Digitalisierung im Finanz- und Rechnungswesen 2022

PwC-Studie: KI und Process Mining mit ungenutztem Potenzial

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Prof. Dr. Rüdiger Loitz

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Partner und COO Assurance bei PwC Deutschland
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Digitalisierung und die Zukunft der Abschlussprüfung

Die Digitalisierung verändert auch das Finanz- und Rechnungswesen immer weiter. Längst geht es nicht mehr nur darum, bestimmte Prozesse und Strukturen einfach nur in die digitale Sphäre zu überführen – sondern darum, wie digitale Technologien die Arbeitsweise der Finanzfunktion grundsätzlich verändern können. Vor allem Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und Process Mining bieten Anwender:innen großes Potenzial – das aber vielfach weiterhin noch ungenutzt bleibt.

Das ist eines der Kernergebnisse der siebten Ausgabe der PwC-Studie „Digitalisierung im Finanz- und Rechnungswesen 2022 – und was sie für die Zukunft der Abschlussprüfung bedeutet“. Dazu hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland 100 größere und mittlere Unternehmen in Deutschland unter anderem dazu befragt, welche Potenziale sie in modernen Technologien sehen und inwiefern sie diese bereits nutzen. Außerdem gibt die Untersuchung einen Überblick darüber, wie weit die deutschen Unternehmen bereits damit fortgeschritten sind, ihr Finanz- und Rechnungswesen und speziell die Abschlussprüfung zu digitalisieren. Die Veröffentlichung umfasst auch vier vertiefende Darstellungen von Technologien, die für die digitale Abschlussprüfung der Zukunft besonders wertvoll sind.

„Bei knapp der Hälfte der Befragten ist die Digitalisierung der Abschlussprüfung klarer Bestandteil einer übergreifenden Transformation der Finanzfunktion. Das ist sinnvoll, weil Unternehmen bei einer stärker datengetriebenen Finanzfunktion diese Daten für die Abschlussprüfung optimal nutzen sollten. Zumal die internen und externen Anforderungen an das Reporting stetig steigen.“

Prof. Dr. Rüdiger Loitz, Partner und COO Assurance bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick

Besseres Wissen um digitalen Reifegrad

42 % der Unternehmen schätzen den Grad der Digitalisierung ihres Finanz- und Rechnungswesens als durchschnittlich ein (2021: 52 %), 35 Prozent halten ihn für progressiv (2021: 29 %), 23 % für konservativ (2021: 18 %). Dass sich weniger Befragte im Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen wähnen, spricht dafür, dass sie ihren eigenen digitalen Reifegrad immer besser einschätzen können – eine gute Ausgangsbasis für gezielte Verbesserungen.

Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) arbeiten an einer umfassenden Transformation ihrer Finanzfunktion, bei knapp der Hälfte (45 Prozent) ist die Abschlussprüfung Teil dieser Transformation.

Technologie ersetzt häufiger manuelle Arbeiten

Nach wie vor nutzen drei von vier Unternehmen Excel für ihr internes Reporting – das sind deutlich mehr als 2021 (57 %). Dies deutet tendenziell auf einen geringen Automatisierungsgrad hin. Erklärbar ist dieser relativ hohe Wert allerdings mit zusätzlichen Reporting-Anforderungen, wie sie etwa die EU-Taxonomie stellt. Hierfür verfügen viele Unternehmen noch nicht über dezidierte Tools und haben Prozesse entsprechend noch nicht automatisiert.

Dennoch: Insgesamt ist der Anteil der Unternehmen, bei denen Technologie in hohem Maße manuelle Tätigkeiten im Finanz- und Rechnungswesen ersetzt, von 31 auf 38 % gestiegen.

Unternehmen unterschätzen tendenziell die Möglichkeiten von KI und Process Mining

Praktisch alle Befragten (96 %) versprechen sich von einer stärker digitalen Abschlussprüfung Effizienzgewinne. 90 Prozent der Unternehmen wollen mit der Digitalisierung zukunftsfähig bleiben – deutlich mehr als noch 2021 (61 Prozent).

Die Zukunftsfähigkeit können auch Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) sichern. Allerdings nutzen diese erst 17 % der Befragten – und 54 % haben sich noch nicht mit deren Einsatz beschäftigt.

