Die Lage deutschsprachiger Familienunternehmen ist angespannt – fast jedes dritte Unternehmen muss Umsatzeinbußen verkraften.
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Uwe Rittmann
Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC Deutschland
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Lange konnten Familienunternehmen den multiplen Krisen der vergangenen Jahre trotzen, doch jetzt spüren auch sie den Gegenwind. Ihre ökonomische Situation ist schwierig geworden – das betrifft insbesondere die deutschsprachigen Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihre Wachstumserwartungen für die kommenden zwei Jahre sind gedämpft, fast ein Drittel musste im Jahr 2025 Umsatzrückgänge verkraften.
Wachstumschancen sehen die Unternehmen in neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz – theoretisch. In der Praxis aber agieren sie ausgesprochen zurückhaltend und konzentrieren sich lieber auf ihr Kerngeschäft. Das sind zentrale Ergebnisse des zwölften Family Business Survey 2025, für den PwC 1.325 Familienunternehmen aus 62 Ländern befragt hat, darunter 150 aus der DACH-Region.
„Familienunternehmen unterschätzen den disruptiven Wandel, der mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz einhergeht, fundamental. Es reicht nicht mehr aus, Produkte anzupassen und in einzelne Technologien zu investieren. Die Unternehmen müssen vielmehr ihr gesamtes Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen.“
Geopolitische Unwägbarkeiten und Machtverschiebungen, technologische Umbrüche und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Die zahlreichen Krisen der vergangenen Jahre haben ihre Spuren in den Bilanzen vieler Firmen und auch etlicher deutschsprachigen Familienunternehmen hinterlassen. Lediglich 41 Prozent der befragten Unternehmen konnten im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum erzielen, 30 Prozent mussten Umsatzrückgänge verkraften. Das ist das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2002. Auffällig ist, dass die deutschsprachigen Familienunternehmen mehr zu kämpfen haben als ihre weltweiten Pendants (global: 57 Prozent Wachstum, 15 Prozent Rückgang). Die traditionell starke Export-Orientierung ist hier eine besondere Belastung.
Auch der Blick in die Zukunft fällt eher pessimistisch aus: Für die kommenden zwei Jahre erwarten lediglich 58 Prozent der DACH-Familienunternehmen ein Wachstum – 15 Prozentpunkte weniger als im weltweiten Vergleich.
Die deutschsprachigen Familienunternehmen leiden insbesondere unter dem hohen Markt- und Wettbewerbsdruck weltweit, wie 74 Prozent der Befragten bestätigen (global: 60 Prozent). Er entsteht etwa durch günstige Importe aus China, die zum Teil staatlich subventioniert werden. Weitere Hürden, die Familienunternehmen zu schaffen machen: die allgemeine Talent- und Führungskräfteentwicklung mit 55 Prozent. Als Hürden gelten ebenso hohe Anforderungen in puncto Regulierung und Compliance (34 Prozent).
Auch die technologischen Umbrüche fordern Familienunternehmen heraus. Die Studienteilnehmer:innen haben erkannt, vor welch disruptiven Veränderungen sie durch Technologien wie Künstliche Intelligenz stehen. Deshalb wollen sie schnell reagieren und davon profitieren – 71 Prozent sehen in der digitalen Transformation und Automatisierung, 65 Prozent bei (generativer) Künstlicher Intelligenz Marktchancen für ihr Unternehmen (weltweit: 65 beziehungsweise 61 Prozent). Soweit die Theorie. In der Praxis sind die Unternehmen allerdings noch ausgesprochen zurückhaltend: Lediglich 24 Prozent bezeichnen sich als Early Adopter; 55 Prozent investieren nur selektiv und konzentrieren sich lieber auf ihr Kerngeschäft. Damit lässt sich das volle Potenzial von KI nicht ausschöpfen, wie auch der aktuelle PwC CEO Survey zeigt. Die meisten CEOs sehen noch keine konkreten Vorteile für ihr Unternehmen.
Zurückhaltend zeigen sich die deutschsprachigen Familienunternehmen auch, wenn es um strategische Partnerschaften und Kooperationen geht. Nur 46 Prozent lassen sich bisher darauf ein. Dabei bietet die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, Startups und Forschungseinrichtungen die Chance, sich Zugang zu neuen Technologien und externem Know-how zu sichern – gerade in herausfordernden Zeiten ist das essenziell. Außerdem sichern sich Unternehmen so den Zugang zu neuen Talenten.
Auch wenn es um das eigene Unternehmen geht, wird nur zum Teil erkannt, wie wichtig unterschiedliche Perspektiven sind. So haben erst vier von zehn Unternehmen externe Führungskräfte in die Geschäftsführung geholt, um von ihrem Know-how zu profitieren und sich an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Zudem will ein Drittel die Zusammensetzung des Beirats oder Aufsichtsrats anpassen. Denn diverse Teams mit unterschiedlichen Perspektiven auf Themen wie Künstliche Intelligenz oder Nachhaltigkeit erzielen die besseren Ergebnisse.
Unternehmen, die sich in disruptiven Zeiten behaupten wollen, müssen gezielt in digitale Kompetenzen und neue Technologien wie KI-Anwendungen investieren. Die ersten wichtigen Schritte: Einzelne und konkrete Use Cases identifizieren, die Belegschaft schulen und: Angst und Vorbehalte abbauen.
Familienunternehmen können von Kooperationen mit Startups, anderen Familienunternehmen und Forschungseinrichtungen profitieren. Der Blick über den Tellerrand erweitert die Perspektive, sichert den Zugang zu neuen Technologien und wichtigem Know-how. Außerdem kann dadurch der Fachkräftemangel in speziellen Bereichen wie IT und KI abgemildert werden.
Es ist sinnvoll, regelmäßig die Zusammensetzung der Führungs- und Beiratsgremien zu überprüfen. Expertise von außen und Diversität stärken die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.
Ebenso wichtig für die Zukunftsfähigkeit eines Familienunternehmens: die nächste Generation fördern und vorausschauend Nachfolgepläne entwickeln. Ein Drittel der befragten Unternehmen hat noch keinen klaren Nachfolgeplan. Das ist ausgesprochen riskant – gerade im Hinblick auf die Alterung von Familienunternehmer:innen.
Die Lage für Familienunternehmer verändert sich rasant. Daher ist es wichtig, das eigene Tempo zu erhöhen und die Vorteile eines Familienunternehmens zu nutzen: in flachen Hierarchien mit kurzen Entscheidungswegen zu arbeiten und offen für Veränderungen zu sein.
„Familienunternehmen brauchen jetzt dringend den Mut, neue Wege zu gehen und die Transformation mit mehr Tempo voranzutreiben. Nur wer sich öffnet, kooperiert und innovativ denkt, wird auch noch in Zukunft erfolgreich sein.“
Uwe Rittmann,Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC DeutschlandFür die Studie wurden 1.325 Familienunternehmen aus 62 Ländern befragt, darunter 150 aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz). Unter ihnen stammt die Hälfte aus dem industriellen Mittelstand.
12. Family Business Survey, Auskopplung DACH-Region
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