt es nicht nur darauf an, Risiken einzuschätzen und zu steuern, sondern sie bewusst einzugehen und als Chancen zu nutzen: Wer etwa die Grenzen der eigenen Organisation überwindet und in Ökosystemen gemeinsam handelt, macht aus Transformationsdruck den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Denn mit weiter steigendem Druck stoßen die Fähigkeiten einzelner Unternehmen an ihre Grenzen. Ein wertschöpfender Einsatz von KI, digitale Erlösmodelle oder resiliente Lieferketten lassen sich kaum noch allein innerhalb der eigenen Organisation umsetzen. Ökosystem-Partnerschaften sind ein wichtiger Treiber der Transformation.
Wissen
Für Unternehmen ist entscheidend, wie schnell sie auf Fähigkeiten, Wissen und Ressourcen außerhalb der eigenen Organisation zugreifen können. Ökosysteme ermöglichen es, Innovationen schneller zu entwickeln, technologische Kompetenzen zu integrieren und neue Geschäftsmodelle zu erproben, ohne alle Fähigkeiten selbst aufbauen zu müssen.
Technologie
Technologie ist der große Treiber der Transformation. Deshalb setzen 52 % in diesem Bereich auf Ökosysteme. Durch die Zusammenarbeit mit Start-ups oder durch Corporate Venturing haben Unternehmen die Chance, ihr klassisches Geschäftsmodell um datengetriebene Lösungen zu erweitern.
Innovation
Innovation und Wertschöpfung entstehen zunehmend an Schnittstellen und über klassische Branchengrenzen hinweg. Durch die Kooperation mit Start-ups oder eigenes Corporate Venturing können Unternehmen Innovationen schneller entwickeln und Produkte schneller marktreif machen – oft kostengünstiger und flexibler als über klassische Forschung und Entwicklung.
Kooperationen verlangen den beteiligten Partnern ein hohes Maß an Anpassungsbereitschaft ab. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Technologie. Inkompatible IT-Systeme oder uneinheitliche Datenstandards stellen die größte Hürde für eine erfolgreiche Kooperation dar.
Change-Leader sind sich dieser Hürden nicht zuletzt aufgrund ihrer stärkeren Technikorientierung und Innovationsbereitschaft bewusster. Change-Responder hingegen haben größere Schwierigkeiten, die passenden Partner für eine Ökosystem-Kooperation zu finden – zum einen, weil sie schlechter vernetzt sind, zum anderen, weil sie oft erst reaktiv und unter dem Druck der Transformation nach geeigneten Partnern suchen.
„Kooperation scheitert selten an der Idee, sondern an der Umsetzung. Wer wirklich davon profitieren möchte, muss vorher die Voraussetzungen schaffen – etwa IT-Systeme und einheitliche Datenstandards.“
Ökosysteme entfalten ihr Potenzial nicht automatisch. Entscheidend ist, ob Unternehmen externe Zusammenarbeit strategisch steuern. Auch hier unterscheiden sich Change-Leader von anderen Unternehmen: Sie nutzen Netzwerke nicht nur punktuell, sondern als Instrument, um ihre Anpassungsfähigkeit, Innovationskraft und Resilienz systematisch zu steigern.
Den Erfolg von Ökosystempartnerschaften bewertet ein Großteil der Unternehmen bislang eher zurückhaltend. Allerdings unterscheidet sich die Bewertung des Kooperationserfolgs der Change-Leader deutlich von der gesamten Stichprobe: Bei 27 % übertreffen Partnerschaften die Erwartungen deutlich, bei 35 % übertreffen sie sie leicht. Nur 11 % der Partnerschaften von Change-Leadern bleiben hinter den Erwartungen zurück. Auch das zeigt: Ob ein Unternehmen mit dem Tempo der Veränderung mithält, hängt maßgeblich davon ab, wie gut es in Netzwerken zusammenarbeitet.
Wie bei der Integration neuer Technologien im Unternehmen entfalten auch Ökosystem-Kooperationen ihr volles Potenzial erst dann, wenn sie nicht als isolierte Projekte betrachtet, sondern für die Neuausrichtung des Geschäftsmodells genutzt werden.
Erfolgreiche Unternehmen reagieren nicht nur deshalb besser auf Transformationsdruck, weil sie über mehr interne Ressourcen verfügen. Sie sind auch anpassungsfähiger, weil sie die Fähigkeiten eines Ökosystems für sich nutzbar machen.
Transformationsindex Deutschland
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Der Transformationsindex Deutschland (TRAX) von PwC Deutschland verbindet verschiedene Datenquellen, um ein umfassendes Bild der Transformationsfähigkeit deutscher Unternehmen zu zeichnen.
Eine makroökonomische Analyse in Kooperation mit PwC Intelligence nutzt öffentliche Daten (bspw. von Destatis, OECD, Eurostat, WIPO-Index) und identifiziert aus einer globalen, makroökonomischen Perspektive die Treiber der Transformation.
Ergänzt und konkretisiert wird diese Analyse durch eine repräsentative Onlinebefragung von 306 C-Level-Executives deutscher Unternehmen (mindestens 100 Beschäftigte). Sie ermittelt, welchen Transformationsdruck Unternehmen spüren, mit welchen Maßnahmen sie darauf reagieren und wie sie den eigenen Transformationserfolg bewerten.
Weitere Erläuterungen zur Berechnung der Indexwerte und zur Cluster-Analyse der verschiedenen Unternehmenstypen (Change-Leader, Responder, Preserver) finden sich im Studienreport.