67 % erwarten deutliche Veränderungen bei der Prüfung von Geschäftsprozessen. PwC sieht hier insbesondere für Process Mining erhebliches Potenzial, weil die Technologie in der Lage ist, sämtliche Geschäftsprozesse zu durchleuchten, Redundanzen zu identifizieren und Systembrüche aufzuzeigen, die den Prüfungsmandaten helfen, Optimierungen vorzunehmen.

Deep Dives: Anwendungen und Technologien

LucaNet

Leistungsstarke Schnittstellen für den Konzernabschluss und mehr

Nach wie vor ist die Erstellung der Konzernabschlüsse gerade in mittelständischen Unternehmen mit vielen manuellen Prozessen verbunden. Damit lassen Organisationen viel Effizienzpotenzial unausgeschöpft. Hinzu kommt: Manuelle Prozesse, etwa Zahlen-übertragungen in Tabellenkalkulationen, sind sehr fehleranfällig. Solche Prozesse stärker zu automatisieren, hilft dabei, Fehler zu reduzieren – und damit die Qualität des Abschlusses insgesamt zu erhöhen. 

Ein etabliertes Werkzeug, um dies zu erreichen, ist zum Beispiel LucaNet.

Mit dem Tool lassen sich unter anderem die einzelnen Konsolidierungsschritte definieren, strukturieren und automatisiert durchführen. LucaNet sammelt die Daten aus verschiedenen Quellen, etwa Finanzbuchhaltungssystemen, ERP-Systemen, aber auch Excel-Dateien. Die Daten werden aggregiert, verarbeitet und ggf. zusätzlich angereichert – und lassen sich dank intelligenter Schnittstellen an andere Systeme weitergeben.

Workiva

Vom Piloten zum Standard in Rekordzeit

Für die komplexen Prüfungsberichte etwa von Banken und Versicherungen bietet Workiva eine Lösung. Mitte 2021 bei PwC als Pilot gestartet, ist Workiva inzwischen bei den meisten Banking- und Insurance-Mandanten im Regeleinsatz. Die Plattform integriert Informationen etwa aus Tabellenkalkulationen und Präsentationen, auch aus E-Mails und anderen unstrukturierten Daten. Die zugrundeliegenden Daten werden verlinkt und lassen sich so an jeder beliebigen Stelle des Berichts einsetzen.

Codepan

Zukunftssichere KI-Modelle mit System

Codepan bietet Unternehmen eine anwendbare Lösung zur Automatisierung mittels KI. Das „AI Launchpad“ fungiert dabei als eine Art KI-Betriebssystem. Codepan unterstützt potenzielle Anwender:innen systematisch: vom Check, ob sich eine bestimmte Aufgabe überhaupt mit KI sinnvoll erfüllen lässt, über die rasche Entwicklung mit einem agilen Framework bis hin zu Bereitstellung, Wartung und Skalierbarkeit.  Der hochgradig modulare und individuell konfigurierbare KI-Entwicklungsansatz stellt eine hohe Integrationsfähigkeit sicher.

Process Mining in der Abschlussprüfung

Einen innovativen Ansatz für schnellere und bessere Geschäftsentscheidungen bieten Business-Process-Intelligence- und Execution-Management-Lösungen (Anbieter wie bspw. Celonis oder SAP Signavio). Diese kombinieren die modernen, auf Machine Learning und KI basierenden Technologien Process Mining, Predictive Data Analytics und Automatisierung. Mit ihnen analysieren Anwender:innen Geschäftsprozesse tief, identifizieren bislang verborgene Effizienzpotenziale und automatisieren und optimieren bestimmte Prozesse und Anwendungen.

„Viele KI-Anwendungen bleiben Konzept. Nutzt man KI für vermeintlich kleinere Anwendungen, etwa die Extraktion von Daten aus Standarddokumenten, schöpft man die Potenziale deutlich besser aus.“

Hans-Peter Dittmar, Director Assurance Business Transformation, PwC Deutschland

Die Methodik

An der Studie haben 100 große und mittelständische Unternehmen in Deutschland teilgenommen. Diese wurden im Frühjahr 2022 durch das Meinungsforschungsinstitut Kantar Deutschland befragt.

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